Freilandbauern: Verlängerung der Stallpflicht ist sinnlos und unnotwendig und widerspricht der artgerechten Tierhaltung

Mehr als 500 Freilandbauern werden sich nicht an Verlängerung halten

Gnas (OTS) - "Die heute vom Gesundheitsministerium bekannt
gegebene Verlängerung der Stallpflicht bis zum 12. Mai 2006 ist in unseren Augen absolut sinnlos und weder aus gesundheitlichen, noch aus sicherheitsspezifischen Gründen nachvollziehbar", erklärte Franz Pazek, Obmann des Vereins zur Förderung und Produktion von Freilandeiern und Sprecher von insg. 300 Freilandbauern aus ganz Österreich. "Wir Freilandhalter sehen nicht ein, dass wir unsere Hennen weiter eingesperrt lassen sollen, obwohl zahlreiche Experten darin übereinstimmen, dass in den meisten Gebieten kein Risiko besteht. Die Stallpflicht in diesen - nachweislich und von Experten bestätigten - risikofreien Gebieten weiterzuführen, wäre reine Tierquälerei!"

Die Entscheidung des Gesundheitsministeriums sei aus vielerlei Gründen nicht nachvollziehbar: So hätten zahlreiche kleine Freilandbauern und die sogenannten "Hobbyhühnerhalter" die Stallpflicht ohnedies ignoriert und die Hühner auch in den letzten Wochen im Freien gehalten. Auch würden in zahlreichen anderen europäischen Ländern - z. B. der Schweiz, Holland, England, Italien oder Frankreich - die Hühner bereits wieder bedenkenlos ins Freie gelassen.

"Ich habe daher vollstes Verständnis dafür, wenn die Bauern die Hühner bereits in den Auslauf gelassen haben bzw. sie jetzt wieder ins Freie lassen", so Franz Pazek verärgert. "Die Freilandbauern haben aufgrund ihrer engen und intensiven Beziehung zu den Tieren das beste Gespür für die für Sicherheit, Gesundheit und artgerechte Tierhaltung notwendigen Schritte und können sehr wohl die Verantwortung für ihre Tiere übernehmen."

Die Freilandbauern setzen sich dafür ein, dass die Stallpflicht und weiterführende Schutzmaßnahmen nur dort umgesetzt werden sollen, wo sie nach einer eingehenden Risikobewertung tatsächlich als notwendig erachtet werden - also insbesondere in der Nähe von Gewässern und entlang der Vogelflugzonen. Die Forderungen der Freilandbauern werden von zahlreichen Tierschutzorganisationen unterstützt. "Eine entsprechende Risikobewertung nach den im Februar vom Bundesministerium aufgestellten Bewertungsrichtlinien, wäre schon lang möglich gewesen. Außerhalb der Risikogebiete wurde nie ein Vogelgrippefall dokumentiert," so Dr. Elke Narath, Tierärztin von VIER PFOTEN.

Diese differenzierte Vorgangsweise wird von zahlreichen Experten unterstützt und für sinnvoll gehalten: "Auch eine Expertise vom Deutschen Bundesforschungsinstitut FLI bestätigt, dass unter bestimmten Bedingungen, die bereits in unserem seit mehreren Monaten bestehenden und umgesetzten Vorsorgeprogramm enthalten sind, Freilandhaltung jederzeit möglich ist. Zu den dafür notwendigen Maßnahmen zählen beispielsweise die ständige Risikoeinschätzung zum möglichen Kontakt zu Wildvögeln oder die laufende serologische Untersuchung der Geflügelbestände. Diese Maßnahmen werden bei uns seit November letzten Jahres umgesetzt. Deshalb verstehe ich auch, dass unsere Bauern die Hennen rauslassen wollen," so Toni Hubmann Vermarkter des Vereins zur Förderung und Produktion von Freilandeiern.

Auch der Geschäftsführer von Gnaser Frischei, Alois Hütter, der die Produkte von 200 Freilandbauern vermarktet, hat genug von der undifferenzierten Stallpflicht: "Die Hennen sind schon lange genug eingesperrt. Die vom Gesundheitsministerium verhängte Verlängerung der Stallpflicht ist nicht mehr sinnvoll. Außerdem haben ohnedies bereits die meisten Freilandbauern ihre Hennen im Auslauf."

Wissenschaftler bestätigen: Die Mehrzahl der Freiland-Höfe liegt außerhalb der Risikozonen. Mit den bei der Freilandhaltung bereits seit langem umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen (strenge Hygienevorschriften, laufende Kontrollen, Schutz des Auslaufs durch Vordächer) könnten daher die Hühner bedenkenlos ins Freie gelassen werden. Dies sei Voraussetzung für eine artgerechte Tierhaltung und im Frühjahr besonders wichtig.

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Toni's Handels GmbH
Franz Pazek, Tel. 0664-9230762
Toni Hubmann, Tel. 0664-4431230

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