Neue Finanzierungsmodelle für Beschäftigungsinitiativen in Wien

Wien (OTS) - Seit nunmehr fünf Jahren begehen R.U.S.Z und D.R.Z
den Tag der Langzeitarbeitslosen. Die beiden Unternehmen sind sozialökonomische Betriebe des Verbandes Wiener Volksbildung, beschäftigen als solche langezeitbeschäftigungslose Menschen als Transitarbeitskräfte und unterstützen diese, wieder einen Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt zu finden.

Dies gelingt in der Regel auf Grund des hohen Einsatzes der dafür zuständigen SozialpädagogInnen, doch verschärft sich die Situation zunehmend.

Der österreichische Arbeitsmarkt wird auf Sicht von einem Überangebot an Arbeitskräften gekennzeichnet sein: Zu viele Erwerbswillige stehen in Konkurrenz um zu wenige Arbeitsplätze in österreichischen Unternehmen. Das mittelfristig prognostizierte Wirtschaftswachstum reicht nicht aus, um allen Arbeit Suchenden auch Beschäftigungsmöglichkeiten zu geben. Mit anderen Worten: Die hohe Arbeitslosigkeit in Österreich wird andauern.

Der Wunsch des AMS Wien nach mehr so genannten Transitarbeitsplätzen wird konterkariert durch ein beschränktes Budget für aktive Arbeitsmarktpolitik im Jahr 2006. Im Falle R.U.S.Z und D.R.Z können nicht einmal die "natürlichen" Kostensteigerungen durch Indexanpassungen finanziert werden. - Jetzt ist Fantasie bei den AkteurInnen in den Beschäftigungsinitiativen gefragt!

Die Sozialwirtschaft als dritter Sektor, neben öffentlichem und privatem Sektor, ist in der Lage, die aktuell großen gesellschaftspolitischen Probleme Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung durch Armut zu lösen.

"In Zeiten anhaltender Arbeitslosigkeit und der Legitimationskrise der Wohlfahrtsstaaten werden dem dritten Sektor als Ort zwischen Markt und Staat große Potenziale zugeschrieben," sagt Dr. Maria Anastasiadis von der Sozialökonomischen Forschungsstelle.

"Beschäftigungsinitiativen brauchen mehr Gestaltungsspielraum, wenn sie den aktuellen Herausforderungen der Förderlandschaft gerecht werden wollen. Erhöhung der Produktivität ist nur möglich bei einem Mehr an unternehmerischer Freiheit," meint Mag. Christian Wolf, Geschäftsführer der Beschäftigungsgesellschaft BAN (Beschäftigung, Arbeit, Neubeginn) im Rahmen einer anlässlich des Tages der Langzeitarbeitslosen geführten Podiumsdiskussion im Demontage- und Recycling-Zentrum D.R.Z.

Sepp Eisenriegler, Geschäftsführer der sozialökonomischen Betriebe R.U.S.Z und D.R.Z sieht die Chancen mittelfristig vor allem in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft: "Kooperationen mit der Wirtschaft und marktnahe Fördermodelle sind willkommene Krücken. Nun geht es darum, die Sozialwirtschaft verstärkt als strategische Utopie ins Spiel zu bringen. Sozialwirtschaft ist die Produktion von Gütern und Dienstleistungen außerhalb des Marktsystems. Sie kann als eigener (dritter) Wirtschaftssektor zwischen Staat und Markt jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik verstanden werden."

Oswald Bazant, Landesgeschäftsführer des Verbandes Wiener Volksbildung, dem Träger von R.U.S.Z und D.R.Z, sieht Chancen im New Public Management: "Sozialökonomische Betriebe und ähnliche Einrichtungen können Aufgaben erfüllen, die der Allgemeinheit Nutzen bringen und von kommunalem Interesse sind. So gibt es jetzt schon Kooperationen von R.U.S.Z und D.R.Z mit der MA 48." Bazant wünscht sich dabei jedoch im Gegensatz zu heute Leistungsverträge mit längeren Laufzeiten, die eine langfristige wirtschaftliche Planung ermöglichen.

Einig sind sich die Podiumsgäste dahingehend, dass sich bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die öffentliche Hand nicht zurückziehen darf. Neue Finanzierungsmodelle können in diesem Zusammenhang bestenfalls als Kofinanzierungen gesehen werden. (Schluss) vhs

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Verband Wiener Volksbildung
Eva Lukas
Tel.: 89 174/42
eva.lukas@vwv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0020