52 Röhren im ÖAMTC-Tunnel-Test 2006 - jeder vierte Testkandidat fiel durch (Teil1, +Grafik, +Audio)

Österreich ist bestes Tunnelland Europas - Italiener bleiben Schlusslicht

Wien (OTS) - 152 Unfälle passierten im vergangenen Jahr in Österreichs Autobahn- und Schnellstraßen-Tunnel. Vier Menschen wurden dabei getötet. Mit der EU-Tunnelrichtlinie wurden einheitliche Sicherheitsstandards für alle bestehenden und geplanten Tunnel geschaffen. Beim ÖAMTC-Tunnel-Test 2006 hat der Club mit seinen europäischen Partnern im Rahmen des EuroTAP-Projektes (European Tunnel Assessment Programm) die Einhaltung dieser Richtlinie kontrolliert. Die Lehren, die aus verheerenden Tunnelunfällen in der Vergangenheit gezogen wurden, spiegeln sich im Testergebnis des achten ÖAMTC-Tunnel-Tests wider: 22 "sehr gut", neun "gut", acht "ausreichend", fünf "bedenklich" und acht "mangelhaft" wurden vergeben. Von schwarzen Löchern bis zum Idealbild eines Tunnels reicht die Ergebnispalette der 52 Röhren, die in 14 europäischen Ländern geprüft wurden.

Platz eins beim diesjährigen ÖAMTC-Tunnel-Test geht an einen Spanier. Der spanische Tunnel M-12 auf der M12, dem Zubringer zum Madrider Flughafen Barajas, ist mit allem ausgestattet, was einen modernen, sicheren Tunnel ausmacht. Dicht auf den Fersen ist der kroatische Tunnel Gric, an dritter und vierter Stelle liegen zwei deutsche Tunnel, Hochwald und Aubing.

Große Verlierer sind auch heuer die Italiener. "Der letztplatzierte Segesta auf der A29 bei Calatafimi lieferte das schlechteste jemals in der Geschichte der ÖAMTC-Tunnel-Tests erzielte Ergebnis", erklärt Matzke. Der 30 Jahre alte Tunnel entspricht keinerlei Sicherheitsanforderungen und in den vergangenen Jahren fand auch kein einziges Lifting statt. "Ein schwarzes Loch, mehr nicht", urteilt ÖAMTC-Tunnelexperte Willy Matzke.

Und so liegen Österreichs Tunnel im Europa-Vergleich

Österreich ist im EU-Vergleich ein Land mit überdurchschnittlich hoher Tunneldichte. Im ÖAMTC-Tunnel-Test erhielten vier der sieben getesteten österreichischen Röhren (Bindermichl, Ofenauer, Hiefler, Wald) die Gesamtnote "sehr gut", zwei ein "gut" (Oswaldiberg, Ehrentalerberg) und einer (Bruck) wurde mit "ausreichend" beurteilt. Insgesamt liegen alle österreichischen Testkandidaten im positiven Bereich. Daher zählt Österreich im europäischen Vergleich zum sichersten und besten Tunnelland.

Österreich setzt Meilenstein mit Umsetzung des Tunnelsicherheitsgesetzes

Nach den großen Tunnelkatastrophen im Mont Blanc-, Gotthard- und Tauerntunnel der Vergangenheit verabschiedete das Europaparlament 2004 eine Richtlinie, die einheitliche Sicherheitsstandards für alle Tunnel festlegt. Für die Kontrolle der Einhaltung dieser Richtlinie wurde das Projekt EuroTAP installiert. Mit 1. Mai 2006 wird diese Richtlinie mit dem Tunnelsicherheitsgesetz in Österreich umgesetzt. "Wir sind die einzigen und ersten, die eigene Tunnelwächter beauftragen, die einen sicheren Betrieb garantieren sollen. Außerdem enthält das neue Gesetz genaue Vorschriften über Flucht- und Rettungswege, die von Österreich bei allen neuen Tunnel mustergültig eingehalten werden", so Matzke.

Die Österreich-Ergebnisse im Detail

Österreichs "Aushängeschild", der Bindermichl in Linz ist einer der "Siegertunnel" im heurigen Europatest. Er punktet mit Flucht- und Rettungswegen im Abstand von 150 Metern, lückenloser Videoüberwachung, durchgehendem Verkehrsfunk und automatischer Erfassung von Verkehrsstörungen. Das automatische Brandmeldesystem erkennt Brände, aktiviert die Lüftung, sperrt den Tunnel und alarmiert die Feuerwehr. "Einziger Wermutstropfen, der das als mittel eingestufte Risiko für die Tunneldurchfahrt rechtfertigt, ist die Verkehrsbelastung von mehr als 85.000 Fahrzeugen pro Tag", erklärt der ÖAMTC-Experte. Eine Verkehrsbeeinflussungsanlage soll bald Abhilfe schaffen.

Auch Ofenauer- und Hieflertunnel auf der Tauern Autobahn (A10) im Salzachtal wurden nach Restaurierung mit "sehr gut" beurteilt. Die Röhren stammen aus den Jahren 1974 und 1980. Am ebenfalls guten Oswaldiberg Tunnel aus dem Jahr 1988 sind die Notausgänge mit 700 Metern zu weit entfernt, im Ernstfall kann der 4.307 Meter lange Lüftungsabschnitt bei Längslüftung überfordert sein. Der Rauch würde abkühlen, zu Boden sinken und die Fluchtwege blockieren.

Der nur zehn Jahre alte Ehrentalerberg Tunnel der Umfahrung von Klagenfurt war im Test eindeutig zu wenig beleuchtet und hatte zu dunkle Seitenwände. Mit der Aufrüstung wurde inzwischen schon begonnen. "In beiden Kärntner Tunnel muss das Personal samt Feuerwehr besser geschult werden", fordert Matzke. Im Tunnel Wald auf der Pyhrnroute wurde die gelbe Beleuchtung gegen eine weiße ausgetauscht. Die Farbechtheit in den Videokameras ist dadurch garantiert.

Brucker Tunnel "gerade" noch positiv beurteilt - zu finster und schmutzig

Der Brucker Tunnel auf der Semmering Schnellstraße (S6) kam gerade noch mit einem blauen Auge davon. Er ist zu finster, schmutzig, hat keine hellen Wände und selbst die LED-Beleuchtung an den Gehsteigen fehlt. Die Asfinag hat ein Konzept zur Grundrestaurierung aller Tunnel der Murtal Schnellstraße (S36) vorgelegt, an der S6 auf der gleichen Route bei Mürzzuschalg wird bereits als Folge der schlechten ÖAMTC-Testergebnisse die zweite Röhre für den Ganzsteintunnel hergestellt. Eine neue Tunnelzentrale in Kapfenberg wird für eine perfekte Überwachung sorgen.

Fazit des ÖAMTC-Experten:
"Der positive Trend der vergangenen Testjahre setzt sich fort. Das ist dem Nachdruck des ÖAMTC und seiner europäischen Partnerclubs zuzuschreiben, die sich seit Jahren jeweils im eigenen Land und auf internationaler Ebene vehement für die Verbesserung der Tunnelsicherheit einsetzen", resümiert Matzke. Dieser Einsatz wird aber auch in Zukunft verstärkt nötig sein. "Denn leider ist noch bei weitem nicht alles saniert und renoviert", so der Club-Experte. Die Zeit der schwarzen Löcher sollte so bald wie möglich ein für alle Mal vorbei sein. Hauptaugenmerk gilt nun der Aufklärung der Autofahrer:
Vor allem zu geringe Sicherheitsabstände und falsches Verhalten im Ernstfall, wie z.B. Alarmierung über Handy statt über die installierten Nottelefone, wiegen schwer.

Aviso an die Redaktionen:
* Der Film "Sicher im Tunnel" auf DVD und Beta-TV-Material ist bei der ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit unter 01/ 71199 DW 1370 erhältlich. * Grafiken und Fotos zum ÖAMTC-Tunnel-Test 2006 finden sich im Fotoservice auf der Homepage des Clubs unter www.oeamtc.at/presse.

(Schluss)

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