Kreisky-Forum - Das schwedische Wirtschafts- und Sozialmodell als Vorbild für Europa

Wien (SK) - Um in Österreich eine Frauenerwerbsquote wie in Schweden zu erreichen, braucht es 300.000 Frauen "mehr am Arbeitsmarkt", bekräftigte Wirtschaftsforscher Markus Marterbauer vom WIFO am Mittwoch im Rahmen der Veranstaltung "Das schwedische Wirtschafts- und Sozialmodell. Ein Vorbild für Europa" des Kreisky-Forums in Zusammenarbeit mit dem Renner Institut und dem Team für Wien 19. Marterbauer kritisierte, dass zwar drei Prozent des BIP in Österreich für Familie vorgesehen seien, "davon aber rund 90 Prozent Geldleistungen ausmachen und nur 10 Prozent in Kinderbetreuungseinrichtungen fließen". Ferdinand Lacina, Finanzminister a.D., betonte, dass die Regierung Schüssel weit davon entfernt sei, in Sachen Steuer-, Familien- und Bildungspolitik mit den skandinavischen Ländern - ausgezeichnet durch ein hohes wirtschaftliches Wachstum und gering Arbeitslosigkeit - mitzuhalten. Es diskutierte weiters der schwedische Sozialforscher Joakim Palme vom Institute for Future Studies. ****

Der Anteil der beschäftigten Frauen in Österreich liege bei 62 Prozent, in Schweden jedoch bei 71 Prozent - "das ist ein großer Unterschied", erklärte Marterbauer. Interessant sei auch, dass der Anteil an Frauen, die Teilzeit beschäftig sind, in Schweden bei 40 Prozent liege und in Österreich bei 37 Prozent - doch ein Teilzeitjob in Schweden bedeute eine durchschnittliche Arbeitszeit von 30 Stunden in der Woche, in Österreich nur 20 Wochenstunden. Diese Differenz wirke sich stark auf das Einkommen aus, Marterbauer sprach vom Problem der "working poor" in Österreich. Eine Erhöhung der Frauenerwerbsquote erfordere die Schaffung von Kinderbetreuungseinrichtungen.

Auch bei den Investitionen in Innovationen sei Schweden mit vier Prozent des BIP Österreich voraus. Die Pensionsreform in den 90ern in Schweden habe auf einem breiten Konsens basiert, so Marterbauer, die Reform in Österreich "wurde ohne Konsens darüber beschlossen", die großen Investitionen in private Vorsorgen zeige, dass das Vertrauen der Menschen in das System gering sei.

Palme: Wichtig, in die Jugend zu investieren

Joakim Palme erklärte, dass das schwedische Sozialmodell ein Modell "des sozialen Schutzes" sei, mit universellen Leistungen und individuellen sozialen Rechten. Da in Schweden die Leistungen stimmen und als gut empfunden werden, sind die Menschen auch bereit, Steuern dafür zu zahlen, so Palme. Eine Stärke des Modells stelle weiters die hohe Beschäftigungsrate dar, die auch in der hohen weiblichen Teilnahme am Arbeitsmarkt begründet liege.

Der schwedische Sozialforscher betonte, dass "Arbeitslosigkeit ein bedrohliches Element für die Demokratie darstellt, da es das Vertrauen in die Politik ruiniert". Heute stehe die Europäische Union vor vielen Problemen mit denen Schweden in den 90er Jahren zu kämpfen hatte. Ein Problem liege beispielsweise in der Überalterung. Palme kritisierte, dass "die Aufmerksamkeit nur auf die Bereiche Pension und Gesundheit gelegt wird". Für ihn ist es besonders wichtig, in die Jugend - die zukünftigen Steuerzahler - zu investieren, "dann ist die Last leichter zu tragen". (Schluss)sf

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