Verletzte und Tote am Arbeitsplatz: Gewerkschaften weltweit entzünden Kerzen

Regierung muss mehr für Gesundheit der ArbeitnehmerInnen tun

Wien (GMT/ANG/ÖGB) - Am 28. April gedenken GewerkschafterInnen aus aller Welt der verstorbenen und verletzten ArbeitnehmerInnen. Jedes Jahr gibt es über 2 Millionen Tote durch Arbeitsunfälle, 270 Millionen Menschen, die Arbeitsunfälle erleiden, 1,7 Millionen Todesfälle auf Grund beruflicher Erkrankungen und 160 Millionen Menschen, die sich Berufskrankheiten zuziehen. GMT Frauenvorsitzende Erika Nussgraber-Schnabl, Vorsitzende des ÖGB Bundesvorstandsausschusses für Gesundheit am Arbeitsplatz, fordert aus diesem Anlass größte Anstrengungen aller Beteiligten zur Vermeidung von Unfällen und berufsbedingten Erkrankungen.++++

Laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) sterben jährlich noch immer 12.000 Kinder bei der Arbeit. 340.000 ArbeitnehmerInnen sterben jährlich auf Grund von Arbeit mit gefährlichen Arbeitsstoffen und allein 100.000 Menschen sterben an den Folgen von Arbeit mit Asbest. In Österreich ist die Zahl der Asbestkranken und Asbesttoten nicht bekannt. Auch in Österreich ist die Zahl der Arbeitsunfälle seit 2002 erstmals wieder auf über 120.000 gestiegen. Und auch die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle ist mit 219 Toten 2005 wieder angestiegen.

"Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse kommen auch zum Schluss, dass rund 50 Prozent aller Erkrankungen durch Arbeit hervorgerufen, mit verursacht oder verstärkt werden", erläutert Nussgraber-Schnabl. "Arbeitsbedingte Erkrankungen zeigen sich in hohen Arbeitsplatz- und Berufswechselraten, in hohen Krankenstandszahlen und einem hohen Anteil an Erwerbsunfähigkeitspensionen." Viele Magen- und Darmerkrankungen, Diabetes, aber auch Herz-, Lungen- und Hirninfarkte von Menschen, die jahrelang unter Stress am Arbeitsplatz leiden, sind arbeitsbedingt. "ArbeiterInnen, die mit 50 Jahren Kreuzleiden haben, wissen oft selbst nicht, dass die Ursache dafür - neben körperlicher Schwerstarbeit - die Arbeit unter Druck und Stress ist", so Nussgraber-Schnabl.

Bangladesch: 86 Tote in 2 Monaten

Die Situation ist in anderen Ländern durch fehlende gesetzliche Bestimmungen oder fehlende Kontrolle über deren Einhaltung noch dramatischer. In Bangladesch forderten in den vergangenen zwei Monaten vier Brände und ein Gebäudeeinsturz in Bekleidungsfabriken 86 Todesopfer und 300 Schwerverletzte. Das letzte Unglück ereignete sich am 21. März in einer Bekleidungsfabrik, wo 44 ArbeiterInnen bei einem noch ungeklärten Brand verletzt wurden. "Viele Unternehmen in Bangladesch und anderen Ländern sehen Dinge wie ausreichende Notausgänge, Schutzbekleidung und andere Sicherheitsmaßnahmen als Kostenfaktoren, die ihre Gewinne schmälern - und verzichten auf Kosten der ArbeiterInnen darauf", kritisiert Nussgraber-Schnabl.

Forderungen der Gewerkschaften

"Die gestiegenen Unfallzahlen in Österreich sind ganz klar auf Versäumnisse der Bundesregierung zurückzuführen", kritisiert Nussgraber-Schnabl. Sie fordert unter anderem ein Präventionsgesetz, nach dem Kranken- und Unfallversicherungen zur Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren und zur Betrieblichen Gesundheitsförderung zusammenarbeiten, weiters einen gesetzlichen Auftrag für die AUVA, ausreichend finanzielle Mittel für die Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren aufzuwenden. "Die Regierung muss außerdem alternsgerechtes Arbeiten zu einem Schwerpunkt machen und mit den SozialpartnerInnen branchenbezogene Leitlinien zur Beschäftigungs- und Arbeitsfähigkeit älterer ArbeitnehmerInnen festlegen. Berufskrankheiten müssen untersucht und ans Tageslicht gebracht werden, damit Menschen, die mit gefährlichen Arbeitsstoffen arbeiten mussten, länger leben können."

GewerkschafterInnen in aller Welt zünden am 28. April an ihren Arbeitsplätzen Kerzen an und gedenken am Fließband, im Supermarkt, auf der Baustelle, beim Verschieben am Bahnhof, am Krankenbett oder im Büro jener KollegInnen, die durch die Arbeit gestorben oder krank geworden sind.

ÖGB, 27. April 2006
Nr. 287

Rückfragen & Kontakt:

Nani Kauer, GMT Presse
(01) 501 46 242, 0664 6145 915
www.metaller.at, ab 8. Mai: www.gmtn.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0002