WirtschaftsBlatt Kommentar vom 26.4.2006 Ein roter Teppich für die Chinesen - von Peter Muzik

In Wiens China Town soll High Tech eine grosse Rolle spielen

Wien (OTS) - Am Montag hat sich Bundeskanzler Schüssel im japanischen Kaiserpalast noch höflich vor dem Tenno verneigt. Beim darauf folgenden EU-Japan-Gipfel ging es primär um eine engere politische Zusammenarbeit der Europäischen Union mit dem asiatischen Inselstaat. Und so nebenbei wurde mit Premierminister Koizumi eine Intensivierung des Tourismus zwischen Österreich und Japan besprochen.
Am gestrigen Dienstag erwies sodann Vizebürgermeister Sepp Rieder im Wiener Rathaus den Asiaten seine Referenz: Nach zweijähriger Umwerbung der fernöstlichen Braut konnte er stolz vermelden, dass der geplante chinesische Industriepark in der Bundeshauptstadt endgültig Gestalt annimmt. Der Wiener Wirtschaftsförderungsfonds hat es erfreulicherweise geschafft, eine Investorengruppe aus dem Reich der Mitte nach Wien zu lotsen. Diese kann sich demnächst in einem eigens errichteten monströsen Bürohochhaus voll entfalten (siehe Artikel auf Seite 3).
Die unterschiedlichen Aktivitäten in Tokio und Wien sind für Österreichs Wirtschaft nicht nur sehr lobenswert, sondern -mittelfristig betrachtet - sogar überlebenswichtig. Dass sich Japan derzeit wieder im Aufwind befindet, ist ebenso bekannt wie die Binsenweisheit, dass Chinas Konjunktur gewaltig boomt und das Riesenreich als Supermarkt schlechthin einzustufen ist. Die beiden Initiativen könnten uns daher, jede auf ihre Art, einiges bringen:
Die Japaner, die in der Alpenrepublik längst nicht nur als Touristen präsent sind, sondern mit Volldampf ihre Autos, Videogames oder Digitalkameras verkaufen, müssten bloss einen Zahn zulegen. Für Chinas Unternehmen hingegen, die hier zu Lande noch eine weithin unbekannte Spezies sind, wird es durchaus Charme haben, dass in Wien so etwas wie eine "China Town" entsteht, mit einem chinesischen Businesspark als Mittelpunkt - übrigens dem nach London und Moskau europaweit dritten.
Der rote Teppich, den man den Chinesen ausrollt, wird sich bezahlt machen: Die Volksrepublik, die gerne auf den Export von Billig-T-Shirts oder Billig-Schuhen reduziert wird, will ihre wirtschaft-lichen Beziehungen zur Europäischen Union gerne intensivieren und verbreitern. Dabei wäre Wien für die chinesischen Geschäftsleute ein geradezu idealer Stützpunkt, um ganz Europa zu bearbeiten. Bei uns können sie jedenfalls rasch den Nachweis erbringen, dass China als Wirtschaftsmacht besser ist als sein Ruf. Und von High Tech oder Networking weitaus mehr versteht, als manche annehmen.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 und /280
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001