Zeig mir deinen, ich zeig dir meinen - Kommentar von Clemens Rosenkranz im neuen economy

Wien (OTS) - Um vom karibischen Desaster abzulenken, war der Beschluss des ÖGB, die Gewerkschaftsbank Bawag komplett und rasch zu verklopfen, ein sehr probates PR-Mittel. Das Ablenkungsmanöver hat bis jetzt gut gewirkt, und anstatt die Schuldigen für den Milliardenflop voll ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren, spielt mancher Journalist das Spiel "Ich zeig dir meinen, du zeigst mir deinen", nämlich einen Interessenten für die Bawag-PSK-Gruppe.

Das freut auch die Informanten: Sie können ihre Eitelkeiten in Szene setzen und die strategischen Visionen ihres Finanzunternehmens in goldigem PR-Licht erstrahlen lassen. Und mancher angebliche Interessent meldet sich vielleicht nur zu Wort, um als verbrannter Kandidat rasch und ohne Gesichtsverlust aus dem Verkaufsringelreihen aussteigen zu können. Das ist auch eine hohe Kunst der Spekulation. Noch bevor die PR-Waffe stumpf werden konnte, hat der ÖGB nachgelegt:
Die Ankündigung, eine Sperrminorität zu behalten, ist wohl der erste Schritt der Bosse der Genossen, den Verkauf als Ganzes abblasen zu können.

Denn wenn nur 75 Prozent angeboten werden, kann man die so ausgelöste geringere Kaufl ust als Argument verwenden, dass der gesamte Deal nicht optimal ist. Und sollte es dem ÖGB trotz großer Mühe nicht gelingen, allen Bawag-Interessenten den Kauf madig machen zu können, gibt es ein Killer-Argument in der Schublade: Durch den Deal werden tausende Jobs gefährdet, und deshalb wird der Verkauf verschoben, bis das Umfeld günstiger ist. Damit hätte man mehrere Fliegen auf einen Streich erlegt: Das Thema Bawag beschädigt nicht den SPÖ-Wahlkampf, und weitere Aufdeckung bleibt aus, weil auch Verleger dann nichts mehr von Bawag hören oder lesen wollen. Und die Kunden dürfen sich über ihr Institut mit menschlichem Antlitz freuen:
Der Flop verkauft sich wirklich top.

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