SPÖ-Klubtagung: Frauen brauchen Perspektiven

SPÖ will Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen verringern

Loipersdorf (SK) - Der zweite Tag der SPÖ-Klubtagung in
Loipersdorf stand ganz im Zeichen der Frauenpolitik, insbesondere wurden Beschäftigungs- und Bildungsfragen erörtert. SPÖ-Gleichbehandlungssprecherin Gabriele Heinisch-Hosek beschrieb die Ausgangslage so: "Frauen sind nicht besser als Männer, schlechter aber auch nicht. Trotzdem werden sie schlechter behandelt." Diese Feststellung wurde von den ExpertInnen mit zahlreichen empirischen Untersuchungen belegt. Trotz formal gleicher Qualifikation stellen sich binnen weniger Jahre im Berufsleben große Unterschiede zwischen Männern und Frauen ein, Frauen bekommen weniger Einkommen und bleiben bei der Karriere zurück. ****

Heinisch-Hosek hielt der Regierung vor, dass die Bereiche Beschäftigung, Bildung und Qualifizierung von Frauen zu den am meisten vernachlässigten zählen. Dem routinemäßigen Hinweis auf die gestiegene Frauenerwerbsquoten stellte Heinisch-Hosek die Tatsache gegenüber, dass der Anstieg praktisch ausschließlich auf Teilzeitbeschäftigung entfalle und auf Kosten von Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen gehe. Mittlerweile arbeiten 40 Prozent der Frauen Teilzeit, aber nur für 16 Prozent dieser Gruppe ist das auch die Wunscharbeitszeit.

Im Unterschied zur ÖVP "kümmern wir uns um die Frauen", betonte Heinisch-Hosek. "Wir wollen, dass sie so leben können, wie sie wollen", so die Abgeordnete. Sie präsentierte ein Maßnahmenpaket für Frauen, das sofort nach einem Regierungswechsel umgesetzt werden solle. Darin enthalten sind ein mit 100 Mio. Euro pro Jahr dotierte Bundesfrauenförderungsfonds, eine Reform des Kindergelds mit echter Wahlfreiheit und 100 Millionen Euro für den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen.

Außerdem will die SPÖ-Politikerin zur Verringerung der Einkommensunterschiede von Frauen und Männern die verpflichtende Veröffentlichung der Einkommensstruktur in den Unternehmen. Von diesen Maßnahmen erwartet sich Heinisch-Hosek eine signifikante Verringerung der Einkommensunterschiede.

Frauen überholen Männer bei formaler Qualifikation, bleiben aber trotzdem bei Einkommen und Karriere zurück

Die Arbeitsmarktexpertinnen Regine Wieser und Marie Gutknecht-Gmeiner vom Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung machten anhand von empirischen Daten aus den letzten drei Jahrzehnten deutlich, dass Frauen bei der formalen Qualifikation (also bei den Bildungsabschlüssen Matura bzw. Uni-Abschluss) die Männer bereits überholt haben; dieser Vorsprung wirkt sich aber nicht im Berufsleben aus: "Höhere Abschlüsse werden von Frauen ungleich weniger in gute Jobs und Karrieren umgesetzt." Die Einkommensunterschiede liegen je nach Quelle bei einem Drittel (nach den Daten des Hauptverbands) oder sogar 40 Prozent (ermittelt aus der Lohnsteuerstatistik).

Studie: Nach zehn Jahren haben Frauen 71.000 Euro weniger verdient

Guido Struck von der Wiener Wirtschaftsuniversität berichtet dann die Ergebnisse einer langfristigen Untersuchung von Einkommens- und Karriereverläufen von statistischen Zwillingen (jeweils Männer und Frauen, die sich aber im Übrigen bei ihren sozioökonomischen Merkmalen und in ihrer Persönlichkeitsstruktur nicht unterscheiden). Während sich in den ersten drei Jahren nach dem Berufseintritt weder beim Einkommen, noch bei der Karriere Unterschiede zeigen, sind nach zehn Jahren die Unterschiede dramatisch.

Nach zehn Jahren haben Frauen um 71.000 Euro weniger verdient und sind in der Karriereleiter viel weiter unten geblieben. Dieser Unterschied ist nun keineswegs nur auf Kinder-bedingte Berufsunterbrechungen zurückzuführen; denn auch ohne Karenz haben Frauen nach zehn Jahren 61.000 Euro weniger verdient, mit Karenz liegt der Einkommensabstand bei 95.000 Euro.

Nur 20 Prozent aller in Forschung Beschäftigten sind Frauen

Brigitte Piwonka, die der IT Salon pour elle betreibt (eine Netzwerk zur Förderung von Frauen in der Wirtschaft und Forschung) machte deutlich, dass in der Forschungslandschaft, konkret bei der Beteiligung von Frauen in der Forschung, Österreich im EU-Vergleich Schlusslicht sei, mit nur 19 Prozent Frauen. Auch eine Auswertung der Forschungsansuchen und Bewilligungen zeigt, wie Frauen einerseits unterrepräsentiert sind (nur 20 Prozent der Ansuchen kommen von Frauen) und andererseits benachteiligt werden (die Ansuchen von Männern werden zu 60 Prozent, die von Frauen nur zu 40 Prozent bewilligt).

Bösckör: Die Technik nicht den Männern überlassen

"Die Technik ist nach wie vor eine männliche Spielwiese. Die Frauen sollten die Technik aber nicht den Männern überlassen", erklärte Katharina Bösckör, Marketingleiterin der Unternehmens Festo, in ihrem Referat. Dass Frauen die Technik erobern, sei umso wichtiger, als es in diesem Bereich solide Arbeitsmarktchancen gebe und die Bezahlung eine höhere sei. 80 Prozent der Stellenangebote betreffen technische Berufe. Festo selbst startet mit dem Programm "Leonardo" eine Initiative zur Unterstützung von Frauen in der Technik. Gefordert seien ein geschlechterspezifischer Umgang mit Technik in der Unterstufe, Mädchenprogramme, sowie im Beruf variable Arbeitszeiten und finanzielle Anreizmodelle, so Bösckör. (Schluss) wf/cs

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