• 25.04.2006, 13:20:44
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SPÖ-Klubtagung: Frauen brauchen Perspektiven

SPÖ will Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen verringern

Loipersdorf (SK) - Der zweite Tag der SPÖ-Klubtagung in
Loipersdorf stand ganz im Zeichen der Frauenpolitik, insbesondere
wurden Beschäftigungs- und Bildungsfragen erörtert.
SPÖ-Gleichbehandlungssprecherin Gabriele Heinisch-Hosek beschrieb die
Ausgangslage so: "Frauen sind nicht besser als Männer, schlechter
aber auch nicht. Trotzdem werden sie schlechter behandelt." Diese
Feststellung wurde von den ExpertInnen mit zahlreichen empirischen
Untersuchungen belegt. Trotz formal gleicher Qualifikation stellen
sich binnen weniger Jahre im Berufsleben große Unterschiede zwischen
Männern und Frauen ein, Frauen bekommen weniger Einkommen und bleiben
bei der Karriere zurück. ****

Heinisch-Hosek hielt der Regierung vor, dass die Bereiche
Beschäftigung, Bildung und Qualifizierung von Frauen zu den am
meisten vernachlässigten zählen. Dem routinemäßigen Hinweis auf die
gestiegene Frauenerwerbsquoten stellte Heinisch-Hosek die Tatsache
gegenüber, dass der Anstieg praktisch ausschließlich auf
Teilzeitbeschäftigung entfalle und auf Kosten von
Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen gehe. Mittlerweile arbeiten 40
Prozent der Frauen Teilzeit, aber nur für 16 Prozent dieser Gruppe
ist das auch die Wunscharbeitszeit.

Im Unterschied zur ÖVP "kümmern wir uns um die Frauen", betonte
Heinisch-Hosek. "Wir wollen, dass sie so leben können, wie sie
wollen", so die Abgeordnete. Sie präsentierte ein Maßnahmenpaket für
Frauen, das sofort nach einem Regierungswechsel umgesetzt werden
solle. Darin enthalten sind ein mit 100 Mio. Euro pro Jahr dotierte
Bundesfrauenförderungsfonds, eine Reform des Kindergelds mit echter
Wahlfreiheit und 100 Millionen Euro für den Ausbau von
Kinderbetreuungseinrichtungen.

Außerdem will die SPÖ-Politikerin zur Verringerung der
Einkommensunterschiede von Frauen und Männern die verpflichtende
Veröffentlichung der Einkommensstruktur in den Unternehmen. Von
diesen Maßnahmen erwartet sich Heinisch-Hosek eine signifikante
Verringerung der Einkommensunterschiede.

Frauen überholen Männer bei formaler Qualifikation, bleiben
aber trotzdem bei Einkommen und Karriere zurück

Die Arbeitsmarktexpertinnen Regine Wieser und Marie
Gutknecht-Gmeiner vom Österreichischen Institut für
Berufsbildungsforschung machten anhand von empirischen Daten aus den
letzten drei Jahrzehnten deutlich, dass Frauen bei der formalen
Qualifikation (also bei den Bildungsabschlüssen Matura bzw.
Uni-Abschluss) die Männer bereits überholt haben; dieser Vorsprung
wirkt sich aber nicht im Berufsleben aus: "Höhere Abschlüsse werden
von Frauen ungleich weniger in gute Jobs und Karrieren umgesetzt."
Die Einkommensunterschiede liegen je nach Quelle bei einem Drittel
(nach den Daten des Hauptverbands) oder sogar 40 Prozent (ermittelt
aus der Lohnsteuerstatistik).

Studie: Nach zehn Jahren haben Frauen 71.000 Euro weniger
verdient

Guido Struck von der Wiener Wirtschaftsuniversität berichtet dann
die Ergebnisse einer langfristigen Untersuchung von Einkommens- und
Karriereverläufen von statistischen Zwillingen (jeweils Männer und
Frauen, die sich aber im Übrigen bei ihren sozioökonomischen
Merkmalen und in ihrer Persönlichkeitsstruktur nicht unterscheiden).
Während sich in den ersten drei Jahren nach dem Berufseintritt weder
beim Einkommen, noch bei der Karriere Unterschiede zeigen, sind nach
zehn Jahren die Unterschiede dramatisch.

Nach zehn Jahren haben Frauen um 71.000 Euro weniger verdient und
sind in der Karriereleiter viel weiter unten geblieben. Dieser
Unterschied ist nun keineswegs nur auf Kinder-bedingte
Berufsunterbrechungen zurückzuführen; denn auch ohne Karenz haben
Frauen nach zehn Jahren 61.000 Euro weniger verdient, mit Karenz
liegt der Einkommensabstand bei 95.000 Euro.

Nur 20 Prozent aller in Forschung Beschäftigten sind Frauen

Brigitte Piwonka, die der IT Salon pour elle betreibt (eine
Netzwerk zur Förderung von Frauen in der Wirtschaft und Forschung)
machte deutlich, dass in der Forschungslandschaft, konkret bei der
Beteiligung von Frauen in der Forschung, Österreich im EU-Vergleich
Schlusslicht sei, mit nur 19 Prozent Frauen. Auch eine Auswertung der
Forschungsansuchen und Bewilligungen zeigt, wie Frauen einerseits
unterrepräsentiert sind (nur 20 Prozent der Ansuchen kommen von
Frauen) und andererseits benachteiligt werden (die Ansuchen von
Männern werden zu 60 Prozent, die von Frauen nur zu 40 Prozent
bewilligt).

Bösckör: Die Technik nicht den Männern überlassen

"Die Technik ist nach wie vor eine männliche Spielwiese. Die
Frauen sollten die Technik aber nicht den Männern überlassen",
erklärte Katharina Bösckör, Marketingleiterin der Unternehmens Festo,
in ihrem Referat. Dass Frauen die Technik erobern, sei umso
wichtiger, als es in diesem Bereich solide Arbeitsmarktchancen gebe
und die Bezahlung eine höhere sei. 80 Prozent der Stellenangebote
betreffen technische Berufe. Festo selbst startet mit dem Programm
"Leonardo" eine Initiative zur Unterstützung von Frauen in der
Technik. Gefordert seien ein geschlechterspezifischer Umgang mit
Technik in der Unterstufe, Mädchenprogramme, sowie im Beruf variable
Arbeitszeiten und finanzielle Anreizmodelle, so Bösckör. (Schluss)
wf/cs

Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at

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