FOPI Forderungskatalog an die österreichische EU-Präsidentschaft Kapitel Gesundheitspolitik

Wien (OTS) - Das FOPI begrüßt die Initiative der Bundesministerin, das Thema der Frauengesundheit mit Fokus auf konkrete Krankheiten zu einem Schwerpunkt der österreichischen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2006 zu machen.

Gerade im Bereich der Diagnose und Therapie bei Patientinnen gibt es innerhalb der EU noch großen Aufholbedarf.

Herz-/Kreislauferkrankungen

1,2 Millionen Menschen sterben in der EU jährlich an Schlaganfall:

  • Damit ist Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache
  • In Österreich erleiden 20.000 Menschen jedes Jahr einen Schlaganfall
  • Experten gehen davon aus, dass zw. 50.000 und 60.000 ÖsterreicherInnen an den Spätfolgen eines Schlaganfalls leiden
  • Jede 3. Schlaganfallpatientin bleibt ihr Leben lang behindert.

Die Hauptursache für Schlaganfall ist Bluthochdruck. Um diese Epidemie einzudämmen, muss die Primärprävention ausgebaut werden. Deshalb fordert FOPI, dass

  • Informationskampagnen gestartet werden, die über die Gefahren von Bluthochdruck aufklären und mit denen die Wichtigkeit von Primärprävention erläutert wird.
  • die Behandlung entlang von international definierten Zielwerten zum Standard moderner Medizin wird.
  • Regierungen die direkten und vor allem indirekten Kosten von Schlaganfall berücksichtigen.

Neben Bluthochdruck ist erhöhtes Cholesterin eine der Hauptursachen für kardiovaskuläre Krankheiten bei Frauen. Umfragen haben ergeben, dass aber nur jede 2. Patientin darüber Bescheid weiß, dass erhöhtes Cholesterin fatale Auswirkungen haben kann.

Auch im Bereich der Cholesterinbehandlung ist man in Österreich weit von national und international empfohlenen Zielwerten entfernt. Nur jede 3. Patientin erreicht die in der Lipidtherapie angestrebten und empirisch belegten Zielwerte.

Dabei stehen mit Erkentnissen aus der modernen Forschung heute Behandlungsmethoden sowohl medikamentöser als auch nicht-medikamentöser Art zur Verfügung, die ein völlig anderes Bild erwarten lassen sollten:

  • Mit heutigen Analysemethoden und Berechnungsmodellen kann für jeden ein individuelles Risikoprofil gefunden und eine maßgeschneiderte Lebensstiländerung oder Behandlung definiert werden
  • Mit dem Einsatz von modernen Lipidsenkern kann das gefährliche Cholesterin, welches ausschlaggebend für kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt) ist, um weitere 25% gesenkt werden

Das FOPI fordert, dass den Frauen diese medizinischen Therapien zur Verfügung gestellt werden, damit es in den kommenden zehn Jahren zu einer signifikanten Senkung der kardiovaskulären Mortalitätsrate bei Frauen kommen kann.

Krebs bei Frauen

Jedes Jahr erkranken 16.000 Frauen in Österreich an Krebs, mehr als jede zweite Frau stirbt daran. 30.000 Patientinnen müssen mit einem bösartigen Tumor leben. Im Alter zwischen 25 und 55 Jahren haben gerade Frauen ein weit höheres Risiko an Krebs zu erkranken als Männer. Das durchschnittliche Alter, in dem in Österreich bei einer Frau Brustkrebs diagnostiziert wird, beträgt 35 Jahre.

Folgende Punkte sind aus Sicht des FOPI unbedingt erforderlich um Brustkrebs effizient den Kampf anzusagen:

  • Krebspräventions-Programme.
  • Krebstherapien sind kostspielig. Es sollte aber in einer solidarischen Gesellschaft jede Patientin das Recht auf eine moderne Krebstherapie haben. Ebenso sollte jede Patientin das Recht haben, eine medizinische Zweitmeinung einzuholen.
  • Damit Patientinnen moderne Krebstherapien zu Verfügung stehen ist es wichtig, dass klinische Studien, die oftmals die einzige Chance auf Zugang zu einer modernen Behandlung sind, gefördert werden.
  • Das FOPI unterstützt ebenso das Ziel, dass Familien und vor allem Kindern verstorbener Krebspatientinnen geholfen wird (zB Krebshilfe, "psycho-onco" Schwestern).

Osteoporose

In Österreich leiden 500.000 Frauen an Osteoporose. Eine Tatsache:
Nur etwa jede 4. Frau wird überhaupt behandelt! Und das, obwohl diese Krankheit tödlich sein kann: 20 Prozent der Frauen, die eine Oberschenkelhalsfraktur in Folge von Osteoporose erleiden, sterben binnen eines Jahres. Die meisten müssen mit schweren Beeinträchtigungen leben.

Aus diesem Grund setzt sich das FOPI aktiv dafür ein, dass:

  • sogenannte "Osteoporose-Checks" (Risikofaktoren-Berechnung mittels Röntgen oder Knochendichtemessung) fixer Bestandteil der Vorsorgeuntersuchgung für postmenopausale Frauen sind.
  • es angelehnt an den Bereich der Diabetesbehandlung auch in der Osteoporose-Behandlung sogenannte "Osteoporose-Schwestern" geben soll, die das persönliche Osteoporose-Risiko der Patientin auf Basis der Ergebnisse des Osteoporose-Checks berechnen sowie zusätzliche persönliche, familiäre Risikofaktoren miteinbeziehen, Ernährungspläne erstellen und die die Patientin die gesamte Behandlung über betreuen.
  • Patientinnen, die mit einer Hüft- od. Radiusfraktur in ein Krankenhaus eingeliefert werden, standardmäßig auf Osteoporoseverdacht untersucht werden.

Mit diesen Maßnahmen ließe sich viel Leid ersparen.

Geistige Gesundheit und Depression

Doppelt so viele Frauen wie Männer sind depressiv. Eine von fünf Frauen erfährt einmal in ihrem Leben eine klinisch relevante Depression. Die Risikofaktoren für eine Depression sind stark geschlechtsspezifisch. Psychotraumatische Faktoren wie sexueller Missbrauch oder Gewalt gegen Frauen sind hier ebenso in die Ursachenforschung einzubeziehen wie das soziale Umfeld der Frauen (häufig: Alleinerzieherinnen, Doppelbelastung, geringes Haushaltseinkommen).

Um gerade diesen Frauen zu helfen, fordert FOPI:

  • das Ende der Stigmatisierung dieser Krankheiten speziell bei Frauen: Informationskampagnen sollen Verständnis für diese Krankheit wecken.
  • für die Betroffenen selbst spezielle Kommunikationszugänge zu entwickeln, damit sich die Patientinnenn auch persönlich angesprochen fühlen.
  • Zugang zu modernen Therapien für diese Frauen.
  • Den Ausbau sowie die Weiterentwicklung genderspezifischer klinischer Forschung.

Diabetes mellitus

In Europa sind 50 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt -zusätzlich laufen 60 Millionen Europäer Gefahr, Diabetes zu entwickeln.

Das Krankheitsbild entwickelt sich durch ungesunden Lebensstil mit Übergewicht und einem Mangel an körperlicher Bewegung.
Wenn nicht rechtzeitig erkannt oder behandelt, kann Diabetes zu Herzerkrankung, Schlaganfall, Verlust der Sehkraft, Amputationen und Nierenversagen (Dialysepflichtigkeit) führen.

Aus diesem Grund fordert FOPI:

  • Primärprävention-Programme.
  • rechtzeitige Vorsorge für Risikopatientinnen durchzuführen (z.B. Diabetes Screening in der Schwangerschaft).
  • sicher zu stellen, dass alle Patientinnen die adäquate Behandlung bekommen (Sekundärprävention).
  • wirksame Behandlung von Folgeschäden sicherzustellen, um die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern.
  • Unterstützung von Schulung und Zugang zu moderner Diabetes Therapie für Frauen.

Rückfragen & Kontakt:

FOPI
Mag. Britta Blumencron
Tel. 01 260 44/ 180
britta_blumencron@merck.com

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