Strache (1): Tschernobyl: Renaissance der Atomkraft verhindern!

Atomenergiebehörde von Lobbyisten unterwandert

Wien (OTS) - In einer gemeinsamen Pressekonferenz erinnerten heute FPÖ-Bundesparteiobmann HC Strache und FPÖ-Vizeparteiobmann Norbert Hofer an die Katastrophe von Tschernobyl, die sich am 26. April zum zwanzigsten Mal jährt, und präsentierten die Forderungen und Vorstellungen der FPÖ für eine Zukunft ohne Nuklearenergie.

In der EU werde über eine Renaissance der Atomenergie gesprochen, und die österreichische Ratspräsidentschaft unternehme nichts dagegen, kritisierte Strache, der deshalb dem Bundeskanzler eine "ganz besondere Strahlkraft" attestierte. Scharfe Kritik übte Strache auch am Tschernobyl-Bericht der Internationale Atomenergiebehörde, der beweise, wie sehr diese Institution von Lobbyisten unterwandert sei. Die Atomenergiebehörde spreche von nur knapp 50 Toten, von 4.000 behandelbaren Schilddrüsenkrebserkrankten und prognostisch von allenfalls 4.000 Menschen, die aufgrund des Unfalls kürzer leben würden.

"Diese Herrschaften wollen die Akte Tschernobyl schließen, damit der Bau von Atomkraftwerken weitergehen kann", empörte sich Strache. Denn die Wahrheit sehe anders aus. 50.000 tote Liquidatoren seien bereits registriert. So nenne man diese Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens direkt vor Ort bei den Aufräumungsarbeiten aktiv und übrigens nicht davon informiert gewesen seien, wie groß die Gefahren dieses Einsatzes seien. Die ukrainische Botschaft habe im Frühjahr des Vorjahres bekannt gegeben, daß heute 94 Prozent der Liquidatoren krank seien. "Dazu sollte man wissen, daß rund 600.000 Personen als Liquidatoren im Einsatz waren", fügte der FPÖ-Bundesparteiobmann hinzu.

In der Ukraine seien 3 Millionen Menschen radioaktiver Strahlung ausgesetzt worden, führte Strache weiter aus. Eine Arbeitsgruppe der WHO rechne in den nächsten 30 bis 50 Jahren mit 50.000 Fällen von Schilddrüsenkrebs bei Menschen, die zum Zeitpunkt des Unglücks Kinder im Alter von 0-4 Jahren waren. Das Münchner Otto-Hug-Strahleninstitut prognostiziere 100.000 Fälle in allen Altersgruppen.

"Die fatalen Folgen dieser Katastrophe betreffen aber nicht nur die Region um Tschernobyl, sie betreffen auch Österreich, sie betreffen auch Europa", betonte Strache. "Untersuchungen in mehreren europäischen Ländern zeigen eine Zunahme der Säuglingssterblichkeit im Jahr 1987, wahrscheinlich als Folge eines Cäsium-Effekts, und Anfang der 1990er Jahre, wahrscheinlich als Folge eines Strontium-Effektes." Europaweit seien durch das Unglück rund 5.000 Säuglinge zusätzlich zu Tode gekommen. "Zahlreiche Studien belegen auch einen signifikanten Anstieg von Fehlbildungen in vielen Ländern Europas." In Deutschland etwa komme eine Untersuchung zu dem Ergebnis, daß es allein im belasteten Bayern zu 1.000 bis 3.000 zusätzlichen Fehlbildungen gekommen sei. "Europaweit schätzen Forscher die Mißbildungen auf mindestens 10.000."

Strache nahm auch die UNO-Kommission UNSCEAR ins Visier. Diese setze sich aus Wissenschaftern zusammen, welche die Regierungen von 21 Staaten bestimmen, die Atomwaffen besitzen bzw. an der Nutzung der Atomenergie starkes Interesse hätten. Sie würden jeweils einen Wissenschaftler als Repräsentanten dieses Staates als Mitglied von UNSCEAR entsenden. Die Regierungen könnten weitere Wissenschafter als Berater entsenden. "Damit wird für jedermann klar, daß in diesem Gremium nicht unabhängige Wissenschaftler und Fachleute entscheiden, sondern die weisungsgebundenen Abgesandten von Regierungen, die deren pronukleare Interessen vertreten", sagte der FPÖ-Obmann.

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