Vor EU-Gesundheitsminister-Treffen: Ärzte fordern bessere Arbeitsbedingungen

Brettenthaler: "Überbürokratisierung, Sparwut und Arbeitsüberlastung frustrieren Ärzte und Schwestern in ganz Europa" - Eindringliche Warnung des Ärztepräsidenten

Wien (OTS) - Anlässlich des heute in Wien stattfindenden Treffens der EU-Gesundheitsminister appellierte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Reiner Brettenthaler, an Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, die schlechten Arbeitsbedingungen des Gesundheitspersonals in der Gemeinschaft zu thematisieren. Dies sei in Anbetracht kontraproduktiver Spartendenzen, der eklatanten Arbeitsbelastung der europäischen Ärztinnen und Ärzte und der "unerträglichen" Bürokratisierung in den Gesundheitssystemen vorrangig und dringlich, so der österreichische Ärztepräsident Dienstag in einer Aussendung.

"Der Frust der Akteure ist enorm. Medizinberufe werden zunehmend unattraktiver. Die wild um sich greifende Bürokratisierung hat auch für die österreichischen Ärztinnen und Ärzte die Grenze des Zumutbaren bereits überschritten. Die Gesundheitspolitik weiß zur Zeit offensichtlich keine andere Antwort auf die drängenden Probleme als indiskutable Administrationsoffensiven, unter denen Ärzte und indirekt auch die Patienten zu leiden haben." Ergebnis seien die grenzüberschreitende Unzufriedenheit und Entmotivierung der Ärztinnen und Ärzte. Brettenthaler: "Egal, wohin man schaut in Mitteleuropa:
Die Arbeitsüberlastung von Ärzten und Schwestern steigt ständig."

Dem Gesundheitsministerrat sei daher dringend zu empfehlen, die Köpfe nicht in den Sand zu stecken, sondern sich ernsthaft und rasch mit der katastrophalen Entwicklung der Arbeitssituation für die Gesundheitsberufe zu befassen.

Nicht nur in Deutschland, wo bereits zehntausende Ärzte ihrem Unmut in nachhaltigen Protesten Luft machen, auch in Österreich drohe die Stimmung zu kippen, warnte der ÖÄK-Präsident. Es sei nur "einer gewissen Besonnenheit" zu verdanken, dass nicht auch die österreichischen Ärzte schon auf der Straße seien. Er erwarte sich daher von den Gesundheitsministern "weniger Abgehobenheit und mehr Problembewusstsein" für die Anliegen des Gesundheitspersonals. Ansonsten sei zu erwarten, dass immer weniger junge Menschen medizinische Berufe ergreifen würden. "Schon jetzt herrscht in einigen europäischen Staaten Ärztemangel", erinnerte Brettenthaler abschließend. "Es wäre keine gute Idee abzuwarten, bis diese Entwicklung in ganz Europa Platz greift."

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