GMT-Vorsitzender Nürnberger kandidiert nicht mehr (2)

Meilensteine in Lohnpolitik, aktiv auf politischer Bühne

Wien (GMT/ANG/ÖGB) - Rudolf Nürnberger kann auf eine lange Reihe von Erfolgen vor allem in der Kollektivvertragspolitik zurück blicken. Eines seiner Hauptanliegen - die Gleichstellung der ArbeiterInnen mit den Angestellten - ist in vielen Bereichen gelungen, in weiteren auf gutem Weg.++++

Nürnberger hat eine klassische Gewerkschaftslaufbahn hinter sich, die 1960 mit der Funktion des Jugendvertrauensmannes in der Firma Austria Email begann. Er lernte dort den Beruf des Werkzeugmachers. In seiner späteren Firma, Westinghouse, war er zuerst Betriebsrat und dann Betriebsratsvorsitzender. Ab 1972 war er hauptamtlich für die Gewerkschaftsbewegung tätig, zuerst als Sekretär der Landesleitung Wien, ab 1980 als Zentralsekretär und ab 1988 als Vorsitzender.

In Nürnbergers Zeit fallen kollektivvertragliche Meilensteine, darunter 1988 Arbeitszeitverkürzung in der Metallindustrie und im Bergbau, 1989 die Einführung der 38,5 Stundenwoche im Metallgewerbe, 1998 ein eigener Nachtarbeits-Kollektivvertrag in der Metallindustrie, ein eigener Kollektivvertrag für LeiharbeiterInnen im Jahr 2002 und die Einführung eines gemeinsamen Entgeltsystems für ArbeiterInnen und Angestellte in der Elektro- und Elektronikindustrie im Jahr 2004, 2005 in der Metallindustrie und im Bergbau. Die völlige rechtliche und einkommensmäßige Gleichstellung der ArbeiterInnen und Angestellten waren Nürnberger schon immer ein großes Anliegen. "In den 1990er Jahren, als wir dieses Vorhaben erstmals öffentlich artikuliert haben, gab es dafür noch mildes Lächeln", berichtete Nürnberger in den vergangenen Wochen bei den Landeskonferenzen von GMT und ANG in Vorbereitung des Gewerkschaftstages im Mai in Wien. "Jetzt haben wir in vielen Kollektivverträgen die arbeits- und sozialrechtliche Gleichstellung verwirklicht, und bei den Einkommen sind wir auch auf gutem Weg. Wir werden keine Ruhe geben, bis in allen Branchen Gerechtigkeit herrscht."

Nürnberger war auch auf der politischen Bühne tätig. Von 1984 bis 2004 war er für die Sozialdemokratische Partei Abgeordneter im Nationalrat, seit 1988 Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen im ÖGB. Die Koalitionsverhandlungen im Jahr 1999/2000 waren für Nürnberger eine äußerst schwierige Phase. Viele geben ihm bis heute die Schuld am Scheitern einer SPÖ-ÖVP Koalition im Jahr 2000. "Neben mir selbst hätte die gesamte Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen dem Koalitionspakt damals nicht zugestimmt, ein Grund war eine geplante Pensionsreform mit tiefen Einschnitten für die Menschen. Die Gruppe, für die ich an den Verhandlungen teilnahm, wäre nicht zu dem Pakt gestanden, daher konnte ich als ihr Vorsitzender nicht meine Unterschrift darunter setzen", sagte Nürnberger damals.

Einen tabellarischen Lebenslauf von Rudolf Nürnberger finden Sie im Internet unter www.metaller.at

ÖGB, 18. April
2006
Nr. 257

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