ÖGB-Frauen warnen vor Fallen für Frauen im Erwerbsleben

Csörgits: "Bessere Beschäftigungschancen für Frauen schaffen"

Wien (ÖGB) - Es wird für Frauen immer schwieriger, von ihrem Einkommen auch zu leben. Frauen sind im Erwerbsleben mit einer Reihe von Fallen konfrontiert. "Das beginnt beim Berufseinstieg und endet bei der Berechnung der Pension", sagt ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits. Sie fordert ein Maßnahmenbündel, damit die Frauen "raus aus diesen Fallen kommen".

Falle 1 - Berufseinstieg: Während die drei beliebtesten Lehrberufe bei jungen Frauen Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Friseurin sind, sind es bei den jungen Männern Tischler, Kfz-Mechaniker und Elektroinstallateur. Der Einkommensunterschied zeigt es deutlich: Im ersten Lehrjahr verdient ein Lehrling im Einzelhandel 394 Euro, während ein Tischler-Lehrling im Schnitt um hundert Euro mehr verdient.

Falle 2 - Arbeitszeit: Ganze Branchen wie zum Beispiel der Handel bieten mittlerweile nahezu ausschließlich Teilzeitjobs an. Und da es sich dabei um eine typische "Frauenbranche" handelt, bedeutet dies einen enormen Einkommensverlust für die Betroffenen.

Falle 3 - Arbeitslosigkeit: War Frau Teilzeit beschäftigt, berechnet sich natürlich auch das Arbeitslosengeld und eine eventuelle Notstandshilfe vom Teilzeitgehalt. Das hat fatale Folgen -ein niedriger Gehalt bedeutet ein noch niedriges Arbeitslosengeld. Das ist dann meist nicht mehr Existenz sichernd.

Falle 4 - Atypische Beschäftigung. Mehr als eine Million Menschen, auch hier überwiegend Frauen, sind mittlerweile atypisch beschäftigt. Besonders geringfügig Beschäftigte haben nur dann eine Kranken- und Pensionsversicherung, wenn sie selbst vorsorgen. Oft bleibt dafür am Ende des Monats nichts übrig. Kein Sozialversicherungsbeitrag bedeutet auch keinen Versicherungsschutz, und Arbeitslosengeld gibt’s ohnehin keines. Auch Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbstständige sind nicht arbeitslosenversichert.

Falle 5 - Berufsunterbrechung. Durch mangelnde Kinderbetreuungseinrichtungen sind Frauen oft gezwungen, länger aus dem Beruf auszusteigen als die zweijährige Karenz vorsieht. Die Folgen sind fatal. Ein Viertel aller Frauen schafft den Einstieg überhaupt nicht mehr, ein weiteres Drittel findet nur mehr eine atypische Beschäftigung.

Falle 6 - Pension: Die Pensionsreformen der Jahre 2003 und 2004 haben zu einer grundlegenden Änderung unseres Pensionssystems geführt. Besonders die lebenslange Durchrechnung der Pensionszeiten führt gerade bei Frauen dazu, dass sich zukünftig auch (lange) Teilzeitphasen auf die Pensionshöhe auswirken. Das führt unweigerlich zu einer niedrigen Pension, die möglicherweise nicht mehr Existenz sichernd ist.

Raus aus der Falle:

Die ÖGB-Frauen fordern dazu die Umsetzung des folgenden Maßnahmenbündels:

  • 1.100 Euro Mindestlohn /-gehalt in allen Branchen.
  • Kampagne zur Förderung von Mädchen in nicht-traditionellen Berufen.
  • Zuschlag bei Mehrarbeit für Teilzeitbeschäftigte.
  • Förderung der Qualität der Beschäftigung durch Verbesserung des arbeits- und sozialrechtlichen Schutzes von Freien DienstnehmerInnen und Neuen Selbstständigen.
  • Die generelle Pflichtversicherung für alle Beschäftigungsverhältnisse (mit Ausnahme einer Bagatellgrenze bis ca. 50 Euro).
  • Erhöhung des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe auf ein Existenz sicherndes Niveau.
  • Flexibilisierung des Kinderbetreuungsgeldes dahingehend, dass ein höherer Betrag bei kürzerer Bezugsdauer möglich ist. Im Falle einer Teilzeitbeschäftigung soll die Zuverdienstgrenze zur Gänze fallen.
  • Gerechte Bewertung der Ersatzzeiten bei der Pension.

ÖGB, 18. April
2006
Nr. 253

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