EU bewilligt Gentech-Nahrung trotz gravierender Bedenken

GLOBAL 2000 und Greenpeace enthüllen Doppelzüngigkeit der EU-Kommission

Wien (OTS) - PRESSEINFORMATION
Wien/Brüssel (18.April 2006). GLOBAL 2000 enthüllt gemeinsam mit seinem Netzwerk Friends of the Earth ein Geheim-Dokument der Europäischen Kommission. Aus diesem ergibt sich, dass die Kommission Gentech-Pflanzen und Gentech-Nahrung zugelassen hat, trotz gravierender Gesundheits- und Umweltbedenken. "Das ist ein politischer Skandal erster Güte. Als die Kommission das Gentechmoratorium gebrochen hat und Europa neue Gentech-Nahrung aufgezwungen hat, wollte sie der Öffentlichkeit weiß machen, dass diese sicher sind. Jetzt wissen wir, wie die Kommission hinter verschlossenen Türen wirklich argumentiert, das ist das genaue Gegenteil", empört sich Jens Karg, Gentechniksprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. "Nach dem die schwerwiegenden Bedenken der Kommission über die Sicherheit von Gentech-Pflanzen und Gentech-Nahrung nun ans Licht gekommen sind muss der Verkauf und der Anbau innerhalb der Europäischen Union sofort gestoppt werden", fordern GLOBAL 2000/Friends of the Earth und Greenpeace unisono.
Die Umweltorganisationen rufen zu einer Aufhebung der Zulassungen von allen Gentech-Pflanzen und aller Gentech-Nahrung auf, bis alle Sicherheitsbedenken restlos geklärt sind.

In dem Dokument der EU-Kommission befinden sich jene wissenschaftlichen Argumente, die im Gentech-Streitfall vor der Welthandelsorganisation (WTO) vorgebracht wurden. Hier spricht die Kommission von einem 'großem Bereich der Unsicherheit' bei Gentech-Pflanzen und Gentech-Nahrung und davon, dass 'einige Themengebiete überhaupt noch nicht erforscht sind'. "Die Doppelbödigkeit der Kommission zeigt klar, dass die Gesundheit der Bevölkerung und der Schutz der Umwelt durch eine Institution gefährdet werden, die Handelsinteressen um jeden Preis durchsetzen will. Die WTO ist der falsche Ort, um über Umwelt- und Gesundheisbelange zu entscheiden", so Christoph Then, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Die Wahrheit liegt jetzt für jeden sichtbar auf dem Tisch. Die veröffentlichten EU-Dokumente stellen detailliert die wissenschaftlichen Bedenken über Gentech-Nahrung und Gentech-Pflanzen dar."

In ihrem Schriftsatz gibt die Kommission folgendes zu:
Zur Sicherheit für den Menschen: "es gibt einfach keinen Weg zu ermitteln ob die Einführung von Gentech-Produkten irgendwelche anderen Effekte auf die menschliche Gesundheit gehabt haben. (...) es gibt keinen eindeutigen, uneingeschränkten, wissenschaftlich klaren Grenzwert um zu entscheiden, ob ein Gentech-Produkt sicher ist oder nicht."
Zum Anbau von Gentech-Pflanzen: "es ist ein begründeter und rechtmäßiger Standpunkt" dass schädlingsresistente Pflanzen (das sind die einzigen, die derzeit in der EU angepflanzt werden) nicht angebaut werden sollten, bis alle Auswirkungen auf den Boden bekannt sind.
Zur Umweltverträglichkeit: Die Schlüssel-Studie, die benutzt wurde um die Umweltverträglichkeit von Gentech-Pflanzen zu belegen ist "wissenschaftlich fehlerhaft".
Es gibt große Differenzen zwischen der Europäischen Kommission und der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).Beispielsweise kritisiert die Kommission die EFSA weil sie nicht weitere Untersuchungen eingefordert hat, nachdem sie wissenschafliche Erkenntnisse nicht gelten lassen wollte, die gezeigt haben, dass ein bestimmter gentechnisch veränderter Organismus (GVO) negative Auswirkungen auf Regenwürmer hat.

"Diese Enthüllungen sind ein politisches Pulverfass. Sie offenbaren eine Missachtung der Schutzrechte des Menschen und der Umwelt. Sie belegen, dass das europäische Sicherheitsnetz nicht hält. Die EU-Behörde für Lebenmittelsicherheit, auf deren Gutachten sich die Kommission bei jeder Zulassung stützt, muss dringend und umfassen reformiert werden", so die Umweltschützer abschließend.

GLOBAL 2000/Friends of the Earth und Greenpeace haben eine umfassende Analyse über das Kommissionsdokument verfasst, dieses und eine deutsche Zusammenfassung, so wie die Originaldokumente der EU Kommission finden Sie unter:
http://www.global2000.at/pages/gmostudie.htm

In der gleichen Zeitspanne in der die Kommission der WTO die Sicherheitsbedenken von Gentech-Pflanzen und Gentech-Nahrung vorgelegt hat, hat sie:
sieben Gentech-Nahrungsmittel zugelassen, trotz massiver Bedenken der EU-Mitgliedstaaten,
zwei Mal von den Mitgliedstaaten verlangt, sich für eine Aufhebung der nationalen Importverbote auszusprechen (November 2004 und Juni 2005). Das wurde beide Male abgelehnt. In der Erklärung an die WTO gibt die Kommission wissenschaftliche Argumente zur Rechtfertigung der Importverbote.
31 Sorten von dem Monsanto Gentech-Mais Mon 810 für den Anbau zugelassen.

Eine kritische Analyse des Kommissionsdokuments wird von GLOBAL 2000 und Greenpeace, am Dienstag, den 18.April 2006, um 18:30 Uhr im Kinosaal des Naturhistorischen Museums, Burgring 7, 1010 Wien präsentiert

Rückfragen & Kontakt:

GLOBAL 2000, Martina Rammer 06991 4200026
Jens Karg Telefon 06991 4200020
Greenpeace,Christoph Then +49 1718780832

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GLL0001