Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: Im Spinnennetz der Strategie (von Claudia Grabner)

Ausgabe 15. April 2006

Klagenfurt (OTS) - Italien ist auf der Zielgeraden, der Spuk ausgelitten: Nur obskure Ausläufer eines in seiner Eitelkeit schwer getroffenen Berlusconi schwappen noch auf den Alltag der Repubblica. Und langsam dämmert es auch dem letzten Idealisten, was er monatelang ignorieren wollte: Der Wahlkampf des charismatischen Milliardärs hatte aber schon gar nichts mit dem Volk zu tun; ausgenommen, dass es ihm zum Machterhalt dienen sollte. Nun, Österreich hat den langen Weg zur Einsicht noch vor sich ...
In Zeiten, da Strategie sachpolitische Kompetenz ins Eck gestellt hat, steht jeder auf verlorenem Posten, der "seriös" Wahlkampf betreiben will. Persönliche Attacken wiegen stimmenschwerer. Emotionale Querschüsse zählen doppelt. Kampagnen GEGEN den Konkurrenten bringen mehr Prozente als Kampagnen FÜR eine bessere Zukunft. Ergo spielt man sich - ein halbes Jahr vor dem Urnengang -schon einmal warm, übt sich in "Achsen des Unsympathischen" (Zitat Alfred Gusenbauer) und verstrickt sich in "roten Spinnennetzen" (Zitat Reinhold Lopatka): Man bezichtigt sich des Schlechten, der Affären, des Bankrotts. Und nimmt willig hin, dass die Demontage des anderen die eigenen Kinder frisst. Wahlkampf als Wettbewerb der Ideen? Denkunmöglich, seit populistische Seichtigkeit die Politik diktiert. Prozente werden heute mit der Unwählbarkeit des Gegners gemacht ...

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