WirtschaftsBlatt Kommentar vom 15.4.2006: Osterfriede für die Öl-Multis - von Angelika Kramer

Populistisches Poltern gegen die Mineralöl-Konzerne ist diesmal nicht gerechtfertigt

Wien (OTS) - Woran erkennen geübte Autofahrer, dass das Osterfest bevorsteht? Richtig! Die Preise an den Zapfsäulen erreichen wieder einmal schwindelnde Höhen. So auch heuer: Will man weniger als 1,065 Euro für den Liter Super-Benzin zahlen, muss man in Wien lange suchen, in Vorarlberg braucht man mit der Suche gar nicht erst anzufangen. Ähnlich verhält es sich bei Diesel.

Was liegt also näher, als wieder einmal auf die preistreiberischen Mineralölkonzerne loszugehen? Das gilt in besonderem Masse für die Autofahrer-Clubs und die Konsumenten-Vertreter. Und so hat sich rechtzeitig zu den Osterferien der ÖAMTC mit einer Aussendung an die Öffentlichkeit gewandt, die folgenden Titel trägt: "Der Osterurlaub verteuert sich von Jahr zu Jahr." Darin wird angeprangert, dass ein 55-Liter-Tank zu Ostern 2005 um bis zu neun Euro günstiger war als heuer. "Diese unglaubliche Differenz zeigt, wie sich die Spritpreis-Schraube nach oben dreht", lautet das Resümee des ÖAMTC.

Auf diesen Zug springt natürlich auch die Arbeiterkammer mit Wohlwollen auf: "Treibstoffpreise binnen eines Jahres um bis zu 16 Prozent gestiegen", ereifern sich die Kämmerer.

In Deutschland, wo die Osterurlauber mit ähnlichen Benzin-Problemen wie ihre österreichischen Kollegen zu kämpfen haben, wirft sich Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee sogar höchstpersönlich in die Schlacht gegen den exorbitant hohen Sprit-Preis. Er fordert die Autofahrer zum Boykott auf und rät: "Wer da tankt, wo der Liter Benzin ein oder zwei Cent billiger ist, durchkreuzt die Preistreiberei", stellt Tiefensee scharfsinnig fest.

Was all die populistischen Polterer den arglosen Autofahrern verschweigen: Der Rohölpreis befindet sich zurzeit - Ostern hin, Ostern her - auf Rekordniveau. Am Freitag hat das Barrel Brent-Öl erstmals die 70-Dollar-Marke übersprungen (siehe Seite 15), Gründe für ein Sinken des Ölpreises finden die Analysten keine. - Alles in allem gar kein so schlechter Grund für die Mineralölkonzerne, die Benzinpreise hinaufzuschrauben, oder? Ach ja, und an die Adresse der Arbeiterkammer sei noch gesagt: Den 16 Prozent Anstieg beim Benzin-Preis stehen rund 27 Prozent beim Rohöl-Preis gegenüber. - So wohltuend es also wäre, seinen Zorn direkt an der Mineralölwirtschaft auszulassen - diese Osterferien besteht dafür ausnahmsweise kein Anlass.

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