"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wenn Geld keine Rolle spielt, muss man Väter nicht bitten" (Von Claudia Gigler)

Ausgabe vom 13.04.2006

Graz (OTS) - Bei Herrn und Frau Osterhase stellt sich die Frage nicht, wer die Kinder betreut: Papa und Mama bemalen die Eier, die Häschen wuseln um sie herum. Kein Wunder, dass gelebte Partnerschaft in der vorösterlichen Bilderbuchwelt gut funktioniert: Geld spielt keine Rolle im Hasenleben.

Im wirklichen Leben gehen drei Prozent der Väter eine Zeit lang in Karenz. Bei der Entscheidung, wer es sich leisten kann, bei den Kindern zu bleiben, gibt die Kasse den Ausschlag. In den meisten Familien verdient der Mann mehr als die Frau, es wäre töricht, auf dieses Einkommen zu verzichten.

Wie daneben die Regierung liegt im Bemühen, den Männern die Karenz schmackhaft zu machen, belegt auch die jüngste Erhebung der Arbeiterkammer. Männer werden ermuntert, im dritten Lebensjahr des Kindes in Karenz zu gehen, weil sich dadurch der Anspruch der Familie auf Kindergeld um ein halbes Jahr verlängert. Erstaunlicherweise sind es bei den Selbstständigen fast so viele Männer wie Frauen, die das Kindergeld in Anspruch nehmen, bei den Bauern immerhin die Hälfte. Bei den Arbeitnehmern kommt auf 17 karenzierte Mütter ein Vater in Karenz.

Wie das? Sind die Selbstständigen die besseren Väter? Wohl kaum. Selbstständige haben aber den Vorteil, nicht bei Arbeitgebern oder Kollegen darum betteln zu müssen, sich um ihre Kinder kümmern zu dürfen. Sie tun es einfach.

Zum Zweiten scheitern Arbeitnehmer in der Regel an der Zuverdienstgrenze von 14.600 Euro pro Jahr. Selbstständige können ihre Zahlungseingänge und Betriebsausgänge oft so steuern, dass sie im "Väter-Halbjahr" unter der Zuverdienstgrenze liegen. Auch dann, wenn sie arbeiten neben den Kindern, weil ihnen, wie im Falle der Bauern, die Arbeit keiner abnimmt oder sie als Selbstständige sonst ihre Aufträge verlieren würden.

Zum Dritten haben Arbeitnehmer im dritten Jahr des Anspruchs der Familie auf Kindergeld keinen Kündigungsschutz mehr und fürchten um den Job.

Die Lösungen liegen auf dem Tisch: ein einkommensabhängiges Karenzgeld, damit es sich auch Väter leisten können, in Karenz zu gehen. Keine Zuverdienstgrenze, sondern nur die Bedingung, die Arbeitszeit zu reduzieren (was es ja schon gab). Natürlich unter Beibehaltung der Neuerung, wonach auch Selbstständige und Nichtberufstätige Anspruch auf das Kindergeld haben.

Die Appelle der Politik gehen an der Realität vorbei. Eltern, auch Männer, wollen sich um ihre Kinder kümmern. Was sie brauchen, ist mehr Sicherheit, keine leeren Worte.****

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