Revidierte Bevölkerungsprognose alarmiert Wohnbauwirtschaft: Studie zeigt: 54.000 statt 46.000 Wohnungsneubauten erforderlich

Sozialpartnererklärung der Stein- und keramischen Industrie - Neubaubedarf steigt um 16 Prozent - Branche mit fortgesetztem Aufwärtstrend

Wien (PWK233) - Die Sozialpartner der Stein- und keramischen Industrie, der Fachverband Stein- und Keramik, die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) und die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) präsentierten heute die Ergebnisse einer Kurzstudie mit hochbrisanten Zahlen für die gesamte Wohnbauwirtschaft. Vor diesem Hintergrund gaben die Spitzenvertreter Erhard Schaschl, Wolfgang Katzian und Johann Driemer eine gemeinsame Sozialpartnererklärung zur Sicherung der langfristigen Rahmenbedingungen in der Branche ab. Die Studie zeigt, dass der jährliche Wohnbaubedarf in Österreich in den nächsten Jahren viel höher sein wird, als bislang angenommen. Die prognostizierte Steigerung liegt bei 16 Prozent. In der Branche selbst setzte sich der wirtschaftliche Aufwärtstrend der letzten Jahre fort, wie die aktuelle Konjunkturumfrage zeigt.

"Wir sind in höchstem Maße alarmiert und besorgt", brachte Erhard Schaschl, Obmann des Fachverbandes Stein- und keramische Industrie das Ergebnis der Untersuchung auf den Punkt. Das Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) erstellte eine Expertise über den künftigen Wohnungsbedarf, basierend auf der revidierten Bevölkerungsprognose der Statistik Austria aus dem Jahr 2005.
Darin geht die Statistik Austria von einem weiterhin deutlichen Bevölkerungswachstum aus. Die Prognose weicht bereits heute um 95.000 Menschen von der ursprünglichen Berechnung aus 2003 ab. Bis 2010 werden 140.000, bis 2020 250.000 und bis 2050 werden schließlich 820.000 Menschen mehr in Österreich leben, als noch 2003 vorhergesagt. "Dies hat natürliche massive Auswirkungen auf die erforderliche Wohnbauleistung", betonte Schaschl die Dringlichkeit der Situation. Denn von diesen Berechnungen ist auch die Emissionsprognose für die Stein- und keramische Industrie abhängig sowie die finanzielle Ausgestaltung der Wohnbauförderung beeinflusst. "Die finanzielle Ausgestaltung der Wohnbauförderung stagniert seit 10 Jahren auf EUR 1,78 Mrd." betonte Schaschl den Umstand, dass nicht einmal eine Anpassung an die Inflation erfolgte und forderte "angesichts des erheblich höheren Baubedarfs eine Anhebung der Wohnbauförderung auf zwei Milliarden beim nächsten Finanzausgleich".

Der Wohnungsbedarf wird sich durch die höheren Bevölkerungszahlen im laufenden Jahrzehnt von 46.000 Wohneinheiten auf 54.000 Wohneinheiten jährlich erhöhen. Ebenso bedeutsam ist, dass die langfristig gegebene Bevölkerungsdynamik dazu führen wird, dass es auf Dauer zu keinem Absinken des Wohnungsbedarfs kommen wird. "Die Sicherstellung des langfristig ausreichenden Wohnbaus ist nicht nur für den gesamten Sektor der Stein- und keramischen Industrie von größter Bedeutung, sondern wirkt sektorenübergreifend auf die gesamte Baubranche und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" waren sich Schaschl und die Spitzenvertreter der Gewerkschaften, Johann Driemer (GBH) und Wolfgang Katzian (GPA) einig.

"Einer der Hauptpunkte unseres gemeinsamen Forderungskatalogs ist die Absicherung der Wohnbauförderung über den aktuellen Finanzausgleich hinaus", hob Johann Driemer eines der wichtigsten Kapitel des Sozialpartner-Papiers hervor. "Eine Kürzung oder gar Streichung dieses entscheidenden Impulsgebers ist angesichts der Steigerung des Wohnungsbedarfs undenkbar", so Driemer weiter. Die Wohnbauförderung ist nicht nur eine unverzichtbare Finanzierungshilfe für die Wohnungssuchenden, sie bedeutet auch inlandswirksame Beschäftigung. "Schon eine Reduktion um nur einen Prozent würde einen Rückgang von 0,6 Prozent der gesamtösterreichischen Beschäftigungszahl bedeuten", betonte Driemer und wies darauf hin, dass dies für die ohnehin sehr hohe Bauarbeitslosigkeit die größten Negativfolgen hätte.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau Holz präsentierte mit dem umfangreichen Ausbildungs- und Arbeitnehmerschutzpaket einen weiteren Eckpunkt der Sozialpartnererklärung und betonte nachdrücklich den großen Stellenwert gut ausgebildeter Mitarbeiter. "Kaum eine andere Industriesparte arbeitet mit nachhaltigeren Produkten, deshalb ist es nahe liegend, dass die Unternehmen in eine nachhaltig wirksame Ausbildung investieren, die die Branche für junge Menschen attraktiviert", nahm Driemer die Unternehmen in die Pflicht. Wenn hier keine Trendwende eingeleitet wird, kommt es unweigerlich zu einem Fachkräftemangel in der Branche. Gesundheitsfördernde Maßnahmen, wie die Reduktion der Gewichte in der Baustoffindustrie oder die Forcierung von Bau-Fit-Programmen haben ebenfalls hohe Priorität.

"Baubedarf und baureife Projekte sind ausreichend vorhanden. Was fehlt ist der politische Wille, endlich die entsprechenden finanziellen Mittel in die Hand zu nehmen", betonte Wolfgang Katzian das Kapitel ‚Öffentliche Investitionen und Infrastruktur’. Auch wenn sich Österreich gerne als europäischer Musterknabe präsentiert, bei der Straßen- und Eisenbahndichte belegt Österreich nur den 10. Platz. "Wenn hier nicht bald ein massiver Investitionsschub erfolgt, besteht die Gefahr, dass sich der Wirtschaftsstandort Österreich im wahrsten Sinn des Wortes am europäischen Abstellgleis wiederfindet", so Katzian. Eine Vernachlässigung der Investitionen in die Infrastruktur würde nicht nur Tausende Arbeitsplätze kosten, sondern auch die Gefahr erhöhen, dass sich die Wirtschaftsströme mangels vorhandener Verkehrswege um Österreich herum bewegen. Entscheidend wird eine sinnvolle Anbindung an die europäischen Netze (TEN-Korridore) im Rahmen der Umsetzung des Generalverkehrsplanes bis 2014 sein. Ein weiterer Schwerpunkt muss bei den Regionalbahnen und deren Bewirtschaftung, sowie der Forcierung von PPP-Modellen zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur liegen. "Wir halten auch die Wiedereinführung der Zweckbindung der Mineralölsteuer für den Ausbau der Infrastruktur für erforderlich", deponierte Katzian ein wichtiges Anliegen der Sozialpartner.
Neue Wege forderte Katzian auch bei der öffentlichen Auftragsvergabe ein: "Hier sollte das Best- vor Billigstbieter Prinzip gelten, und auch die Jugendausbildung und Frauenbeschäftigung als Bewertungskriterium herangezogen werden".

Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie, präsentierte die Konjunkturerhebung 2005. Der Umsatz der Branche lag im Vorjahr bei EUR 3,15 Mrd. "Dies ist eine Steigerung von 2,5 % gegenüber dem Vorjahr und die Fortsetzung eines Aufwärtstrends", hob Hennrich hervor. Bei den Exporten verzeichnet die Branche ein Plus von 7,89 % gegenüber dem Vorjahr, bei den Importen eine Steigerung von + 8,4 % gegenüber 2004. Besonders erfreut zeigten sich der Fachverband und die Sozialpartner über das erstmalige Beschäftigungsplus seit mehren Jahren. Mit einem Zuwachs von 0,37 % waren per 31.12.2005 insgesamt 14.811 Menschen in der Stein- und keramischen Industrie beschäftigt. "Die Trendumkehr bei den Beschäftigungszahlen ist uns Bestätigung und Auftrag zugleich, den eingeschlagenen Weg fortzuführen", betonte Hennrich. "Mit der Sozialpartnererklärung setzen wir ein klares Zeichen für den Wirtschaftsstandort Österreich und die Sicherung der Arbeitsplätze im Land", so Hennrich abschließend. (us)

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Carl Hennrich, Fachverband der Stein- und keramischen Industrie
Tel: 590 900-3531,
steine@wko.at
Mag. Sonja Schmid, Gewerkschaft Bau-Holz
Tel: 40147-246,
sonja.schmid@gbh.oegb.or.at
Mag. Martin Panholzer, Gewerkschaft der Privatangestellten
Tel: 05 0301-21511,
martin.panholzer@gpa.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0005