Textilindustrie: Verhandlungen abgeschlossen, plus 2,3 Prozent Lohn/Gehaltserhöhung

ArbeitgeberInnen lenkten schlussendlich ein

Wien (GMT/GPA/ÖGB) - Nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen in insgesamt drei Verhandlungsrunden konnten die Gewerkschaft Metall - Textil (GMT) und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) einen Kollektivvertragsabschluss für die rund 15.000 Beschäftigten der heimischen Textilindustrie durchsetzen.++++

Der Abschluss im Detail:
o Erhöhung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne/-gehälter um 2,3 Prozent
o Erhöhung der Ist-Löhne/-gehälter um 2,3 Prozent (Angestellte: max. 55 Euro/Monat)
o Erhöhung der Lehrlingsentschädigungen um 2,3 Prozent
o für Angestellte wurde das Kilometergeld bis 15.000 Kilometer pro Jahr auf 0,376 Euro erhöht, über 15.000 Kilometer pro Jahr auf 0,354 Euro.

Die Gespräche über Modernisierungen bei den Lohngruppenschemata werden fortgesetzt. Zu den Durchrechnungszeiträumen wurde die Übertragsmöglichkeit eines Zeitsaldos von max. 40 Stunden in den nächsten Durchrechnungszeitraum vereinbart. GMT und GPA haben folgende Forderungen der ArbeitgeberInnen abgewehrt:
o Erhöhung der Bandbreite von 80 auf 120 Stunden ohne Ausgleich
o Streichung der Mehrarbeitszuschläge
o Einmalzahlung statt angemessener Lohnerhöhung

Der Kollektivvertrag tritt rückwirkend mit 1. April 2006 in Kraft und gilt für 12 Monate.

Schwieriger Verhandlungsverlauf

Dem Abschluss gingen schwierige Verhandlungen voraus: Am 13. März 2006 fand die erste Verhandlung statt, nach mehreren Stunden wurde aber unterbrochen. GMT und GPA veranstalteten daraufhin für die BetriebsrätInnen der Textilindustrie am 15. März 2006 eine BetriebsrätInnen Konferenz in Salzburg. Am 27. März 2006 wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Die Gespräche wurden allerdings nach elf Stunden wieder ohne Ergebnis unterbrochen. Das Angebot der ArbeitgeberInnen, die Löhne und Gehälter nur in Verbindung mit einer weit reichenden Flexibilisierung der Arbeitszeit zu erhöhen, lehnten die Gewerkschaften ab. Am 11. April fand die bereits dritte Verhandlungsrunde statt. "Nach dem Druck aus den Betrieben waren die ArbeitgeberInnen doch dazu bereit, ihren Beschäftigten angemessene Lohn- und Gehaltserhöhungen zuzugestehen", sagt Monika Kemperle, in der GMT für den Textilbereich verantwortlich. Sie zeigte sich über das Einlenken der ArbeitgeberInnen erfreut: "Die Beschäftigten arbeiten Tag für Tag hart, sie sollen das auch am Konto spüren, vor allem, wenn sich die meisten Unternehmen gut entwickeln. Die Verhandlungsgemeinschaft von GMT und GPA hat sich wieder einmal bewährt, denn unser gemeinsames Auftreten bringt uns automatisch mehr Stärke."

Paul Prusa, der den Wirtschaftsbereich Textil, Bekleidung, Schuh in der GPA betreut: "Ich bin überzeugt, dass dieses Ergebnis nur durch die geschlossene Teilnahme der Beschäftigten an den Betriebsversammlungen in den wichtigsten Betrieben der Textilindustrie ermöglicht wurde. Diese Verhandlungen haben die Stärke der Gewerkschaftsmitglieder, die sich für ihre eigenen Interessen einsetzen, gezeigt."

ÖGB, 12. April
2006 Nr. 248

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Mag. Martin Panholzer, GPA Presse 05 03 01 21 511
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