Plassnik: "Dialog der Religionen und Kulturen braucht Bodenkontakt"

Außenministerin Ursula Plassnik bei Eröffnung der 2. Europäischen Imamekonferenz

Wien (OTS) - (OTS) Wien, 8. April 2006 - "Wir sind nicht gleichsam wehrlos einen Kampf der Kulturen ausgesetzt. Es liegt an uns, Wege zu suchen zu einem Miteinander ohne Argwohn und Misstrauen, in eine Zukunft der Zuversicht und des Vertrauens" sagte Außenministerin und EU-Ratsvorsitzende Ursula Plassnik anlässlich der Eröffnung der 2. Europäischen Imamekonferenz, die am 7. und 8. April in Wien tagt.

Die Außenministerin verwies in ihrer Eröffnungsrede auf die Bedeutung, die Österreich und der österreichische EU-Vorsitz dem Dialog der Religionen und Kulturen zumessen. "Wir haben zwei Hände zum Dialog ausgestreckt: eine Hand nach außen, zu unseren islamischen Partnern in der Welt, die andere Hand nach innen, zu den muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in unseren europäischen Gesellschaften," so Plassnik.

Zugleich unterstrich Plassnik die Verantwortung der anwesenden religiösen Führer des Islams, um diesen Dialog nachhaltig mit Leben zu erfüllen: "Der Dialog der Religionen und Kulturen braucht aber Bodenkontakt. Die Menschen wollen Orientierung und Antworten auf die Fragen des Alltags, überall dort, wo Vielfalt aufeinander stößt: am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Gemeinde. Wir müssen den Stimmen der Mäßigung und der Verantwortung Gehör verschaffen. Die wirklichen Probleme dieser Zeit sind nicht durch Gewalt oder Hass, durch Ausgrenzung oder Gleichgültigkeit zu lösen. Wir haben daher die gemeinsame Verantwortung, glaubwürdige und lebbare Alternativen zu entwickeln".

Eine besondere Aufgabe im modernen Europa sei der praktische Umgang mit seiner Vielfalt, das "management of diversity" basierend auf dem europäischen Lebensmodell. Kern dieses europäischen Lebensmodells sei der Pluralismus von Meinungen, Lebensformen, Überzeugungen und Religionen. Dabei sind die muslimischen Gemeinschaften in Europa nicht etwa nur Zaungast, sondern haben eine besondere Rolle zu erfüllen. "Europäische Muslime können die überzeugenden Träger einer klaren Botschaft für die islamische Welt werden: Modernität und Islam sind nicht Gegensätze sondern vereinbar, ja sogar bereichernd und zukunftsweisend. Durch die erfolgreiche Verbindung europäischer Werte und Überzeugungen mit muslimischer Religiosität hat Europa hat gerade jetzt die Chance, der Welt ein Angebot zu machen", sagte die Außenministerin.

Dieses Zusammenleben sei nicht frei von Reibungsflächen und Druckpunkten. Der Dialog erfordere daher Sorgfalt und Behutsamkeit, aber auch Festigkeit in den Grundsätzen, etwa in der Frage der Presse- und Meinungsfreiheit. "Wir brauchen die Sensibilität, einander nicht zu überfordern, müssen aber auch der ungeschminkten Wahrheit ins Auge blicken. Vertrauen wächst aus gegenseitiger Wahrnehmung und Anerkennung. Das bedeutet auch den sichtbaren und spürbaren Willen zur Integration, etwa bei Sprache und Rechtsordnung", so die Außenministerin.

Dabei sei - so Plassnik - die Integrationsarbeit mit der Jugend ein wesentlicher Aspekt, um das europäische Lebensmodell erfolgreichen und nachhaltigen zu vermitteln. "Niemand darf hängen bleiben in einer Art 'Luftraum' zwischen den Welten - der Welt der Herkunft und der Welt der Zukunft. Seine jeweilige Identität in allen Bestandteilen voll und frei leben zu können ist das Ziel".

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