Pröll: Klare Strategie beim Hochwassermanagement

Österreichkonferenz zum Thema Wasser in Waidhofen/Ybbs

Wien (OTS) - Bei der heute in Waidhofen/Ybbs stattfindenden Veranstaltung "Zukunft Wasser" stehen aktuelle Themen wie Naturgefahr Wasser, Klimawandel, Trinkwasser, Wasserkraft, WasserZukunft und die Jugendplattform Generation Blue im Zentrum. Die derzeitigen Hochwasserereignisse bestätigen für Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll die Notwendigkeit einer ganz klaren Strategie für ein wirksames Hochwassermanagement. "Wir haben die Mittel zum Schutz vor Naturgefahren erhöht, um unsere Bevölkerung zu schützen. Dennoch muss uns klar sein, dass extreme Hochwässer weder zu verhindern, noch beherrschbar sind. Wir brauchen aber eine klare Strategie, die von verstärkter Bewusstseinsbildung über raumplanerische Maßnahmen bis hin zu richtigen Notfallstrategien reicht. Ziel ist ein effizienteres, integriertes Hochwassermanagement", so Pröll.

"Die Bilder der letzten Tage wecken Erinnerung an die Hochwässer der Jahre 2002 und 2005 und führen uns vor Augen, dass wir die Natur in Extremsituationen nicht bändigen können", so Pröll weiter. Nach dem Hochwasser 2002 wurde eine große, fachübergreifende "Flood Risk" - Studie beauftragt. Experten aus den Bereichen wie Meterologie, Hydrologie, Geomorphologie, Raumordnung und Katastrophenschutz erstellten eine gesamtheitliche Analyse. "Mit diesen Erkenntnissen können wir nun viel besser reagieren, vor allem aber konkreter, effizienter und zielgerechter schützen," so Pröll.

Die Veranstaltung "Zukunft Wasser" ist eine breite Diskussionsveranstaltung mit BürgermeisterInnen, UmweltgemeinderätInnen, Vertretern von NGO´s und Medien, Jugendlichen des BRG Waidhofen/Ybbs und der interessierten Bevölkerung. Veranstaltet wird "Zukunft Wasser" vom Lebensministerium, der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) sowie der NÖ Landesregierung.

Die Wasserwirtschaft steht mit einer Erwärmung im Alpenraum um 2 Grad Celsius seit 1900 vor neuen Tatsachen und Herausforderungen, die durch Veränderungen der Regenverteilung, Starkregen und Dürre geprägt sind. In diesen Tagen müssen wir gerade an der March in Niederösterreich sehen, wie die Wassermassen Siedlungs- und Wirtschaftsräume zerstören und Menschen vor schwer zu lösende Tatsachen stellt. Nicht nur in diesen Tagen und Wochen, auch 2002 und 2005 richteten Hochwässer in Österreich enorme Schäden an. 2002 belief sich das Schadensausmaß auf 3 Milliarden Euro, 2005 auf 600 Millionen Euro. Zukünftige Strategien zur Eindämmung der Schäden infolge Hochwassers sind jedenfalls ein wichtiger Meilenstein, wobei die Aufklärung der Bevölkerung in punkto Eigenvorsorge weiter zu forcieren ist. Österreich investiert bundesweit ca. 200 Millionen Euro pro Jahr in den Schutz vor Naturgefahren. Das wird ab 2007 um etwa ein Drittel auf ca. 270 Millionen erhöht. Darauf konnte sich Umwelt- und Landwirtschaftsminister Josef Pröll gemeinsam mit dem Finanzminister und den Bundesländern in einem Pakt einigen. Dies wird im Zeitraum 2006 - 2017 (inkl. Donau) ein Gesamtinvestitionsvolumen von 3,55 Milliarden Euro ergeben.

Ein weiteres Topthema der österreichischen Wasserwirtschaft ist vor allem im Hinblick auf die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie das Thema Wasserkraft. Zwei Drittel der österreichischen Stromproduktion stammt aus Wasserkraft. 150 Kraftwerke über 10 MW sichern rund 62,5 % des österreichischen Strombedarfes, dazu kommen 2100 Kleinkraftwerke, die rund 6-7 % abdecken. Kraftwerke haben auf Gewässer erhebliche Einflüsse wie Schwall und Restwasser, Durchgängigkeit und Lebensraumverlust. Rund 60 % der Flüsse und Bäche Österreichs weisen ein mögliches Risiko der Zielverfehlung auf. Ziel gemäß Wasserrahmenrichtlinie ist die Erreichung eines guten Zustandes aller Gewässer bis 2015 bzw. 2027. Um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen und die erneuerbare Energiequelle Wasserkraft abzusichern, werden in den nächsten 22 Jahren zur Verbesserung der Durchgängigkeit insgesamt rund 190 Millionen Euro zu investieren sein.

Ein in Österreich sehr positiv besetztes Thema ist die Trinkwasserversorgung. Österreich verfügt über ausgezeichnete Trinkwasservorräte. Die Wasserversorgung kann zur Gänze aus Quell-und Grundwasservorkommen abgedeckt werden, eine europaweit einzigartige Position. Zukunftsfragen betreffen in diesem Bereich vor allem Strukturverbesserungen und Kosteneffizienz über Kooperationen, z.B. Benchmarking, sowie die Krisenvorsorge durch die Berücksichtigung von Gefahrenpotenzialen, z.B. Hochwasser, Dürre etc. Die Investitionen der Siedlungswasserwirtschaft sind jedenfalls für den Ländlichen Raum sehr wichtige Impulse. Im Jahr 2005 wurden Mittel der Umweltförderung des Bundes im Ausmaß von ca. 189 Millionen Euro an insgesamt 1.759 Projekte der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 772 Millionen Euro zugesagt. Mit dieser Investitionssumme konnten etwa 9.200 Arbeitsplätze gesichert werden.

Weltweit zeigt sich die Situation hinsichtlich Trinkwasser und Abwasserentsorgung in einem völlig anderen Licht. Beim 4. Weltwasserforum in Mexiko (16.-22. März 2006), bei dem Österreich als Vorsitzland auch die EU zu vertreten hatte, ragte unter fünf zentralen Themen die Verbesserung der Wasserversorgung sowie die Siedlungshygiene heraus. Bis 2015 sollte die Zahl jener Menschen, die bisher keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser hatten, von 1,2 Milliarden Menschen auf 600 Millionen Menschen halbiert werden. Die Zahl der Menschen, die unter ungenügenden siedlungshygienischen Entsorgungsbedingungen leben müssen, soll von dzt. 2,4 Milliarden Menschen auf 1,2 Milliarden Menschen ebenfalls halbiert werden. Die am Weltwassertag verabschiedete Ministererklärung verpflichtet die Staaten erneut, die angestrebten Ziele zu erreichen.

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