Zappeln im Netz: Greenpeace zieht riesiges Grundschleppnetz vor dem Naturhistorischen Museum auf

Zerstörerische Fangmethoden bedrohen einzigartige Oasen der Tiefsee.

Wien (OTS) - Mit einem Riesennetz vor dem Naturhistorischen Museum in Wien macht Greenpeace heute auf die Gefahren einer der zerstörerischsten Fischereimethoden aufmerksam: Fischen mit Tiefsee-Grundschleppnetzen.

Bedroht ist vor allem die rund um sogenannte Tiefseeberge und in Kaltwasserkorallenriffen bestehende einzigartige Artenvielfalt: Die riesigen Grundschleppnetze zerstören alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Innerhalb weniger Sekunden werden einmalige Lebensräume der Tiefsee unwiederbringlich vernichtet. "Verantwortlich für diesen rücksichtslosen Kahlschlag ist hauptsächlich die EU. 60% der gesamten Fangmenge gehen auf das Konto von EU-Schiffen, die meisten davon fahren unter spanischer Flagge", erklärt Antje Helms, Meeresbiologin von Greenpeace.

Wie es einem Tiefseefisch ergeht, der sich in einem Grundschleppnetz verfangen hat, kann man heute bis 16.00 Uhr vor dem Naturhistorischen Museum am eigenen Leibe ausprobieren. Das von Greenpeace errichtete Netz mit den Originalmaßen von 70x40x15 Meter tourt quer durch Europa und ist heute in Wien zu besichtigen. Im Inneren des Netzes dokumentiert eine multimediale Ausstellung eindrücklich, welchen nicht wieder gutzumachenden Schaden diese brutale und unselektive Fangmethode anrichtet.

Angesichts weltweit überfischter Meere weichen die Fangflotten in nie zuvor erreichte Tiefseeregionen aus. Täglich zieht eine Flotte von 300 modernen Trawlern ihre gigantischen Netze durch 1.500 Quadratkilometer der Tiefsee. Die Netze werden direkt über den Meeresgrund gezogen und dabei durch tonnenschwere Eisenrollen und Stahlgewichte beschwert. "In nur einem Atemzug wird eine Fläche so groß wie zehn Fußballfelder umgepflügt. Wenn diese Zerstörung nicht sofort gestoppt wird, sind in 16 Jahren die ‚Urwälder der Tiefsee’ unwiederbringlich verloren", schildert Helms das drastische Ausmaß der Vernichtung.

Wissenschaftler und Umweltschützer sind sich weltweit einig: Ein von der UN-Vollversammlung zu beschließendes sofortiges Moratorium für den Einsatz von Grundschleppnetzen auf der Hohen See muss her! Langfristig ist ein globales Netzwerk von Meeresschutzgebieten unerlässlich. In den nächsten Wochen entscheidet die EU unter Österreichs Ratspräsidentschaft, ob sie bei der nächsten UN-Vollversammlung für ein Moratorium stimmen wird. "Außenministerin Plassnik ist gefordert, sich persönlich für ein EU-Moratorium einzusetzen", so Helms abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Maga. Britta Schwarz, Greenpeace-Pressesprecherin, 0664-6126721
Dipl.Biologin, Antje Helms, Greenpeace-Meeresexpertin, 0664-2148952

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