"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die Büchse der Pandora" (Von ANITA HEUBACHER)

Ausgabe vom 07. April 2006

Innsbruck (OTS) - Mit dem Ansinnen, die Privathonorar-Gelder neu
zu verteilen, hat das Land die Büchse der Pandora geöffnet. Die Schwächen des Systems werden offensichtlich. Es ist amtlich, dass 30 bis 40 Primarii an der Uni-Klinik zu den Topverdienern gehören. Das Gesetz sieht vor, dass der Arzt für persönlich erbrachte Leistungen Privathonorare lukrieren kann. Bei Gagen von bis zu 100.000 Euro brutto zusätzlich pro Monat müssten Primarii wohl sechs Arme und drei Köpfe haben, um sich tatsächlich persönlich um die Patienten kümmern zu können.

Bei aller Wertschätzung der ärztlichen Kunst kann es auch nicht angehen, dass der Abstand zwischen Primar und nachgeordnetem Arzt 1:100 ist. Das trifft vor allem auf große Kliniken zu, wo viele nachgeordnete Ärzte an einem Kuchen von 40 Prozent naschen, während der Primar 50 Prozent für sich einstreift. Das muss sich ändern. Ein leistungsbezogenes System, wie jetzt von den nachgeordneten Ärzten gefordert, wäre sicher gerechter. Und zum ersten Mal scheint der politische Wille dafür auch da zu sein.

Die Diskussion um die Privathonorare offenbart aber auch, dass das Einkommen von jungen Ärzten zu gering ist. 1400 Euro netto (ohne Journaldienste) verdient ein junger Arzt sechs Jahre lang bis er die Facharztausbildung beendet hat. Demgegenüber steht ein Anfangsgehalt von Krankenpflegern von 1350 Euro netto im Monat. Die Dienste der Krankenpfleger sollen in keinster Weise geschmälert werden, aber die Ausbildungsdauer gehört berücksichtigt.

Bund und Land haben in die Gehaltskalkulation den Anteil der Privathonorare miteingerechnet. Private Versicherungsanstalten zahlen die Gehälter von Ärzten mit. So lange das so ist, ist eine gerechte Verteilung der Privatgelder umso dringlicher. Schließlich drückt das Gehalt auch auf die Motivation.

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