253 000 Personen armutsgefährdet trotz Arbeit

Davon 91 000 manifest arm. Sozial ist nicht nur das, was Arbeit schafft, sondern Arbeit, die vor Armut schützt.

Wien (OTS) - "Jenen Interessen nachzugeben, die einen Niedriglohnsektor mit "Arbeit um jeden Preis" forcieren, bedeutet eine soziale Zeitbombe auf den Weg zu bringen. Jetzt schon leben 253 000 Menschen in Österreich in Haushalten, in denen der Verdienst trotz Erwerbsarbeit nicht reicht, um die eigene Existenz -und die der Kinder- zu sichern.", zitiert die ARMUTSKONFERENZ die aktuellen Daten der Statistik Austria. Davon sind 91 000 manifest arm, d.h. die Betroffenen weisen einen schlechten Gesundheitszustand auf, leben in feuchten, schimmligen Wohnungen, etc

Working Poor: http://www.armut.at/Working%20Poor_EU-SILC.doc

Von den prekär Beschäftigten mit "befristeten Vertrag" sind 11% armutsgefährdet, "unregelmäßig Beschäftigte" 17%, Personen mit "Teilzeit weniger als 12 Stunden" 20% und bei Menschen mit "35h Wochenarbeitsstunden für weniger als 1000 Euro Brutto" sind 23% armutsgefährdet.

Armutsgefährdung in prekären Beschäftigungsformen:
http://www.ots.at/redirect.php?armutsgef

"Sozial ist nicht nur das, was Arbeit schafft, sondern Arbeit, die vor Armut schützt.", so Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk "Ein niedriges Erwerbseinkommen schlägt sich auch in nicht-existenzsichernden Sozialleistungen bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und in der Pension nieder."

"Wer sein Leben lang in prekären Jobs arbeitet, wird keine existenzsichernde Pension zusammenbekommen, das Arbeitslosengeld und die Notstandshilfe sind so gering, dass man im Falle von Jobverlust davon keinen Tag überleben kann.

In Österreich sind über 100 000 Menschen nicht krankenversichert, das sind fast 2% der Wohnbevölkerung, die aufgrund ihrer prekären sozialen Lage nicht wissen, was sie mit ihrem geringen Einkommen zuerst zahlen sollen: Miete, Lebensmittel oder Krankenversicherung?

Im Sozialstaat "rheinisch-korporatistischer" Prägung wie in Österreich setzen sich prekäre Arbeitsverhältnisse und nicht durchgängige Erwerbsbiographien ungebrochen in den Systemen sozialer Sicherung fort. Dem stark am Versicherungsprinzip und am männlichen Ernährerhaushalt ausgerichteten Sozialstaatsmodell fehlen Mindestsicherungselemente sowie universelle Leistungen und es mangelt an Bildungschancen unabhängig sozialer Herkunft wie auch an eigenständiger Existenzsicherung für Frauen.", so das Anti-Armutsnetwzerk.

"Erwerbsarbeit allein schützt vor Armut nicht.", weist Martin Schenk von der Armutskonferenz auf die internationale Armutsforschung hin. "Es gibt Länder mit geringer Arbeitslosigkeit und hoher Armut:
USA und Großbritannien. Und es gibt Länder mit geringer Arbeitslosigkeit und geringer Armut: Dänemark und Schweden"
Erst die Kombination aus geringer Arbeitslosigkeit und präventiv wirkender sozialer Sicherungssysteme reduziert Armut. Je höher die Investition in solidarische Sozialsysteme, desto geringer die Armut. Das erklärt, warum die USA oder Großbritannien trotz geringer Arbeitslosigkeit hohe Armut aufweisen.

DIE ARMUTSKONFERENZ. - Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Wir betreuen und unterstützen im Jahr über 100 000 Hilfesuchende:

Autonome Österreichische Frauenhäuser, ArbeitslosensprecherIn Österreich, ARGE MigrantInnenberatung Österreich, ASB Schuldnerberatungen GmbH, Bildungshaus Salzburg St. Virgil, Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, Bundesdachverband für Soziale Unternehmen, Caritas Österreich, Diakonie Österreich, Europäisches Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung, Evangelische Akademie Wien, Forum Kirche und Arbeitswelt, Internationaler Versöhnungsbund / österreichischer Zweig, Katholischer Familienverband Österreichs, Katholische Frauenbewegung Österreichs, Katholische Sozialakademie Österreichs, Kolping Österreich, Netzwerk Österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen, Neustart, Bewährungshilfe, Konfliktregelung und soziale Arbeit, Österreichische Hochschülerschaft, Österreichische Plattform für Alleinerziehende, Österreichischer Berufsverband der Sozialarbeiterlnnen, Österreichischer Gewerkschaftsbund/ Frauenabteilung, pro mente austria, SOS Mitmensch, Volkshilfe Österreich, Wiener Hilfswerk, Regionale Armutsnetzwerke:
Salzburg-Oberösterreich-Kärnten.

Rückfragen & Kontakt:

Rückfragen Medien: Tel.: 01/ 409 80 01 oder 0664/ 544 55 54
Koordinationsbüro: Tel.: 01/ 402 69 44
www.armutskonferenz.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ARM0001