Schwarzböck zur Gentechnik: Sicherheit für Österreichs Bauern hat Vorrang

Bauernvertretung verlangt EU-weite Koexistenz- und Haftungsregeln

Wien (AIZ) - "Eine transparente Diskussion über den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft ist notwendig, denn nach wie vor sind in Europa viele Fragen völlig offen. Wir werden es nicht einfach hinnehmen, dass sich künftig alle Verarbeitungs- und Handelsstufen vor und nach den Bauern aus der Verantwortung stehlen und dem Landwirt das alleinige Haftungsrisiko aufbürden. Damit wir für die Herausforderungen der kommenden Jahre im Bereich der Gentechnik gerüstet sind, brauchen wir innerhalb der Europäischen Union einheitliche Bestimmungen für die Koexistenz sowie eine klare Haftungsregelung", erklärte der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Rudolf Schwarzböck, anlässlich der ersten Gentechnik-Konferenz auf europäischer Ebene, die heute und morgen im Congress Center der Wiener Messen über die Bühne geht.

Auf Einladung des Präsidenten des EU-Agrarministerrates, Landwirtschaftsminister Josef Pröll, diskutieren in Wien rund 700 Experten, Interessenvertreter, Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen, Landwirte und Konsumenten über das Thema Koexistenz. Dieses Nebeneinander von GVO-Anbau und gentechnikfreier Produktion zur Sicherstellung der Wahlfreiheit für Landwirte und insbesondere der Konsumenten ist von zentraler Bedeutung. Allerdings sind entscheidende Fragen der Koexistenz, vor allem in kleinbäuerlichen Strukturen wie in Österreich, noch nicht geklärt.

"Für Österreichs Bauern gibt es derzeit überhaupt keinen Grund, dass sie von ihrer klaren Linie abweichen und auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verzichten. Schließlich lehnen Österreichs Verbraucher die Gentechnik im Pflanzenbau nach wie vor mit großer Mehrheit ab und für die heimischen Landwirte bringt Gentech-Saatgut aus heutiger Sicht keine Vorteile, solange die Trennung zwischen herkömmlicher und gentechnisch veränderter Produktion weiterhin nicht europaweit einheitlich geregelt ist", unterstrich Schwarzböck.

Höhere Produktionskosten müssen den Bauern abgegolten werden

Der LK-Präsident stellte auf der anderen Seite klar, dass europaweit bei stärkerer Verwendung von Gentechnologie im Ackerbau auch die Produktionskosten in den Gentechnik-freien Ländern ansteigen würden. Dieser vom Konsumenten gewünschte "Sonderweg" müsse daher den heimischen Bauern entsprechend abgegolten werden, forderte der LK-Präsident.

"Natürlich wollen wir im Interesse der heimischen Landwirtschaft verhindern, dass unsere Bauern einmal ausschließlich von internationalen Großkonzernen im Saatzuchtbereich abhängig werden. Auf der anderen Seite muss aber klar sein, dass der Verzicht auf den Einsatz von gentechnisch veränderten Ackerpflanzen die heimische Saatgutproduktion im internationalen Vergleich verteuert, wenn es nicht gelingt, gleichzeitig neue Märkte für gentechnikfreie Lebensmittel und GVO-freies Saatgut aus Österreich zu erobern", so Schwarzböck. (Schluss)

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