Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Die Nebelwerfer

In der Bawag-Krise arbeiten die Nebelwerfer der Parteien auf höchsten Touren. Seit auch Jörg Haider und Josef Cap sowie Hannes Androsch agieren, bleibt jede Logik auf der Strecke. Im ORF durfte dazu ein Politologe die Bawag-Krise mit den Themen SS und Populismus verrühren. Umso wichtiger wäre es nun, die Fragen klar zu trennen.

1. Alle Bankgeschäfte sind "Spekulationen". Banken wie Kunden rechnen immer mit künftigen Entwicklungen, steigenden oder fallenden Zinsen, Kursen, Kreditausfällen. Nur Märchenonkel glauben, bei Hedge Fonds erzielt man immer 25 Prozent Gewinn.

2. Um die Risken überschaubar zu halten, werden in guten Banken jedem einzelnen Geschäft genaue Grenzen gezogen. Jetzt ist in Ruhe, aber mit der Strenge des Strafgesetzes zu prüfen: Gab es bei Bawag wie auch bei der Hypo-Alpe-Adria seriöse Grenzen? Wurden sie überschritten? Wer war verantwortlich? Wurden immer und sofort alle Aufsichtsgremien informiert? Drückten Wirtschaftsprüfer ein Auge zu, weil sie lukrative Aufträge behalten wollten?

3. Die Eigentümer, ÖGB wie Land Kärnten, sind primär Geschädigte. Jedoch könnten auch sie eine Mitschuld tragen. Beim Eigentümer ÖGB reagierten zumindest zwei Hauptverantwortliche unkorrekt, indem sie mit Mitteln einsprangen, über die sie nicht allein verfügungsberechtigt waren. Taten sie dies in heldenhafter Gesinnung, um volkswirtschaftlichen Schaden abzuwenden, oder als Gauner, um parteipolitischen Schaden abzuwenden?

4. Bei beiden Banken gibt es zudem einen Verdacht gegen die politischen Eigentümer: Zwangen diese die Banken aus politischen Gründen in Geschäfte, die eine rein kommerzielle Bank nicht eingeht? Es ist wohl auch kein Zufall, dass der Bawag-Betriebsrat jetzt so sehr darum kämpft, dass der ÖGB Bawag-Eigentümer bleibt:
Offensichtlich kassiert die Belegschaft Privilegien, die sie im rauen Wettbewerb nie bekäme.

5. Schließlich muss sich der ÖGB den Vorwurf gefallen lassen, dass er am Sonntag mit Attac und anderen blauäugigen Antikapitalisten demonstrieren geht, am Montag jedoch Kapitalismus praktiziert.

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