Genanalyse für Frauen mit familiärem Brust- und Eierstockkrebs

Rauch-Kallat und Brauner präsentieren gemeinsame Finanzierung

Wien (OTS) - Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau mit etwa 5000 Neuerkrankungen pro Jahr in Österreich. Etwa 50 Prozent der Mammakarzinome treten nach dem 60. Lebensjahr auf und sind durch das Lebensalter bzw. verschiedenste Risikofaktoren bedingt. Bei 5 bis 10 Prozent der Betroffenen jedoch sind angeborene, genetische Veränderungen die Ursache für die Erkrankung. Die Feststellung erfolgt dabei über eine molekulargenetische Analyse. Diese wird für ganz Österreich im Speziallabor des Brustzentrums an der Frauenheilkunde im Wiener AKH durchgeführt. Bisher erfolgte die Finanzierung ausschließlich über Forschungsgelder, was zu Wartezeiten von einem Jahr oder länger führte. Die nun vereinbarte Finanzierung in Höhe von jährlich 650.000 Euro wird zu je einem Drittel durch das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, der Stadt Wien und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger getragen. Diese zusätzlichen Mittel ermöglichen eine erheblich schnellere Analyse und Beratung.

"Bei Frauen mit erblichem Brust- und Eierstockkrebs stellt die Genanalyse die einzige Möglichkeit dar, das persönliche Risiko zu erkennen. Diese Frauen können dadurch geeignete Maßnahmen zur Früherkennung und zur Verhinderung von Krebserkrankungen ergreifen", sagte Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wiens Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Renate Brauner. "Durch das gemeinsame Engagement von Bund, Land und Sozialversicherung im Rahmen der durch die Gesundheitsreform konstituierten Gesundheitsagentur ist es uns gelungen, die Finanzierung dieser österreichweiten Genanalyse für die nächsten 3 Jahre zu sichern. Pro Jahr werden insgesamt 650.000 Euro zur Verfügung stehen, ein Drittel davon aus Bundesmitteln. Damit kann die individuelle Wartezeit und damit auch die psychische Belastung für die Betroffenen von bisher mehr als 1 Jahr auf 3 bis 6 Monate reduziert werden", so Rauch-Kallat.****

"Früherkennung kann bei Krebserkrankungen im wahrsten Sinne des Wortes Leben retten. Darüberhinaus stellt das Wissen, dass in der eigenen Familie gehäuft Krebserkrankungen auftreten, für viele Frauen eine extrem große Belastung dar. Mit der jetzt vereinbarten Finanzierung sichern wir österreichweit die Betreuung der Betroffenen", so Wiens Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Renate Brauner anlässlich der Präsentation am Montag.

Genanalyse zur Bestimmung von erblichem Brust- und Eierstockkrebs

Im Jahr 1994 wurde mit BRCA1 das erste sogenannte "Brustkrebsgen" identifiziert, ein Jahr später folgte die Identifikation von BRCA2. Beide Gene sind für die Entstehung sowohl von Brust- als auch Eierstockkrebs relevant. Mit einer molekulargenetischen Analyse dieser beiden Gene kann bei Personen mit familiärer Vorgeschichte eine exakte Diagnostik über das individuelle Erkrankungsrisiko durchgeführt werden. Die Häufigkeit einer krankhaften Veränderung des Brustkrebsgen 1 liegt in Europa bei etwa 1:500. Beim sogenannten BRCA 2-Gen bei 1:700.

Speziallabor des Brustzentrums im Wiener AKH

Seit 1994 werden Mitglieder von Hochrisiko-Familien am Brustzentrum der Frauenheilkunde im AKH Wien beraten, molekulargenetisch untersucht und betreut. Das Leistungsspektrum der Abteilung umfasst die genetische Beratung, molekulargenetische Diagnostik, Koordination des Früherkennungsprogramms für Mutationsträgerinnen, medizinische und onkologische Betreuung, prophylaktische Operationen und psychosoziale Betreuung. Bis einschließlich März 2006 wurde 2165 Personen aus 1335 Familien Blut für eine Analyse im Speziallabor des AKH abgenommen. 416 Personen konnten bisher als TrägerInnen einer Mutation identifiziert werden. Für 203 weitere Personen aus Mutationsfamilien wurde nachgewiesen, dass sie die Mutation nicht tragen und ihr Erkrankungsrisiko für Mamma- und Ovarialkarzinome daher im Vergleich zur Gesamtbevölkerung nicht erhöht ist.

Kriterien für eine Genanalyse

In Österreich muss für die Durchführung einer molekulargenetischen Analyse in der Familienanamnese auf einer Verwandtschaftsseite mindestens eines der folgenden Selektionskriterien erfüllt sein:

o 2 Brustkrebsfälle vor dem 50. Lebensjahr o 3 Brustkrebsfälle vor dem 60. Lebensjahr o 1 Brustkrebsfall vor dem 35. Lebensjahr o 1 Brustkrebsfall vor dem 50. Lebensjahr und 1 Fall von Eierstockkrebs jeglichen Alters o 2 Eierstockkrebsfälle jeglichen Alters o Männlicher und weiblicher Brustkrebs jeglichen Alters

Behandlungsmöglichkeiten

Betroffene Frauen - aber auch Männer - bei denen diese Genveränderung festgestellt wird, können engmaschig durchgeführte radiodiagnostische Früherkennungsuntersuchungen wie Magnetresonanztomografie, Mammografie, Brustultraschall, Vaginalultraschall oder Tumormarkertests für Eierstockkrebs in Anspruch nehmen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit einer prophylaktischen Operation. Selbstverständlich werden die PatientInnen in dieser besonders schwierigen und belastenden Situation entsprechend medizinisch, psychologisch und psychotherapeutisch betreut.

Beratungsstellen in Österreich

Um die genetische Beratung und Betreuung von Familien mit erblichem Brust- und Eierstockkrebs in ganz Österreich zu gewährleisten, wurden ausgehend vom Wiener AKH seit 1996 Schulungen mit Teilnehmern aus allen Bundesländern durchgeführt. Seither konnten in ganz Österreich insgesamt 35 Beratungsstellen gegründet werden. Die Laboruntersuchung erfolgt dabei zentral im Speziallabor des Brustzentrums der Frauenheilkunde am Wiener AKH. (Schluss) brc

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