Modellsimulation des WIFO zu den Effekten einer Rohölpreiserhöhung

Wien (WIFO) - Die Entwicklung des internationalen Rohölpreises ist derzeit der entscheidende Risikofaktor für die Konjunktur. Das WIFO hat mit seinem neuen multisektoralen Modell PROMETEUS die Auswirkungen einer Verteuerung von Erdöl um 50% bis 2020 simuliert. Demnach würde das BIP (gegenüber einem Szenario ohne Rohölverteuerung) um 0,3% gedämpft; zudem ergibt sich ein negativer Beschäftigungseffekt von -0,2%. Der energetische Endverbrauch wäre insgesamt um 3% geringer. Die errechnete Verringerung der CO2-Emissionen um rund 4 Mio. t wäre zum Großteil den Sektoren Industrie und Verkehr zuzuschreiben.

Der BIP-Effekt des simulierten Erdölpreisschocks macht etwa -0,3% aus und liegt somit unter den Ergebnissen anderer Modellrechnungen:
Verschiedene internationale Studien errechnen einen kurzfristigen Effekt auf die Verbraucherpreise von rund +0,5% und auf das BIP von -0,5%. Das WIFO-Modell PROMETEUS liefert geringere BIP-Effekte, weil es das Energiesystem mit der österreichischen Wirtschaft voll integriert abbildet und damit alle Maßnahmen und Schocks in beiden Aspekten konsistent erfasst.

Der simulierte Erdölpreisschock lässt die Preise von Kohle (+20%), Erdölprodukten (+22%), Gas (+12%) und Elektrizität (+1%) steigen. Die einzelnen Branchen sind davon sehr unterschiedlich betroffen. Am stärksten wird die Wirtschaftsleistung in den Bereichen "Kfz-Handel, Kfz-Reparatur" und "Mineralölverarbeitung" gedämpft, aber auch in stark von der privaten Konsumnachfrage geprägten Sektoren eingeschränkt (Textilien, Bekleidung und Leder, Beherbergungs- und Gaststättenwesen).

Insgesamt ergibt sich ein negativer Beschäftigungseffekt von -0,2%. Die Preisschocks ziehen ein stärkeres Lohnwachstum nach sich, das in manchen nicht energieintensiven Sektoren (vor allem Dienstleistungen) die Beschäftigung dämpft. Vor allem in den energieintensiven Branchen resultieren umgekehrt aus der Verteuerung von Energie relativ zum Faktor Arbeit positive Beschäftigungseffekte.

Die exponierten energieintensiven Sektoren können die Kostensteigerung nicht voll auf die Outputpreise überwälzen, sodass die Gewinne und damit die Investitionstätigkeit gedrückt werden. Das gilt vor allem für die Eisen- und Stahlerzeugung und den Sektor "Steine und Erden, Glas". Gedämpft werden auch die Investitionen der Energieversorgung. In Summe ergibt sich aber kein messbarer Effekt auf die Investitionstätigkeit.

Die private Konsumnachfrage reagiert sehr stark auf den Preisschock: Der Gesamtkonsum verringert sich bei einem Anstieg der Verbraucherpreise von 1% um 0,4%. Massive Umschichtungen ergeben sich innerhalb der Ausgaben der privaten Haushalte für Verkehr - der Aufwand für den Betrieb von Fahrzeugen wird eingeschränkt, während vermehrt Verkehrsdienstleistungen (öffentlicher Verkehr) in Anspruch genommen werden. Letzteres erklärt wiederum den positiven Effekt auf Output und Investitionen im Verkehrssektor. Die Ausgaben für Erholung und Unterhaltung (ohne Beherbergungs- und Gaststättenwesen) steigen, das Beherbergungs- und Gaststättenwesen erleidet dagegen Einbußen.

Übersicht 1: Gesamtwirtschaftliche Effekte einer Verteuerung von Rohöl (Brent) um 50% - auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/presse)

Der energetische Endverbrauch verringert sich insgesamt um 3%. Dabei ist der Rückgang des Gas- und Elektrizitätsverbrauchs geringer als jener der Treibstoff- und Kohlenachfrage. Für die in der Raumwärme eingesetzten Erdölprodukte gilt ebenfalls eine niedrige Preiselastizität, sodass ihr Einsatz auch nur wenig betroffen ist.

Insgesamt ergibt sich in diesem Szenario eine Reduktion der CO2-Emissionen um rund 4 Mio. t, zum Großteil in den Sektoren Industrie und Verkehr (überdurchschnittliche Preiselastizität). Der CO2-Reduktionseffekt in der Energieversorgung ist das Resultat der Einschränkung des Stromverbrauchs und der Anpassungsreaktionen in der Stromerzeugung.

Im Energiesystem besteht der Haupteffekt in einer Steigerung der Energieeffizienz und weniger in einer Substitution zu erneuerbarer Energie. Wenn zur Erreichung des Kyoto-Ziels einer Verringerung der CO2-Emissionen im Durchschnitt 2008/2012 auf 53 Mio. t (-13% gegenüber 1990) eine Abnahme um 15 Mio. t notwendig ist (wie dies Berechnungen mit PROMETEUS nahelegen), dann würde im Gefolge der Rohölverteuerung um die Hälfte ungefähr ein Fünftel dieses Zieles erreicht.

Übersicht 2: Effekte einer Verteuerung von Rohöl (Brent) um 50% auf die CO2-Emissionen im Inland - auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/presse)

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 3/2006!

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Dr. Kurt Kratena
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
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