"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: " Aus für Jobwunder" (Von CHRISTOPH URSPRUNGER)

Ausgabe vom 3. April 2006

Innsbruck (OTS) - Es ist schon schlimm genug, wenn ehemals große Arbeitgeber wie Elektra Bregenz oder Austria Tabak dem Land den Rücken kehren, die Produktionen auslaufen lassen und hunderte Leute auf die Straße setzen. Mit enormem Aufwand muss dann versucht werden, die Mitarbeiter etwa über Arbeitsstiftungen umzuschulen und ihnen eine neue berufliche Zukunft zu geben.

Noch viel schlimmer ist es aber, wenn Tirols Politiker und die Tiroler Zukunftsstiftung unermüdlich durch die Lande ziehen und die Bevölkerung für dumm verkaufen, indem sie von unmittelbar bevorstehenden Ansiedlungen internationaler Großkonzerne, beispielsweise aus der deutschen Automobilbranche, sprechen. Diese sollen den Wegfall von Tiroler Arbeitsplätzen kompensieren. Dass dieses Ansinnen sinn- und zugleich aussichtslos ist, bestätigte nun die Austrian Business Agency, die auf Bundesebene die internationalen Betriebsansiedlungen einfädelt und dabei die Zukunftsstiftung als einen von mehreren Bundesland-Partnern einbindet. Diese Nachricht hätte man eigentlich von den sonst nicht gerade öffentlichkeitsscheuen Tiroler Entscheidungsträgern erwarten dürfen.

Trotzdem, somit ist die Katze aus dem Sack: Es wird kein neuer Leitbetrieb kommen, weder ins Ober- noch ins Unterland. Die Zeiten, als Liebherr, Durst oder Loacker nach Tirol zogen und mit ihren Großinvestitionen wahre Jobwunder vollbrachten, sind vorbei. Heute werden große Produktionsstätten bevorzugt in den Billiglohnländern Osteuropas oder in China errichtet oder dorthin verlagert, was natürlich auch in Tirol Jobs gekostet hat und noch weitere kosten wird. Tirol muss in Sachen Betriebsansiedlung kleinere Brötchen backen. Das hat aber den Nachteil, dass der Tiroler Arbeitsmarkt davon eher unberührt bleibt. Wenn ein deutsches Unternehmen mit zehn Arbeitsplätzen nach Tirol zieht, nimmt es im Regelfall auch gleich das Kernpersonal mit.

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