Einziges nach Leitlinien der AGA angebotenes Therapieprogramm für übergewichtige Kinder an der Kinderklinik des AKH eingestellt

Wien (OTS) - Im Juli 2003 wurde an der Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde des Wiener AKH das Therapie-Programm "Move it" zur Behandlung krankhaft übergewichtiger Kinder - damals auf Vereinsbasis - im Rahmen der damaligen Teilrechtsfähigkeit der Klinik für Kinder-und Jugendheilkunde der Universität Wien - ins Leben gerufen. Aufgrund mangelnder öffentlicher Finanzierung und eines krankenanstaltenrechtlich nicht erlaubten Finanzierungssystems durch private Kostenersätze musste das Therapieangebot eingestellt werden.

Die Zahl übergewichtiger Kinder hat in den vergangenen Jahren weltweit, aber auch in Wien dramatisch zugenommen. 15-25% der 6-16-Jährigen Wiener Kinder sind heute als übergewichtig zu bezeichnen, ca. 1-2% der Kinder / Jugendlichen sind hochgradig (morbid) adipös. Laut einer im Auftrag der Stadt Wien durchgeführten Erhebung gibt bzw. gab es - außer diesem Projekt an der Wiener Kinderklinik des AKH - in Wien keinerlei vergleichbare Therapie-Angebote.

Die Bemühungen zur Finanzierung des Mitte 2003 initiierten Programms mit der Bezeichnung "Move it" bei diversen Institutionen -u.a. dem Fonds Gesundes Österreich - waren erfolglos, das Therapieprogramm selbst - welches den internationalen Guidelines (Leitlinien der AGA, ECOG, IOTF) entspricht - wurde von den Betreibern in der Folge aber dennoch angeboten. Anlässlich der durch das Rektorat der Medizinischen Universität Wien routinemäßig mit dem gemeldeten Programmende (31.12.2005) durchgeführten Überprüfung der finanziellen Gebarung des Projekts stellte sich nun heraus, dass den im Rahmen der Therapie behandelten Patienten ohne rechtliche Basis Kostenersätze für die Behandlung verrechnet wurden und zudem auch nach dem gemeldeten Projektende weitere Zahlungen eingingen. Die Projektverantwortlichen mussten darauf hin von Seiten der Medizinischen Universität Wien zur umgehenden Einstellung des Programms angewiesen werden, dem Projektleiter. Univ.-Prof. Kurt Widhalm wurde eine dienstliche Ermahnung ausgesprochen.

Das von einer Psychologin, einer Diätassistentin und einer Sporttherapeutin unter wissenschaftlicher Aufsicht angebotene Therapieprogramm für übergewichtige Kinder konnte - wie die Überprüfung zeigte - nur auf freiwilliger Basis gegen einen Kostenersatz von 250.- Euro pro Monat - für eine ca. halbjährige Therapie - genutzt werden. Die Einnahmen aus diesen Honoraren wurden zur Finanzierung der drei Therapeutinnen verwendet, die als freie Dienstnehmerinnen beschäftigt waren. Weder wurde durch das Programm ein Gewinn erwirtschaftet, noch hat der Projektleiter Prof. Widhalm daraus irgendeinen finanziellen Nutzen gezogen.

Rektor Wolfgang Schütz: "Die Projektverantwortlichen waren sich offensichtlich nicht bewusst, dass man auch im Falle des Mangels eines wichtigen Behandlungsangebotes im Spitalsbetrieb keine ärztlichen Leistungen anbieten darf, für die man unmittelbar Honorare verrechnet. Derartige Einnahmen sind - auch wenn sie einem äußerst edlen Motiv entspringen - krankenanstaltenrechtlich nicht gedeckt. Prof. Widhalm hat sich aber in keinerlei Art und Weise an diesem Therapieangebot persönlich bereichert, sondern hat mit durchaus großem therapeutischen und wissenschaftlichen Erfolg eine äußerst lobenswerte und engagierte Initiative zur Behandlung übergewichtiger Kinder gesetzt, für die es in Wien sonst keine wissenschaftliche vergleichbare Alternative in der Gesundheitsversorgung gab."

Pro Jahr nahmen rund 40-50 Personen diese therapeutische Leistung in Anspruch, für die von Seiten der öffentliche Gesundheitsverwaltung auch in den drei anderen Adipositas-Ambulanzen keine qualitativ vergleichbaren Alternativen bestand. Dass das Therapieprogramm der Kinderklinik am AKH das einzige unter den in Wien angebotenen Programmen ist, dass die sog. AGA-Leitlinien erfüllt, wurde noch Mitte März d.J. Woche im Rahmen einer Sitzung der von der Gemeinde Wien beauftragten "Arbeitsgruppe für Medizinische Versorgung von multimorbiden Kindern und Jugendlichen" festgehalten. Die AGA - die Arbeitsgemeinschaft für Adipositas im Kinder- und Jugendalter, mit Sitz in Deutschland gilt international als die wissenschaftliche Leit-Instanz für die Erstellung von therapeutischen Leitlinien der Diagnostik und Therapeutik. (zu den AGA-Leitlinien vgl.:
http://www.a-g-a.de/aga_content.html).

Da das Programm "Move it" vor der Gründung der Medizinischen Universität Wien (1.1.2004) initiiert wurde, gab es von deren Seite noch keine Genehmigungspflicht für dieses Programm. Die finanzielle Abwicklung des Programmes wurde Mitte 2003 begonnen, als die Kinderklinik noch von sich aus rechtsfähig war. Durch das Universitätsgesetz 2002 wurde mit 1.1.2004 dieses Projekt - so wie rund 2000 andere Projekte und Programme - auf die neu gegründete Medizinische Universität Wien (MUW) übertragen. Wie alle diese "Alt-Programme und -Projekte" wurde auch dieses routinemäßig nach Meldung von dessen Abschluss (mit 31.12. 2005) im ersten Quartal des Jahres 2006 überprüft.

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