Meilenstein für Diakonie-MitarbeiterInnen

Kollektivvertrag für die Diakonie unterzeichnet

Wien (GPA/HTV/HGPD/Diakonie/ÖGB) - Am 29. März 2006 wird nach intensiven Verhandlungen der Diakonie-Kollektivvertrag unterzeichnet. Der Diakonie-KV ist somit der dritte Kollektivvertrag nach der Caritas und dem BAGS-KV, der die DienstnehmerInnenverhältnisse für Beschäftige im Sozialbereich der freien Wohlfahrt in Österreich regelt. Der Diakonie-KV gilt für die diakonischen Einrichtungen der Behindertenhilfe, der Altenhilfe, der Jugendwohlfahrt, für den Rettungs- und Krankentransport sowie für die Flüchtlingshilfe. Betroffen davon sind ca. 2.500 MitarbeiterInnen in ganz Österreich. Der Diakonie-KV bietet neben flachen Gehaltskurven bei höheren Einstiegsgehältern eine Arbeitszeitverkürzung auf 38 Stunden. Ab 1. 5. 2006 tritt er für alle neuen MitarbeiterInnen in Kraft, die Arbeitszeitverkürzung wird mit 1. 1. 2007 zum Tragen kommen.++++

Intensive Arbeit

Der Diakonie-Arbeitgeberverband verhandelte seit 1998 mit den VertreterInnen der drei Fachgewerkschaften GPA, HTV und HGPD. "Die Verhandlungen haben deswegen so lange gedauert, weil die Struktur in der Diakonie so heterogen ist. In der Diakonie gibt es sehr große Einrichtungen mit vielfältigem Angebot und genauso kleine Vereine mit nur wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Außerdem variiert das Leistungsangebot stark - mobile, ambulante, teilstationäre und stationäre Einrichtungen verlangen individuelle Lösungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", berichtet Mag. Josef Scharinger, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes. Auf Seiten der Diakonie ist der KV für Einrichtungen der Behinderten- und Altenhilfe sowie der Einrichtungen der Jugendwohlfahrt verbindlich.

VertreterInnen der ArbeitnehmerInnen

Die Struktur der Einrichtungen der Diakonie machte es notwendig, dass die ArbeitnehmerInneninteressen von VertreterInnen dreier Gewerkschaften verhandelt wurden: Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr (HTV) und Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD). Der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der GPA, Karl Proyer betonte, dass es mit dem Abschluss gelungen ist, nach dem BAGS- und dem Caritas-Kollektivvertrag, einen weiteren weißen kollektivvertraglichen Fleck im österreichischen Sozialbereich zu schließen.

Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), freut sich über den wichtigen, bundeseinheitlichen KV: "Was lange währt, wird endlich gut - nach acht Jahren Verhandlungsdauer unterschreiben wir heute einen Kollektivvertrag, der in die Zukunft weist. Wir alle könnten irgendwann einmal auf die Einrichtungen der Diakonie angewiesen sein. Gerade im großen Sozial- und Pflegebereich ist es besonders wichtig, dass für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer faire Arbeitsbedingungen herrschen. Ziel der HGPD beim Abschluss dieses KV war es, die Bedürfnisse der Beschäftigten mit dem wirtschaftlich Machbaren zu verschmelzen."

Der Mensch im Mittelpunkt

"Die Diakonie sieht ihren Auftrag aus der tätigen Nächstenliebe abgeleitet, an die Bedürfnisse und Notlagen der heutigen Zeit angepasst und in die professionellen Notwendigkeiten der Gegenwart und der Zukunft übersetzt. In der diakonischen Arbeit steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Nöten im Mittelpunkt - aber auch mit seiner Geschichte und seinen Eigenheiten. Damit ‚maßgeschneiderte’ Angebote für die Betroffenen geschnürt werden können, brauchen wir eine professionelle diakonische Sozialarbeit sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die hohen Anforderungen an Qualität und Professionalität leisten können. Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die diakonische Arbeit zu gewinnen, müssen wir ein attraktiver Arbeitgeber sein, der im Vergleich mit den Mitbewerberinnen und Mitbewerbern am Sozial- und Gesundheitsmarkt wettbewerbsfähig ist. Einheitliche Regelungen bei der Arbeitszeit und in der Entlohnung waren hier absolut notwendig", erklärt Mag. Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich.

Herausforderung Arbeitszeit

Die Arbeitszeit war bei den Verhandlungen die größte Herausforderung. "Es galt die Bedürfnisse der Menschen, die in der Diakonie betreut und begleitet werden und jener, die diese Leistungen erbringen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Diakonie gleichermaßen zu berücksichtigen", berichtet Scharinger. "In diesem Spannungsverhältnis stehen wir in unserer Arbeit jeden Tag, und wir müssen diese Spannung immer wieder aufs Neue leben und aushalten. Ich bin aber überzeugt, dass wir im Sinne beider Gruppen mit diesem Kollektivvertrag wichtige und richtige Schritte gehen, die die Diakonie heute und auch morgen wettbewerbsfähig macht. Die Diakonie ist für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie für Betroffene ein attraktiver Partner für schwierige Lebenslagen", so Scharinger weiter.

Die Errungenschaften

Die wesentlichen Errungenschaften im Diakonie-KV im Sozialbereich sind flachere Gehaltskurven bei höheren Einstiegsgehältern, die 38-Stunden Woche, flexiblere und planbarere Arbeitszeiten durch Erhöhung des Durchrechnungszeitraumes. Außerdem gibt es in Zukunft keinen Unterschied mehr zwischen ArbeiterInnen und Angestellten durch einen einheitlichen DienstnehmerInnenbegriff. Der Fort- und Weiterbildung der MitarbeiterInnen wird stark Rechnung getragen - zum Beispiel durch die Einführung der Möglichkeit eines Sabbaticals und dem Anspruch der DienstnehmerInnen auf Supervision: "In vielen Einrichtungen der Diakonie gibt es schon lange für MitarbeiterInnen die Verpflichtung, in Supervisionen die eigene Arbeit zu reflektieren und möglichen Überbelastungen auf diesem Weg entgegenzusteuern. Durch die Festlegung der Möglichkeit eines Sabbaticals und Supervisions-Maßnahmen gerade im Bereich der stark geforderten Sozialberufe hoffen wir, dem ‚Burn-Out’ entgegenzuwirken", berichtet Scharinger. Aber nicht nur die Reflexion der beruflichen Situation findet im Diakonie-KV Berücksichtung - auch Weiterbildungstage sind festgeschrieben. Der KV enthält überdies ein bundeseinheitliches Gehaltsschema mit 18 Biennien.

Ein Signal an die Frauen

Die Diakonie ist nicht nur von ihrer Begrifflichkeit her weiblich - ein Großteil der MitarbeiterInnen in der Diakonie ist weiblich. Die 38-Stunden-Woche und die flexibleren Arbeitszeiten sind besonders für Frauen ein wichtiges Signal.

ÖGB, 29. März 2006 Nr. 208

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GPA, Mag. Martin Panholzer, Telefon: 05 0301-21511
Diakonie, Mag. Bettina Klinger, Telefon: (01) 40980001-14

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