Pressekonferenz der OeNB zu Entwicklungen der Zinssätze, Kredite und Einlagen heimischer Banken im Jahr 2005

Wien (OTS) - In einer heutigen Pressekonferenz präsentierte Mag. Dr. Peter Zöllner, Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen Nationalbank, die Entwicklung der Kundenzinssätze sowie der Kredite und Einlagen der heimischen Banken im Jahr 2005.

Anstieg bei den Kundenzinssätzen im Einlagen- und Kreditbereich
Im Vorfeld der Leitzinserhöhung im Dezember des Vorjahres, so Direktor Zöllner, gab es 2005 nach den ersten drei Quartalen mit rückläufiger Tendenz bei den Kundenzinssätzen der österreichischen Banken im vierten Quartal Anstiege. Diese waren bei Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen allerdings stärker als bei privaten Haushalten. Die neu vereinbarten Kreditzinssätze in Österreich lagen dennoch weiterhin unter den Vergleichswerten des Euroraumes. Das zeigte sich insbesondere bei den Zinssätzen für Konsumkredite, die mit durchschnittlich 4,85 % in Österreich weit unter dem Euroraum-Durchschnittswert (6,74 %) lagen.

Direktor Zöllner hob in diesem Zusammenhang hervor, dass der Vorteil, den Österreichs Kreditnehmer bei fallenden Leitzinsen durch den hohen Anteil variabel verzinster Kredite (91,5 % in Österreich gegenüber 75,3 % im Euroraum) hatten, nun bei steigenden Zinssätzen zu einem Nachteil werden könnte. "Besonders für Wohnbaukreditnehmer könnte dies zu einer verstärkten Belastung führen", so Zöllner.

Der Umstand, dass die Einlagenzinssätze sogar etwas rascher angehoben wurden als die Kreditzinssätze, führte dazu, dass die Neugeschäftszinsspanne im Kundengeschäft 2005 von 1,25 auf 1,03 %-Punkte sank. Dieser Umstand relativierte sich aber etwas, weil gleichzeitig im Konsumkreditbereich die Gebühren angehoben wurden.

Äußerst positive Ertragslage
"Trotz gesunkener Nettozinsspanne verzeichneten die Kreditinstitute im Jahr 2005 ein besseres Betriebsergebnis als 2004", verwies Direktor Zöllner auf die positive (unkonsolidierte) Ertragsentwicklung der in Österreich tätigen Kreditinstitute im Jahr 2005. Der Anstieg der Betriebserträge um 8,7% und der geringere Zuwachs der Betriebsaufwendungen um 3,6% führten 2005 zu einer Verbesserung der Cost Income Ratio um 3,1%-Punkte auf 64,1%. Gegenüber 2004 verzeichneten die Kreditinstitute wesentlich bessere Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen (+30,1 Prozent) sowie aus dem Provisionsgeschäft (+17,3 Prozent).

Auslandsgeschäft treibt Bilanzsummen zu Rekordwerten
"Das Geschäft mit dem Ausland bleibt der Motor für das Bilanzsummenwachstum der Banken", so Direktor Zöllner, "unter anderem führten weitere Übernahmen ausländischer Banken vor allem in Osteuropa zu Rekordzuwächsen bei Bilanzsumme und Erträgen." Auf Grund der Dynamik des Auslandsgeschäftes aber auch durch die steigende Kreditnachfrage erreichte die unkonsolidierte Bilanzsumme mit einem Rekordanstieg von +11,1% einen bisher noch nie erreichten Stand von 725 Mrd EUR. Der Anteil des Geschäftes mit dem Ausland an der gesamten unkonsolidierten Bilanzsumme der heimischen Banken stieg von 30,3 % (2004) auf 33,1%.

Nachfrage nach CHF-Krediten auch 2005 sehr stark
Die Nachfrage nach Fremdwährungskrediten erreichte laut Direktor Zöllner 2005 einen neuen Höhepunkt. Nicht weniger als 20,2 % aller aushaftenden Kredite wurden in Fremdwährung vergeben, wobei das Volumen an CHF-Kredite den Rekordwert von 47,6 Mrd EUR erreichte. Vor allem von privaten Haushalten und für Wohnraumzwecke wurden derartige Kredite aufgenommen. Dies, obwohl der relative Zinsvorteil der CHF-Kredite gegenüber einem EUR-Kredit 2005 sank. Direktor Zöllner wies darauf hin, dass nicht weniger als 43 % aller im Euroraum ausstehenden CHF-Kredite von Österreichs Banken vergeben wurden -hingegen nur 3,1 % aller Kredite. Unternehmen verschuldeten sich 2005 zwar weniger in Fremdwährung, dafür stieg deren Nachfrage nach EUR-Krediten weiter. Die Jahreswachstumsraten lagen bereits seit Mitte 2004 konstant um rund 3 %.

Einlagen nach wie vor wichtiger als Investmentfonds
Laut Direktor Zöllner zeigt ein Vergleich des veranlagten Kapitals von inländischen Nichtbanken in Investmentfonds mit Einlagen, dass nach wie vor das Volumen der Einlagen mit rund 221 Mrd EUR mehr als doppelt so hoch ist wie das von inländischen Nichtbanken in Investmentfonds veranlagte Kapital (99 Mrd EUR). Das Wachstum verlief in den letzten drei Jahren bei Investmentfonds allerdings deutlich dynamischer (+47,4%) als bei Einlagen (15,1%). Bei den in Österreich tätigen Direktbanken war ein starkes Anwachsen der Sichteinlagen festzustellen. Innerhalb des letzten Jahres konnten sie damit in diesem Marktsegment ihren Anteil mehr als verdreifachen (Ende 2005 bei 3,5%).

Einlagen von Deutschen blieben konstant
Der oft zitierte Einlagenzuwachs aus Deutschland Richtung Österreich spiegelt sich laut Direktor Zöllner in den Globaldaten nicht wider. Die Einlagen von deutschen privaten Haushalten blieben während der letzten beiden Jahre bei rund 5 Mrd EUR relativ konstant. Zuwächse gab es hingegen bei Krediten an deutsche Haushalte: Das Kreditvolumen belief sich Ende 2005 auf 2,25 Mrd. EUR, was ein Plus von 0,92 Mrd. EUR seit Ende 2003 bedeutet.

Anzahl der Bankstellen geht zurück
Mag. Dr. Aurel Schubert, Direktor der Hauptabteilung Statistik, resümierte, dass - während Bilanzsumme und Erträge stiegen - die Anzahl der in Österreich tätigen Banken im Laufe der letzten Jahre langsam aber kontinuierlich sank. Ende 2005 waren 880 Hauptanstalten und 4.317 Zweigstellen in Österreich tätig. Die Bankstellendichte ist in Österreich mit 1.586 Einwohner pro Bankstelle allerdings nach wie vor sehr hoch, wobei im Bundesländervergleich insbesondere in Niederösterreich sehr viele Bankstellen pro Einwohner sind. Er wies weiters darauf hin, dass die Anzahl der Banken in einigen Ländern des Euroraums stark abgenommen hat, und dadurch der Anteil der inländischen Kreditinstitute im Euroraum seit 2001 um 1,5 Prozentpunkte auf 13,1% angestiegen ist. Österreich liegt damit bei der Anzahl der Hauptanstalten im Euroraum hinter Deutschland und Frankreich an dritter Stelle.

Detailliertes Informationsmaterial zu dieser Pressekonferenz (Präsentationsfolien, Tabellen) finden Sie auf der OeNB-Homepage (www.oenb.at).

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