Neues Volksblatt: "Notbremse" (von Christian Buchar)

Ausgabe vom 28. März 2006

Linz (OTS) - So ganz ohne druckvolle Einflüsterer aus den eigenen Reihen ist Fritz Verzetnitschs Abgang von der ÖGB-Spitze wohl nicht abgegangen. Tatsächlich war dieser Rückzug für ihn selbst und den gesamten ÖGB eine Art Notbremse, um nach den BAWAG-Unglaublichkeiten ein Mindestmaß an politischer Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit für den ÖGB zu retten.
Das Manöver greift dafür freilich zu kurz. Zu viele Grundsatzfragen, denen man sich bisher verweigert hat, bleiben unverändert aktuell: Die Frage, ob Banken- oder Lotteriengeschäfte wirklich dem Sinn und Wesen einer Gewerkschaft entsprechen? Ob man als umfassende Arbeitnehmervertretung ernst genommen werden kann, wenn man mehr an eine SPÖ-Vorfeldorganisation erinnert? Oder ob es wirklich attraktiv für Arbeitnehmer ist, wenn man den Eindruck gewinnt, dass Funktionärskämpfe um - möglichst rote - Macht, Stichwort Fusionen, intensiver geführt werden als etwa konkrete Überlegungen zu neuen arbeitsrechtlichen Herausforderungen? Im, wohl heftigen, Ringen um die Nachfolge an der ÖGB-Spitze liegt dazu der erste Test. Sein Bestehen ist keinesfalls sicher.

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