"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Rote Hoffnung" (Von Johannes Huber)

Ausgabe vom 28. März 2006

Wien (OTS) - Bei solchen Genossen braucht man keine Feinde mehr, könnte sich SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer am Sonntagabend noch gedacht haben: ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch gab sich im Fernsehen wie ein Sesselkleber. Nach allem, was vorgefallen war, zeigte er sich uneinsichtig: "Warum soll ich gehen?" Gestern war alles anders, Verzetnitsch kam einer "Fristlosen" durch aufgebrachte Gewerkschaftsfunktionäre zuvor, indem er sich aufgrund einer "ganz persönlichen Entscheidung" (Verzetnitsch) verabschiedete.

Die Erleichterung war der ersten Stellungnahme von Alfred Gusenbauer anzumerken. Am liebsten hätte er Verzetnitsch noch mit einem Verdienstkreuz ausgezeichnet: Durch seinen Rücktritt hat er der SPÖ noch mehr Ungemach erspart, als sie wegen der BAWAG-Affäre ohnehin schon hat.
Wäre Verzetnitsch geblieben, die politischen Mitbewerber wären monatelang über ihn hergezogen. Im Hinblick auf die Nationalratswahl wäre das wohl tödlich gewesen.
So aber kann Gusenbauer zumindest hoffen: Nachdem Verzetnitsch gegangen ist, wird es den anderen Parteien möglicherweise schwerer fallen, die BAWAG-Affäre weiter am Köcheln zu halten.

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