Den Katzen nach Russland gefolgt - Kommentar von Thomas Jäkle im neuen economy

Wien (OTS) - Zwei Mio. Katzenbesitzer sind ein Potenzial, an dem nicht einmal eine heimische Boulevardzeitung vorbeikommt. Als das erste Kätzchen unlängst an der Vogelgrippe verstorben war, war der Aufschrei groß - nicht nur auf dem Boulevard. Am ersten Tag hieß es, alle Katzen in Österreich seien todkrank und infiziert. Am zweiten Tag, kaum 24 Stunden später, hieß es sogar, alle Katzen retour ins Tierheim wegen einer drohenden Katzen-Pandemie. Am dritten Tag, Gott sei’s gedankt, kam die Entwarnung: Alle Katzen wieder gesund und auf einmal immun.

Die Gesundheitsministerin selbst ließ die Katze aus dem Sack und entwarnte die Republik. Ein Schelm, wer bei einem derartigen Thema, das ja alle betrifft, an Wahltaktik oder von oben verordnete Volksgesundheit denkt. Wenn Menschen schon nicht viel von der EU halten, dann darf die Katzenverunsicherung ein halbes Jahr vor den Wahlen schon gar nicht aufkommen. In der Wissenschaft kennt man da kein Pardon. Von Entwarnung nicht die Rede, auch wenn Sars, Ebola oder Tuberkulose (noch) viel gefährlicher sind als das H5N1-Vogelgrippe-Virus. Ein vielversprechendes Forschungsprojekt eines Wiener Wissenschaftlers wurde im Vorfeld abgeschmettert. Es ging um Forschung, die einen starken Konnex zur Vogelgrippe hat.

"Ich fühle mich gepflanzt", gibt Hermann Katinger, Forscher mit exzellentem Weltruf in der Viren-Forschung, freimütig zu. Seine Einreichung wurde von der vierköpfigen Jury mit einer Gegenstimme abgeschmettert. Elitäres Know-how sei vorhanden, nur das Geld nicht. Macht nichts. Forscher können ja frei reisen. Nur: Katingers beste Leute laufen davon, zum Beispiel nach Russland. Dort gibt es Geld für die Vogelgrippe-Forschung. Und er selbst denkt auch schon darüber nach, wo man über den Boulevard hinausblickt. Das Kapital bahnt sich seinen Weg - mit und ohne Katzenjammer.

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