KV-Verhandlungen Tourismus: Branche zahlt unterdurchschnittlich

HGPD: Nachtarbeitszuschlag, Fremdsprachenpauschale, Musterdienstzettel müssen neu geregelt werden

Wien (HGPD/ÖGB) - "Nachdem sogar Bundesminister Dr. Bartenstein im Rahmen der EU-Tourismusministerkonferenz erklärt hat, dass die Beschäftigten in der Branche mehr schlecht als recht verdienen, geht es uns vor allem um deren Anteil an den Rekordumsätzen der Branche", erklärte der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske bei einer Pressekonferenz am Montag, 27. März 2006, aus Anlass der Kollektivvertragsverhandlungen für das Hotel- und Gastgewerbe, die vergangenen Freitag begonnen haben. Neben Einkommenssteigerungen fordert die Gewerkschaft, dass Nachtarbeitszuschlag, Fremdsprachenpauschale, Musterdienstzettel neu geregelt werden. ++++

"Eine Rekordmeldung jagt die nächste, ganz egal, ob es um die Wintersaison, den Städtetourismus oder die Beschäftigtenzahlen geht -der Tourismus ist in aller Munde", freute sich Kaske, stellt aber auch die Frage, wer denn eigentlich für diese Erfolge verantwortlich sei: "Historische Größen wie Mozart oder Freud, die Olympiaerfolge unserer Sportlerinnen und Sportler, die für das Schiland Österreich werben, unsere wunderbaren Landschaften oder die zehntausenden touristischen Betriebe tragen sicher ihren Teil zu den hervorragenden Tourismusbilanzen bei. Aber vergessen wir bitte nicht jene, die die Arbeit tun: die 163.644 Beschäftigten in der Branche." Und die verdienen, so der HGPD-Vorsitzende, noch immer um ein Drittel weniger als das österreichische Durchschnittseinkommen: "2004 haben ArbeiterInnen und Angestellte im Durchschnitt 2.105 Euro brutto verdient, im Tourismus 1.429. Dumpinglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen treiben immer mehr hoch qualifizierte und hoch motivierte MitarbeiterInnen aus der Branche."

Daher fordern die GewerkschafterInnen eine Anhebung der Löhne und aller Zulagen, die Jahresremuneration auf Ist-Lohn-Basis, eine Neuregelung des Nachtarbeitszuschlages nach Stunden gestaffelt, eine Neudefinierung der Fremdsprachenpauschale, einen neuen Musterdienstzettel, sowie eine Neuregelung der Verfallsfristen. Außerdem haben sich die Sozialpartner vorgenommen bis 2007 eine neue Definition von Positionen inklusive Löhne zu erarbeiten.

Der HGPD-Vorsitzende sprach sich auch gegen die von den ArbeitgeberInnen gewünschte Sonntagsarbeit von Lehrlingen aus: "Schon jetzt können die Jugendlichen in der Branche jeden zweiten Sonntag im Betrieb stehen, mit Genehmigung des Arbeitsinspektors können sie sogar in der Saison bis zu elf Wochen durchgehend beschäftigt werden. Das muss reichen. Immerhin ist die Arbeit im Hotel- und Gastgewerbe schon jetzt auf Grund von Einkommen und Arbeitsbedingungen für junge Menschen nicht sehr interessant." In einer von der HGPD-Jugend gestarteten Unterschriftenaktion haben sich innerhalb kurzer Zeit 12.000 Menschen gegen die Arbeit an jedem Sonntag ausgesprochen. (kk)

ÖGB, 27. März
2006
Nr. 202

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