Welt-Allergie und Asthma-Tag

Publikumstag am kommenden Samstag im Rathaus

Wien (OTS) - Asthma und chronische Allergien haben bei weitem
nicht jenen gesellschaftlichen Stellenwert, der diesen Erkrankungen auf Grund ihrer Häufigkeit und Schwere zukäme, beklagen Experten auf einer Pressekonferenz der Österreichischen Lungenunion anlässlich des "Welt-Allergie und Asthma-Tages".

"Die chronischen Allergien und Asthma haben stark zugenommen. Daher ist es umso wichtiger, einerseits Aufklärungsarbeit zu verstärken, und andererseits die besten medizinischen Einrichtungen für Allergiker und Asthmatiker anzubieten", sagt Magª. Renate Brauner, Wiens Stadträtin für Gesundheit und Soziales. "In Wien haben wir erfreulicher Weise eine Vielzahl von qualitätsvollen Anlaufstellen".

Rund um die Lunge dreht sich zum Beispiel alles im Wiener Rathaus am Samstag, dem 25. März 2006, dem "Welt-Allergie und Asthma-Tag". Bei freiem Eintritt wird ein attraktives Beratungs- und Informationsprogramm für Betroffene, Eltern und sonstige Interessierte angeboten. Dr. med. Vera Russwurm führt durch das Programm.

Prim. Vetter: Nur jeder fünfte Asthmatiker ist weitgehend beschwerdefrei

Prim. Dr. Norbert Vetter, Leiter des Pulmologischen Zentrums des Krankenhauses Baumgartner Höhe, verweist auf die enorme Dimension des Problems: "Bis zu zehn Prozent unserer Bevölkerung leiden an Asthma bronchiale. Obwohl Betroffene mit mildem und mittelschwerem Asthma bei richtiger Behandlung ein Leben ohne Beeinträchtigungen führen könnten, ist nur jeder fünfte Asthmatiker weitgehend beschwerdefrei."

Internationale Studienergebnisse im Detail:

o 46% aller befragten Asthmatiker zumindest 1x wöchentliche Symptome am Tag angeben, und o 30% wenigstens 1x wöchentlich in der Nacht wegen Atemnot aufwachen, o 30% aller befragten Asthmatiker angaben in den letzten 12 Monaten eine Notfallaufnahme aufgesucht zu haben. o 63% der Befragten angaben in den vergangenen 4 Wochen Notfallmedikamente gebraucht zu haben, 60% davon sogar täglich. o 63% angaben in ihrer körperlichen Aktivität eingeschränkt zu sein, o 17% der Erwachsenen und 43% der Kinder im vergangen Jahr wegen ihrer Erkrankung Arbeitstage oder Schultage versäumt hatten.

Eine Studie der Österreichischen Lungenunion zeigte, dass die Situation in Österreich nicht erfreulicher ist, berichtet Otto Spranger, Sprecher dieser Patientenorganisation: "12% der österreichischen Asthma-Patienten gaben an, jede Nacht wegen Atemnot oder Husten aufzuwachen, mehrmals im Monat wachten 39% unserer Asthma-Patienten auf."

Prim. Vetter: "Sowohl für Ärzte als auch für Patienten gilt:
Wissen fördert Gesundheit! Mediziner brauchen Fort- und Weiterbildung, um ständig up to date zu sein. Patienten brauchen Schulungen, um das Management ihrer Krankheit optimal leisten zu können."

Kinderarzt Prof. Götz: Rund 42.000 Kleinkinder zwischen 2 und 6 Jahren von Asthma betroffen - richtige Diagnose nur bei 50%

Prim. Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz vom Wilhelminenspital in Wien: "Etwa jedes zehnte Kind in Österreich leidet an Asthma, die Dunkelziffer ist hoch." Asthma tritt als die bei Kindern häufigste chronische Erkrankung oft früh im Leben auf und sollte auch früh erkannt werden. Nach Schätzungen der Österreichischen Lungenunion manifestiert sich mehr als die Hälfte aller Asthmaerkrankungen bereits im Kleinkindalter. Experten gehen davon aus, dass in Österreich rund 42.000 Kleinkinder zwischen zwei und sechs Jahren betroffen sind, jedoch nur bei etwa der Hälfte der Kinder auch die richtige Diagnose gestellt wird.

Hier sind vor allem die Eltern aufgefordert, bei entsprechenden Symptomen ihrer Kinder rasch zu reagieren und den Kinderarzt auf die Beschwerden aufmerksam zu machen. Prim. Götz: "Wenn Kinder auffallend oft oder schwer Husten, sollten Eltern immer auch an Asthma denken. Bei rechtzeitiger Erkennung und entsprechend dauerhafter Therapie kann Asthma in bis zu 98 Prozent der Fälle erfolgreich behandelt werden."

Noch besser ist es allerdings, wenn sich die Entstehung von Asthma überhaupt verhindern lässt. In vielen Fällen sind nämlich Allergien die Ursache des Asthma, wobei sich diese Allergien selten von Anfang an als Asthma präsentieren.

Allergien ernst nehmen - bis zu 25 % der Bevölkerung haben Allergien

Prim. Dr. Waltraud Emminger, Leiterin des Allergie-Ambulatoriums Rennweg in Wien, verweist auf die steigenden Zahlen von Allergikern:
"Seit rund drei Jahrzehnten registrieren wir vor allem in industrialisierten Ländern mit Besorgnis eine Zunahme der allergischen Erkrankungen. Wir können heute davon ausgehen, dass mindestens 15, eher aber 20-25% der Bevölkerung an Allergien leiden." Und bei einer immer größer werden Zahl von Menschen mit Heuschnupfen (fachlich korrekt: "allergische Rhinitis") entwickelt sich in der Folge Asthma. Bei 25 bis 40 Prozent aller Heuschnupfen-Patienten besteht die Gefahr dieser Ausweitung von Augen oder Nase in Richtung Lunge.

Neue Antihistaminika mit weniger Nebenwirkungen; Spezifische Immuntherapie

Eine Möglichkeit, allergische Symptome zu behandeln, bieten die Antihistaminika. Prim. Emminger: "Die neuen Generation dieser Medikamente wirkt dem Heuschnupfen entgegen und verursacht dabei deutlich weniger Nebenwirkungen - vor allem Müdigkeit - als ältere Präparate dieser Art."

Eine Toleranzinduktion mit Hilfe der spezifischen Immuntherapie (SIT) stellt zur Zeit die einzige ursächliche Behandlung für inhalative Allergien dar. Prim. Emminger: "In repräsentativen Langzeitstudien konnte sowohl für Erwachsene als auch für Kinder nachgewiesen werden, dass eine frühzeitig eingesetzte Immuntherapie den Übergang vom "Heuschnupfen" zum allergischen Asthma verhindern kann."

Die SIT ist eine effektive Behandlungsform für die besonders häufigen inhalativen Allergien. Die klassischen Indikationen sind die saisonale Rhinokonjunktivitis, also der Heuschnupfen, bzw. das saisonale allergische Asthma sowie bei den ganzjährigen Allergien die Hausstaubmilbenallergie und Schimmelpilzallergien. Tierhaarallergien werden nur in Sonderfällen, also zum Beispiel bei Personen, die beruflich mit Tieren zu tun haben, mit SIT therapiert. Prim. Emminger: "Die Erfolgsraten hängen vom jeweiligen Allergen ab und liegen bei der Insektengiftallergie zwischen 80 bis 90%, bei den saisonalen Allergien zwischen 70 und 80%."

Publikums-Veranstaltung zum "Welt-Allergie und Asthma-Tag", Samstag im Wiener Rathaus (9.30 - 17.00 Uhr)

"Wir haben ein Image-Problem mit der Lunge", sagt Otto Spranger, Sprecher der Österreichischen Lungenunion. "Der Größenordnung des Problems Atemwegserkrankungen steht noch immer nicht die entsprechende Aufmerksamkeit gegenüber." Seit 21 Jahren bringt die Lungenunion Menschen zusammen, die unter Allergien, Asthma oder COPD leiden - und organisiert unter anderem am Samstag, dem 25. März im Wiener Rathaus (Eingang Lichtenfelsgasse) von 9.30 Uhr bis 17 Uhr unter der Moderation von Dr. med. Vera Russwurm eine Publikumsveranstaltung zum Welt-Allergie und Asthma-Tag statt. (Eintritt frei)

Information im Film: 8 Sequenzen zur Bewältigung des täglichen Lebens mit Asthma

Davon, wie es sich mit Asthma lebt, erzählt ein im Auftrag der EFA in Österreich produzierter Film. Es ist ein Film in acht Sequenzen zur Bewältigung des täglichen Lebens mit Asthma. Es geht dabei nicht um medizinische Information, sondern um den Alltag, das Verhalten am Arbeitsplatz, Sport, oder die Besuche beim Arzt.

Lungenunion-Sprecher Spranger: "Der Film wird jetzt den Mitgliedsorganisationen angeboten und soll für die Patientenschulung eingesetzt werden. Diese Schulung ist wichtig, weil sich viele Betroffene auf Grund der Variabilität der Erkrankung nicht mehr für das Thema Asthma interessieren, sobald es ihnen besser geht. Das ist aber ein verhängnisvolles Ignorieren der Realität, da die chronische Krankheit ja weiterhin vorhanden ist."

Eine der insgesamt acht Sequenzen wird im Rahmen der Pressekonferenz zu sehen sein. (Schluss) brc

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