AK-Kalliauer: Steuerlast verschiebt sich immer mehr in Richtung Arbeitnehmer/-innen

Linz (OTS) - Für Unternehmen wird Österreich zusehends zum Steuerparadies, die Arbeitnehmer/-innen zahlen drauf: Das Lohnsteueraufkommen wird trotz Steuerreform weiter steigen, das Aufkommen an Körperschaftssteuer dagegen sinken. "Das muss sich ändern", fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. "Wir brauchen mehr Geld in den Taschen der Arbeitnehmer. Das kurbelt die Kaufkraft an, belebt die Wirtschaft und bringt Arbeitsplätze."

Mit ihren Steuern finanzieren die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen immer größeren Teil der Staatsaufgaben und öffentlichen Dienstleistungen. Ihr Anteil am gesamten Steueraufkommen steigt ständig: Selbst die hochgejubelte Steuerreform ändert nichts daran, dass das Lohnsteueraufkommen heuer um 22 Prozent höher sein wird als im Jahr 2000, das Aufkommen an Körperschaftsteuer (Köst) -trotz prächtiger Gewinne der Großunternehmen - aber um 2,6 Prozent niedriger. Und die Schere wird sich weiter öffnen, wenn die Senkung des Köst-Steuersatzes mit den Steuerbescheiden in den nächsten Jahren voll durchschlagen wird.

Wie wenig Steuern gutgehende Unternehmen in Österreich manchmal zahlen, zeigen zwei Beispiele: Bei 116 Millionen Euro Gewinn entrichtet Shell Austria gerade sechs Millionen Euro oder 5,23 Prozent Steuern, die Schiedel Kaminwerke liefern bei 41 Millionen Euro Gewinn gar nur 0,12 Prozent oder nicht einmal 50.000 Euro beim Finanzamt ab.

Zusätzlich gibt es in Österreich - wie eine aktuelle Auswertung von Eurostat zeigt - ein deutliches Ungleichgewicht bei der Belastung von Arbeit und Kapital (sämtliche Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, die von der gesamten Lohn- und Gehaltssumme bzw. von allen Gewinn- und Kapitaleinkommen in Österreich bezahlt wurden). Die Abgabenbelastung liegt beim Faktor Arbeit mit 40,5 Prozent deutlich über jener des Faktors Kapital mit 22,6 Prozent. Seit 1995 ist die Belastung von Arbeit um zwei Prozentpunkte gestiegen, jene von Kapital um 3,4 Prozentpunkte gesunken!

Beim Faktor Arbeit liegen wir EU-weit an achter Stelle und über dem Durchschnitt, beim Faktor Kapital an 14. Stelle und kräftig unter dem Durchschnitt. Die Differenz zwischen der Belastung von Arbeit und jener von Kapital beträgt in Österreich 17,9 Prozent, in Durchschnitt der EU-15 nur neun Prozent!

"Eine Entlastung der Arbeitnehmer-Einkommen ist dringend notwendig und zur Stärkung der Massenkaufkraft auch unverzichtbar", sagt der AK-Präsident und fordert auch die Rücknahme der Steuervorteile für Großkonzerne, insbesondere der Gruppenbesteuerung, die es ermöglicht, Verluste ausländischer Tochterunternehmen in Österreich bei der Besteuerung der Gewinne anzurechnen. Kalliauer will aber auch den Faktor Arbeit entlastet sehen und schlägt vor, Sozialabgaben von der gesamten Wertschöpfung zu berechnen. "Ein wesentlicher Schritt aber wäre es, die Gewinnbesteuerung europaweit zu harmonisieren anstatt Steuerdumping zu forcieren", meint Präsident Kalliauer.

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