Neue Impfungen für Kinder und Erwachsene

Bald Impfstoff gegen Gürtelrose!

Wien (OTS) - Der Impfstoffmarkt ist in Bewegung: Ab April dieses Jahres können Säuglinge gegen Rotaviren (verursachen lebensbedrohlichen Durchfall) geimpft werden. Noch heuer soll die erste Krebsimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs auf den Markt kommen. 2007 wird die EU-weite Zulassung eines Impfstoffes gegen die schmerzhafte Gürtelrose erwartet. Ein neues Impfstoffmodell gegen FSME (Zecken) und in weiterer Folge gegen die stark um sich greifenden Infektionskrankheiten Dengue-Fieber und West-Nil-Virus wurde bereits erfolgreich an Mäusen getestet. Österreichs Apotheken unterstützen auch heuer wieder diverse Impfaktionen.

In Österreich werden jährlich geschätzte 3 Millionen Schutzimpfungen verabreicht. Tendenz steigend. Bereits in den vergangenen Jahrzehnten haben Schutzimpfungen erfolgreich gegen Infektionskrankheiten angekämpft und enorme Summen für das Gesundheitssystem eingespart. In Zukunft können noch mehr Menschenleben durch Impfungen gerettet werden. Heuer kommen neue, sensationelle Impfstoffe auf den Markt, die gegen gefährliche Krankheiten ankämpfen.

Neuer Impfstoff gegen schwere Durchfallerkrankung bei Kindern

Ab April steht in Österreich eine Impfung gegen Rotaviren zur Verfügung. Rotaviren sind die häufigste Ursache für starke Durchfälle mit lebensbedrohlichem Flüssigkeitsverlust bei Säuglingen. Jahr für Jahr werden zwischen 3.000 und 4.500 Kleinkinder unter 3 Jahre wegen Folgen einer solchen Infektion in Österreichs Spitälern aufgenommen. Todesfälle sind dank der guten medizinischen Versorgung in Österreich sehr selten. Zwei neue Impfstoffe gegen Rotaviren verringern die Zahl schwerer Krankheitsverläufe um zirka 85 Prozent, die leichteren um mindestens 70 Prozent. "Wir haben die neue Schluckimpfung gegen Rotaviren in den Impfplan aufgenommen und empfehlen sie für alle Kinder ab der fünften Lebenswoche", sagt Univ.Prof. Dr. Ingomar Mutz, Kinderarzt und Vorsitzender des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates. Mutz: "Es wäre wünschenswert, diese neue Impfung in das von der öffentlichen Hand finanzierte Impfkonzept aufzunehmen."

Erster Impfstoff gegen Krebs

In der EU sterben jährlich 14.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Jedes Jahr kommen rund 33.000 neue Krankheitsfälle hinzu. Damit ist Gebärmutterhalskrebs die zweithäufigste Krebstodesursache bei jungen Frauen. Verhindert werden können die krebserregenden humanen Papillomaviren (HPV) aber nur durch Prävention - und die lässt vermutlich nicht mehr lange auf sich warten. Ende 2006 kommt ein neuer Impfstoff auf den Markt, der vor vier verschiedenen HPV-Typen schützt. Mutz: "Der Papillomavirus-Impfstoff ist der erste Impfstoff zur Krebsvorbeugung. Er könnte viele Menschenleben retten."

Bald Impfung gegen Gürtelrose

Ältere Mitmenschen werden sich freuen zu hören, dass Herpes Zoster - besser bekannt unter dem landläufigen Namen "Gürtelrose" - bald teilweise verhindert beziehungsweise dessen schmerzhafte Folgen dramatisch reduziert werden können. Herpes Zoster ist eine weit verbreitete Krankheit. "Charakteristisch sind ein Hautausschlag und einseitige, oft sehr heftige Schmerzen. Sowohl Häufigkeit als auch Schmerzausmaß der Erkrankung nehmen im Alter zu", sagt Ao. Univ. Prof. Dr. Heidemarie Holzmann vom Klinischen Institut für Virologie.

Grundsätzlich kann Gürtelrose bei jedem plötzlich auftreten, der einmal Windpocken hatte. In Österreich erkranken jährlich rund 40.000 Menschen an Gürtelrose. Mehr als die Hälfte aller Gürtelrose-Patienten sind über 60 Jahre alt. In einer groß angelegten Studie wurde erstmals ein Impfstoff gegen Herpes Zoster an 38.500 Männern und Frauen getestet. Er schützt zwar nicht zu 100 Prozent vor dieser Krankheit, erzielt allerdings sensationelle Ergebnisse: In 51 Prozent der Fälle konnte das Auftreten von Herpes Zoster verhindert werden, in 61 Prozent der Fälle wurden die Schmerzen und die unangenehmen Begleiterscheinungen reduziert und in 67 Prozent konnten die nachfolgenden Nervenschmerzen, die nicht selten jahrelang dauern, deutlich gesenkt werden. Der Impfstoff - er befindet sich gerade im EU-weiten Zulassungsverfahren - soll 2007 auf den Markt kommen.

Im Labor: Impfstoff gegen FSME, Dengue-Fieber und West-Nil-Virus

Die Infektionskrankheiten FSME (Zecken), Dengue-Fieber und West-Nil-Virus haben eines gemeinsam: Ihre Krankheitserreger gehören ein und derselben Virengruppe an, der Gruppe der Flaviviren. Lebend-und Totimpfstoffe gegen einige Flaviviren sind bereits in Verwendung, darunter der Totimpfstoff gegen FSME. Für Dengue-Fieber und West-Nil-Fieber, die sich beide aggressiv ausbreiten, sind noch keine Impfstoffe verfügbar. Dengue-Viren rufen jährlich bis zu 100 Millionen Krankheitsfälle hervor, von denen rund fünf Prozent tödlich enden. Das West-Nil-Virus ist 1999, also vor sieben Jahren, in die USA eingeschleppt worden und hat dort bereits über 100 Todesfälle verursacht.

Am Institut für Virologie der Medizinischen Universität Wien wurde nun ein neues Impfstoffprinzip entwickelt, das neben FSME auch als innovatives Impfmodell die gefährlichen Infektionskrankheiten Dengue-Fieber und West-Nil-Virus bekämpfen könnte. Das neue Impfstoffmodell, "RNA-Replikon" genannt, ist ein Gen-Vakzin, das die Vorteile von Lebens- und Totimpfstoffen verbindet und bereits erfolgreich an Labor-Mäusen erprobt wurde. Ao. Univ.-Prof. Dr. Christian W. Mandl, Stellvertretender Institutsvorstand des Klinischen Instituts für Virologie: "Wir hoffen, dass trotz des großen finanziellen Bedarfs und mancher struktureller Hürden diese neuen Impfstoffe den Weg in die klinische Erprobung finden werden."

Impfen: Gesund, ökonomisch, einfach

Am 25. März 2006 findet in Salzburg der 15. Österreichische Impftag statt, an dem rund 1000 Ärzte und Apotheker über neue Impfstoffe, neue Impfempfehlungen und aktuelle Trends diskutieren werden. Die Veranstalter - das Österreichische Grüne Kreuz für Vorsorgemedizin, die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, die Österreichische Ärztekammer und die Österreichische Apothekerkammer - appellieren an die österreichischen Gesundheitsbehörden, Schutzimpfungen großzügig und stärker als bisher zu unterstützen.

Zentrale Rolle der Apotheken

Apothekerinnen und Apotheker haben bei der Information über die Notwendigkeit von Impfungen schon immer eine zentrale Rolle gespielt. "Schutzimpfungen sind die wirksamste und kostengünstigste Vorsorgemaßnahme", sagt Mag.pharm. Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer. "Wir Apotheker sehen es als gesundheitspolitische Aufgabe, über Impfstoffe umfassend zu informieren und Impfaktionen zu unterstützen." So läuft zum Beispiel von Anfang April bis Ende Mai eine Impfaktion für Hepatitis A und A+B. Von Anfang Jänner bis Ende Juli findet eine Impfaktion für FSME statt, und Influenza und Pneumokokken haben im Herbst ihre Schwerpunkt-Aktionen.

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