3.670 Euro - 3 St. Pöltner Jugendliche in der Fitness-Schnupper-Falle

Wien (AKNÖ) - Peter*, Maria* und Julia*, 3 Jugendliche aus dem
Raum St. Pölten haben eines gemeinsam: Sie sind eine Mitgliedschaft bei einem großen Fitness-Studio eingegangen - obwohl sie sich die monatlichen Raten eigentlich nicht leisten konnten. Immer wieder werden gerade Jugendliche Opfer dieser Praxis. Daher warnen die AKNÖ-Konsumentenschützer: Ist der Vertrag einmal unterschrieben, ist er sofort rechtswirksam und den Konsumenten steht kein Rücktrittsrecht zu.

Peter*, Maria* und Julia* sind in die typische Fitnessfalle getappt:
Durch ein Schnuppertraining angelockt, sind sie eine Mitgliedschaft in einem großen Fitnesscenter eingegangen. Und das, obwohl sie nicht über das nötige Geld verfügten. "Seitens der Fitness-Studios wird nicht geprüft, ob sich der Kunde die Zahlungen leisten kann! Das ist vielen Studiobetreibern letztlich auch egal. Denn der Kunde ist nach Vertragsunterzeichnung dazu verpflichtet, die monatlichen Beträge bis zum Vertragsende zu bezahlen - auch wenn er erkennt, dass die monatlichen Zahlungen seinen finanziellen Rahmen sprengen", meint Mag. Martina Pachali, Konsumentenberaterin in der NÖ Arbeiterkammer. Peter, Maria und Julia hörten mit dem Training auf, dass die Zahlungspflicht trotzdem aufrecht blieb, wussten die Jugendlichen nicht. Umso größer war der Schrecken, als eine Zahlungsaufforderung samt Klagsandrohung vom Rechtsanwalt ins Haus flatterte: Demnach hätten Peter 907,26 Euro, Maria 1.262,59 Euro und Julia 1.497,82 Euro bezahlen müssen. Die drei Jugendlichen wandten sich an die Konsumentenberater der NÖ Arbeiterkammer, die in ihrem Fall intervenierten. Dazu Martina Pachali: "Erst nach langen und zähen Verhandlungen konnten wir erreichen, dass diese Jugendlichen kostenlos aus dem Vertrag aussteigen konnten. Und das nur, weil sie zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses minderjährig waren und über kein eigenes Einkommen verfügten."

Unverständliche Kündigungsbedingungen Immer wieder werden die AK-KonsumentenberaterInnen mit derartigen Fällen konfrontiert. Selbst Juristen kommen manchmal beim Durchschauen der Kündigungsbedingungen ins Schwitzen. Martina Pachali führt als Beispiel ein besonderes Schmankerl an: "Jedes Mitglied kann seine Mitgliedschaft ausschließlich zum 31.3.,30.6., 30.9. und 31.12. eines Kalenderjahres unter Einhaltung der jeweils beim Erwerb der Mitgliedschaft vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist im Ausmaß von 18, 12, 6 und 3 Monaten aufkündigen." Die AK-Juristin rät daher, sich vor Vertragunterzeichnung die Vertragsbedingungen genau anzusehen. Finden sich im Vertrag unverständliche Kündigungsbedingungen, sollte der Konsument darauf bestehen, dass diese in verständlicher Weise am Vertrag festgehalten werden. Weigert sich der Studiobetreiber auf dieses Anliegen einzugehen, ist zu empfehlen, bei einem anderen Studio sein Glück zu versuchen.

Rechtswidrige Vertragsbedingungen Immer wieder werden die Konsumentenschützer auch mit rechtswidrigen Klauseln konfrontiert. Zum Beispiel wurde die Dauer der Mitgliedschaft vertraglich auf 12 Monate festgelegt, doch in den Vertragsbedingungen findet sich dann folgender Passus: "Die Mitgliedschaft verlängert sich stillschweigend jeweils um die vereinbarte Dauer falls keine Kündigung erfolgt. Die Kündigung hat schriftlich zu erfolgen. Die Kündigungsfrist beträgt 1 Monat zum Ablauf des ursprünglich festgelegten Zeitraumes." Solche Klauseln, die eine stillschweigende Verlängerung des Vertrages vorsehen, sind allerdings rechtswidrig. Der Unternehmer muss nämlich den Konsumenten vor Ablauf des Vertrages schriftlich darauf hinweisen, dass sich dieser automatisch verlängert. Dass diese automatische Verlängerung nur in den Vertragsbedingungen vermerkt ist, ist nicht ausreichend. Aus jahrelanger Erfahrung wissen aber die Konsumentenberater, dass dieser Hinweis nur bei den wenigsten Fitnessstudios erfolgt und die automatische Verlängerung Praxis ist.

Gratistraining als Köder Wie im Fall der drei Jugendlichen werden oftmals Gutscheine für ein Gratis- oder Schnuppertraining z.B. in Einkaufszentren verteilt. Doch ist der Konsument erst einmal im Fitness-Studio, sitzt er womöglich auch schon in der Falle. Denn häufig wird versucht, ihn zum Abschluss eines ein- oder mehrjährigen Vertrages zu überreden, ohne dass er das Gratistraining überhaupt ausprobiert hat. Doch Vorsicht! - Dennoch ist der unterschriebene Vertrag sofort rechtswirksam und dem Konsumenten steht kein Rücktrittsrecht zu.

Tipps vor Vertragsabschluss Abschließend haben die AKNÖ-Experten die wichtigsten Tipps zusammengefasst, damit Konsumenten nicht mehr in die Fitness-Falle tappen:

  • Bevor Sie längerfristige Verträge unterschreiben, bestehen Sie auf ein Schnuppertraining. Probieren Sie in Ruhe aus, ob das Studio das richtige für Sie ist. Bedenken Sie die Öffnungszeiten, die Entfernung, die Geräteausstattung, die Betreuung etc.
  • Nehmen Sie sich Zeit zum Lesen des Vertrages - oft finden sich versteckte Kosten wie z.B. eine Trainerpauschale, Beratungsgebühren, extra Solariumkosten etc.
  • Leisten Sie keine zu großen Vorauszahlungen! Wenn Sie die Jahresgebühr im voraus bezahlen, wird es umso schwieriger, das Geld wiederzubekommen, wenn das Fitnessstudio zusperrt oder in Konkurs geht.
  • Lassen Sie sich Sonderkündigungsmöglichkeiten bei Krankheit oder Wohnungswechsel schriftlich am Vertrag bestätigen.
  • Achten Sie bei befristeten Verträgen darauf, dass Klauseln gestrichen werden, die eine automatische Verlängerung vorsehen.
  • Stellen Sie von Anfang an klar, dass mitgenommene Speisen und Getränke konsumiert werden dürfen.
  • Wollen Sie den Vertrag nicht verlängern, dann sollte die Kündigung unbedingt mittels eingeschriebenen Briefes erfolgen. Nur so können Sie beweisen, dass Sie fristgerecht gekündigt haben.

* Namen geändert

Rückfragehinweis: AKNÖ-Konsumentenberatung, Dr. Eva Schreiber, 05 7171 - 1323

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