"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Prüfungsangst" (Von IRENE HEISZ)

Ausgabe vom 23. März 2006

Innsbruck (OTS) - Ein PISA-Test für Lehrer? Das klingt nach der verlockenden Aussicht, eine Heerschar von Sündenböcken für das mittelmäßige Abschneiden Österreichs beim jüngsten PISA-Test namhaft zu machen. Allerdings steht eine derartige Prüfung der Prüfer gar nicht zur Debatte.

Worüber eigentlich diskutiert wird, ist eine "International Survey of Teachers, Teaching and Learning" (ISTTL). Das bedeutet so viel wie eine Begutachtung der Lehrer, der Lehre und des Lernens aus Sicht der betroffenen Pädagogen. Sie selbst sollen Auskunft über ihre Unterrichtsmethoden, Arbeitsbedingungen und Karriereverläufe geben.

In der Wirtschaft spricht man von Evaluierung oder Qualitätsmanagment. Oder demonstrativ selbstbewusst von Qualitätssicherung. Was spricht dagegen, an einer von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführten Studie zur Steigerung oder Sicherung der Qualität des Schulwesens teilzunehmen? Nichts!

Wer über Lippenbekenntnisse hinaus interessiert ist, die Schule als Ort zu gestalten, an dem Kinder auf das Leben vorbereitet werden - und zwar von Erwachsenen, die sich in ihrem Arbeitsleben wohl und ihren komplexen Aufgaben gewachsen fühlen -, dem kann eine Sammlung wissenschaftlich objektivierbarer Daten nur recht sein. Und dass die Lehrerstudie ermöglichen wird, das Lehrerleben in unterschiedlichen Schulsystemen zu vergleichen, macht sie umso wertvoller.

Problematisch ist, dass ein internationaler Vergleich fast zwangsläufig in eine Art von Reihung ausartet. Das hat man bei PISA gesehen und wird bei ISTTL nicht anders sein. Grund zur Sorge besteht für die Lehrer dennoch nicht. Sie haben schließlich Übung darin, von sich selbst abzulenken. Oder gibt es jemanden, der als Kind nicht in dem Irrglauben gehalten wurde, der Schulinspektor sei da, um die Schüler zu prüfen?

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