Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: Man will guter Dinge sein (von Claudia Grabner)

Ausgabe 23. März 2006

Klagenfurt (OTS) - Die Leistungsfähigkeit der EU-Spitzenpolitik
ist bemerkenswert. Die überlebensrelevanten Fragen Europas in zwei Tagen zu diskutieren, verlangt Übermenschlichkeit. Für die Regierungschefs allerdings ein Klacks: Zwei Tage für Energiefragen, Arbeitslosigkeit, Finanzen? Nicht doch. Es reicht, um 17 Uhr mit Smalltalk und Abendessen zu beginnen, um tags darauf beim Mittagsmahl die existenziellen Gespräche locker ausklingen zu lassen. Na bumm. Da kann unsereins nur staunen.
Staunendes Entsetzen dann, wenn sich die EU-Spitze nach ihrem Schaffensdrang wieder den Niederungen ihrer heimatlichen Politik stellt - und bemerkt: Keine Spur von dem, was man sich bei diversen "Intensiv-Gipfeln" einst selbst verordnet hat. Schaffung von Arbeitsplätzen, Reduzierung des CO2-Ausstoßes, Sicherung der Pensionen - nichts hat den Weg von ankündigungsschwangerer Gipfel-Euphorik nach Hause gefunden. Die Vorhaben sind so schnell verpufft, wie die Buffetköstlichkeiten verdaut waren.
Man muss nicht Pessimist sein, um zu behaupten: Der Gipfel unter Österreich-Vorsitz wird um keinen Deut besser sein. In Sachen Zweckoptimismus hat sich das rot-weiß-rote Team jedenfalls schon warmgelaufen und angesichts der demographisch bedingten Pensionskatastrophe erklärt: "Keine Gefahr in Österreich!" Richtig -im Herbst wird gewählt. Da will man guter Dinge sein ...

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