Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Hat Toleranz Grenzen?

Das ist schon eine seltsame Diskrepanz: In vielen islamischen Ländern - nicht nur in Afghanistan! - wird der Abfall vom Glauben schwer bestraft. In Europa aber sind Bischöfe dagegen, dass man Einbürgerungswillige auch nur danach fragt, ob sie etwa die Gleichberechtigung der Frau akzeptieren.

Gewiss: Auch manche christliche Fürsten zeigten noch bis ins 18. Jahrhundert null Toleranz, wenn jemand vom alleinseligmachenden Glauben abfiel. Aber wer im 21. Jahrhundert mit islamischen Exponenten einen gleichberechtigten Dialog führen will, ohne dass sich diese davor von jenen Glaubenszwang distanzieren, der ist mehr als naiv. Der ist im Grund bereit, den gesamten Fortschritt seit der Aufklärung aufs Spiel zu setzen.

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"Wir werden Gespräche führen. Und dann werden wir schauen." So Bürgermeister Michael Häupl zu der nach der Schneeschmelze unerträglich gewordenen Hundekot-Plage in Wien. Aus dem Politikerisch ins Deutsche übersetzt, heißt das: "Ich bin doch nicht blöd, Menschen zu bestrafen, die durch Verschmutzung und Hundelärm die Umwelt terrorisieren. Die wählen uns ja dann nicht mehr."

Ganz ähnliche Ausflüchte hat man schon von früheren Bürgermeistern auf die Frage gehört, warum keine Stadt so unter Hunden leidet wie Wien. Auch alle anderen Parteien schweigen betreten. Weder Rathaus noch Parteien sind willens und fähig, diese Probleme zu lösen und die Einhaltung der Gesetze sicherzustellen. Ihr einziger Lebenszweck ist das Maximieren von Stimmen.
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Journalisten sollten nicht über andere Journalisten herziehen. Das klingt nur nach Konkurrenzneid. Aber der auflagengeile Zynismus, mit dem "Krone", "Kurier" sowie die "Kleine Zeitung" die beiden des Kindesmords angeklagten Steirer mit Bild und Namen in die Öffentlichkeit stellen, ist unerträglich. Er ist nicht nur eine Verletzung des Medienrechts, sondern auch eine Wiedereinführung des mittelalterlichen Prangers. Den es bei uns nicht einmal für so schreckliche Verbrechen gibt.

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