"Tiroler Tageszeitung" Kommentar:"Der Damm bricht" (Von GABI STARCK)

Ausgabe vom 22. März 2006

Innsbruck (OTS) - Wir wollen dem Inn wieder mehr Raum geben - im Sinne des Hochwasserschutzes. Mit dieser Aussage lassen die Regierungsmitglieder Anna Hosp und Hannes Bodner aufhorchen. Dass sich die Naturschutzreferentin und der für Wasserwirtschaft zuständige Landesrat gemeinsam so dezidiert für Überflutungsflächen und Rückbauten am Inn aussprechen, ist ein wenig mehr als nur eine politische Sonntagsrede zum Tag des Wassers.

Diese Ansage ist auch eine Ohrfeige für einen Regierungskollegen aus den eigenen Parteireihen: Anton Steixner. Der - wohlgemerkt für Katastrophenschutz zuständige - Landesrat hatte vergangene Woche in der TT gemeint, Grund und Boden im Inntal wären zu wertvoll, um davon etwas dem Fluss zurückzugeben. Stattdessen setze er auf neue Stauseen als Rückhaltebecken.

Damit mag er zwar vordergründig der Regierungslinie entsprochen haben, die ab und zu den Eindruck vermittelt, neue Kraftwerke seien ein Allheilmittel für alles. Wohlgemerkt: Natürlich tragen Speicherseen - im Ernstfall richtig eingesetzt - dazu bei, das Überflutungsrisiko zu verringern. Trotzdem: In diesem Fall dürfte Steixner einfach landwirtschaftliche Interessen vor den Katastrophenschutz gestellt haben. Denn die Bauern wären ja die Hauptbetroffenen bei Rückbaumaßnahmen. Nur dürfte diese Einstellung die Hochwasseropfer - etwa in Wörgl - wenig freuen. Ihnen hätten Überflutungsflächen am Inn vergangenen August einiges ersparen können.

Um für die nächste Flut gerüstet zu sein, muss das Land den Worten jedenfalls Taten folgen lassen. Die geeigneten Flächen haben Hosp und Bodner bereits genannt. Umso rascher sollten sie in intensive Gespräche mit den Gemeinden und Grundeigentümern treten. Denn ohne deren Einverständnis und ohne Ausgleichsangebote werden die Schutzdämme schneller wieder brechen als die Dämme der Ablehnung.

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