Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Fernsehen bildet

Wien (OTS) - Er ist ja nur ein einfaches Arbö-Mitglied. Und sonst hat die SPÖ rein gar nichts mit dem zum wilden Selbstbedienungsladen degenerierten Autofahrer-Klub zu tun. Das versuchte uns Alfred Gusenbauer via ORF zu vermitteln. Warum aber der Arbö dann Delegierte in hohe SPÖ-Gremien entsendet, hat er uns leider nicht verraten. Freilich: Woher soll ein einfaches Mitglied das auch wissen?

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Ein anderer unglaublicher Fernsehauftritt liegt schon etliche Zeit zurück, wurde aber durch eine neue Debatte ins Gedächtnis gerufen. Da wurde ein Polizist befragt, warum er denn nichts unternehme, obwohl Hundebesitzer ständig eklatant gegen Gesetze verstoßen. Die Antwort des wackeren Uniformträgers vor laufender Kamera: Er sei doch nicht blöd, sich mit der Kronenzeitung anzulegen, die dann bös über die Polizei schreiben würde.
Womit die geheime Grundregel der Republik enthüllt war, die nicht einmal die Juristen lernen. Denn niemand sagt ihnen, dass es im Stufenbau des Rechts über Verordnungen, Gesetzen, Verfassung noch eine alleroberste Stufe gibt: die Krone.

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Um beim ORF zu bleiben: Es ist schlicht skandalös, dass der öffentliche Rundfunk seinen Mega-stars wie Russwurm oder Assinger Fernsehwerbung erlaubt. Soll damit den Zusehern die Botschaft vermittelt werden: Alles ist käuflich?

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Nicht werben dürfen hingegen ZiB-Redakteure. Dafür aber dürfen sie abenteuerliche Unsinnigkeiten verzapfen. So hat jetzt einer (samt Grafik) suggeriert, die neuen französischen Kündigungsbestimmungen für Unter-26-Jährige wären strenger als österreichische Regeln. Damit wurde gleich klargemacht, wie unmenschlich die französische Rechtsregierung sei. In Wahrheit darf in Österreich bis auf Behinderte und Lehrlinge (und um die geht es in Frankreich nur am Rande) jeder Unter-50-Jährige ohne Grund gekündigt werden. So ein Unsinn kommt halt heraus, wenn man einzig einen Arbeiterkammer-"Experten" interviewt.

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