EU-Frühjahrsgipfel: 72 Millionen Menschen in Europa armutsgefährdet!

Armutskonferenz warnt Regierungschefs, soziale Fragen als drittrangig zu behandeln. Armutsbetroffene bilden bereits zweitgrößtes Land in der EU.

Wien (OTS) - 72 Millionen Menschen (16% der Bevölkerung) sind in Europa armutsgefährdet", fordert DIE ARMUTSKONFERENZ die österreichische EU-Präsidentschaft auf, die Initiative der europaweiten Aktionspläne gegen Armut zu stärken. "Die Betroffen bilden bereits das zweitgrößte Land in der EU".

"Wirksame Instrumente sozialer Sicherung müssen gestärkt werden", so das österreichische Anti-Armutsnetzwerk. "Sämtliche Instrumente der sozialen Sicherung reduzieren die Armutsgefährdung in Europa von 40 auf 16 Prozent. Am stärksten armutsreduzierend wirken die Sozialsysteme in Dänemark, Schweden, Tschechien und Finnland.*

*) Eurostat

Drei Säulen tragen Haus Europa

Das zeigt, dass die Instrumente sozialer Sicherung Armut massiv reduzieren können. DIE ARMUTSKONFERENZ fordert die österreichische Präsidentschaft auf, am EU-Frühjahrsgipfel die "dritte Säule der Lissabonstrategie zu stärken". "Drei Säulen sollten das Haus Europas tragen.", erinnert die Armutskonferenz die europäischen Regierungschefs an ihre eigenen Beschlüsse: Die Säule eins "Wachstum", die Säule zwei "Jobs" und die dritte Säule "Sozialer Zusammenhalt".

"Zwei Säulen allein werden das Haus Europa nicht tragen."; warnt die Armutskonferenz davor, soziale Fragen als drittrangig zu behandeln.

Reduzierung des Krankheitsrisikos, existenzsichernde Arbeitslosenleistungen

"Halbierung der Sockelarmut, Reduzierung des Krankheitsrisikos Armutsbetroffener um 25%, Hebung der Bildungsabschlüsse von Kindern aus ärmeren Familien, existenzsichernde Arbeitslosenleistungen wie in Dänemark, Reduzierung der working poor in Österreich", zählt die Armutskonferenz die dringlichsten Ziele auf.
Im Jahr 2010 soll ein Europäisches Jahr zur Armutsbekämpfung ausgerufen werden. Bis dahin müssen die europäischen Mitgliedsländer in ihren nationalen Aktionsplänen gegen Armut konkrete Ziele zur Reduzierung von Armut erfüllen.

Die dritte Säule "Sozialer Zusammenhalt" ist nicht ersetzbar. Sie umfasst soziale Aufstiegschancen, sie befasst sich mit Menschen am Rand der Gesellschaft, sie wirkt präventiv, damit nicht ganze Personengruppen als "überflüssig" abgelegt werden. Sie ist lebensweltlich und ganzheitlich orientiert: es geht um Wohnen, um Architektur, um regionale Entwicklung, um Gesundheit, um Schutz vor Diskriminierung, um soziale Dienstleistungen vor Ort, die für sozial Schwache offen sind.

Das Papier, das den Regierungschefs am EU-Gipfel als Leitlinie für die bis September 2006 zu erstellenden Aktionspläne gegen Armut vorliegt, fordert "sicherzustellen, dass alle zu den grundlegenden Ressourcen, Rechten und Dienstleistungen Zugang haben, der Voraussetzung ist für die gesellschaftliche Teilhabe. Dabei ist gegen Formen der Ausgrenzung und alle Formen von zu Ausgrenzung führender Diskriminierung vorzugehen".

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