Alternativen zum Nachwuchs für alle

"Kinderlos, na und?"-Autorin Kofler: "Die Rechnung Kinder um

Wien (OTS) - jeden Preis für die Rettung des Sozialstaates geht nicht auf" =

Weniger Rente für Kinderlose fordern

Familienpolitiker in Deutschland. Eine "breite Allianz für Ehe und

Familie" wünscht sich die österreichische Bischofskonferenz. Und kaum

ein Tag vergeht, an dem nicht PolitikerInnen aller Couleurs neue

Vorschläge für Kinderged&Co präsentieren oder die Vereinbarkeit von

Familie und Beruf fordern. Allgemeiner Tenor: Viel mehr Kinder

braucht das Land. Braucht es sie wirklich? Und hängt die Zukunft des

Sozialstaates - ebenso wie individuelles Frauenglück - wirklich vom

Nachwuchs aus eigen Fleisch und Blut ab?

"Wer Kinderlose bestrafen will oder auf andere Weise hartnäckig

die Staatsbürgerinnenpflicht zur Vermehrung einfordert, agiert

bestenfalls populistisch, kann aber nicht ersthaft an der Zukunft des

Sozialstaates interessiert sein", sagt Birgit Kofler in ihrem soeben

im Wiener Orac Verlag erschienenen Buch "Kinderlos, na und?". "Die

meist kontinuierlich berufstätigen kinderlosen Frauen konsumieren im

Laufe ihres aktiven Lebens weniger Sozialleistungen, sie zahlen

überdurchschnittlich viel Setuern und Sozialabgaben und finanzieren

überdurchschnittlich stark die derzeitigen Pensionsabgaben. Sie

bezuschussen Schulen, Universitäten und Lehrlingsprogramme, mit denen

anderer Leute Kinder zu hoffentlich produktiven Arbeitskräften

werden. Und das soll kein Beitrag zum Generationenvertrag sein?"

Nicht die Lebensform der Kinderlosigkeit sei es, die

Finanzierungsprobleme bringe, sondern jahrelanger Kreativitätsmangel

in Sachen Sozialstaatsfinanzierung, auf die politische

Diskreditierung der Kinderlosigkeit keine geeignete Antwort sei:

"Wenn alle kinderlosen Frauen sich zu Kindern und in die Küche

zurückziehen würden, geriete der moderne Sozialstaat erst richtig ins

Wanken", sagt die in Wien lebende Journalistin und Autorin, früher

Diplomatin und Kabinettchefin im Gesundheitsminsiterium."Es löst rein

gar nichts, die Probleme auf die Ebene der persönlichen Schuld

Kinderloser abzuwälzen."

Die politische Diskrminierung der Kinderlosigkeit sei keine

geeignete Antwort auf jahrelange mangelnde Kreativität in Sachen

Sozialstaatsfinanzierung, so Kofler: "Es löst nichts, die Probleme

auf die Ebene der persönlichen Schuld Kinderloser abzuwälzen."

Großmüttergeneration noch geringere Kinderquote; Förderungen greifen

nicht

In ihrem aktuellen Buch geht die Autorin alten und neuen

Vorurteilen zum Thema Kinderlosigkeit nach. Zum Beispiel jenem, dass

es noch nie so viele Frauen gegeben habe, die ihre

Reproduktionsverpflichtung verweigern, wie heute. "Am Anteil der

kinderlosen Frauen hat sich eigentlich seit der Generation unserer

Großmütter nicht allzusehr verändert", rechnet Kofler vor. "Bei den

heute 40- bis 44-Jährigen liegt die Kinderlosenquote bei 16 Prozent,

bei den heute über 85-Jährigen bei 21 Prozent."

Oder dass die Entscheidung zur Elternschaft durch massive

finanzielle Anreize befördert würde. "Subventionen fürs Kinderkriegen

sind gar nicht so entscheidend dafür, wie gebärfreudig Frauen sind",

zieht Kofler internationale Vergleiche heran. "In Deutschland und

Österreich gibt es pro Kopf ein Vielfaches an familienfördernden

Maßnahmen zum Beispiel im Vergleich zu den USA, wo die Geburtenrate

allerdings deutlich höher ist. Eindimensionalen Modelle zu einer

komplexen Frage gehen nicht auf."

Es gibt Alternativen

In Frage stellt Kofler auch das Dogma, Familienvermehrung durch

eigene, leibliche Kinder sei die Voraussetzung für

Bevölkerungswachstum und für ausreichenden Nachschub beim

Produktivfaktor Arbeit. "Weltweit haben wir keineswegs

Geburtenmangel. Eine der Alternativen zur Verbesserung der

europäischen Bevölkerungsbilanz ohne höhere Geburtenraten ist ohnehin

längst Praxis, nämlich die Zuwanderung von Menschen aus anderen

Ländern." Inkonsequent sei es auch, dass zwar natürliche

Mutterschaft verklärt würde, Adoptionen sich aber immer noch zum

Hürdenlauf gestalten. "Und vollends unverständlich wird es, wenn

trotz verbreitetem Kinderkult ganze Gruppen von Menschen, die oft

gerne Kindder hätten, wie schwule und lesbische Paare von legalen

Adoptionsmöglichkeiten oder der künstlichen Befruchtung

ausgeschlossen bleiben", kritisiert Kofler.

Mangelnde Rationalität

Was Kofler vor allem ein Anliegen ist: "Mehr Rationalität in die

Diskussion zu bringen." Denn diese, meint die Autorin, komme

abhanden, kaum seien Themen wie Mutterschaft und Nachwuchs im Spiel.

"Wer sich gut überlegt, ob Kinder in ihr oder sein Leben passen, ist

verdächtig, potenziell problematisch und verantwortungslos gegenüber

der Gesellschaft. Doch Kinder zu kriegen, ist in jedem Fall in

Ordnung. Für einen Lebensjob also, der nicht ohne ist, und in dem

mangelnde Qualifikation ziemlich viel anrichten kann, braucht man

weder Ausbildung noch Ernsthaftigkeitsnachweis - für die

Elternschaft."

"Kinderlos, na und" wird am 21. Februar um 18.30 in

Veranstaltungszentrum Ega in Wien präsentiert.

Das Buch ist bei Orac/Kremayr&Scheriau, Wien, erschienen.

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