Neues Volksblatt: "Pflicht" (von Werner Rohrhofer)

Ausgabe vom 18. März 2006

Linz (OTS) - Die Verpflichtung zur Ehevorbereitung, wie sie die katholische Kirche jetzt österreichweit festlegen will, wirkt auf den ersten Blick eher befremdlich. Wer heiratet, so darf man voraussetzen, ist ein mündiger Mensch, der sich diesen Schritt mit seinen Konsequenzen reiflich überlegt und der sich in diesem Sinn ohnehin auf die Ehe "vorbereitet". Die Verpflichtung zur Vorbereitung klingt außerdem ein wenig so, als würde man das Brautpaar dazu verdonnern, Verwandte zur Hochzeit einzuladen und ein Festessen zu geben. Der Unterschied ist natürlich klar: Bei der Ehevorbereitung geht es genau nicht um den "großen Tag", sondern um die vielen Tage danach, um den "Alltag" des Ehelebens. Hier will die Kirche im Rahmen der Ehevorbereitung Hilfestellung anbieten, mit dem Ziel, dass diese Ehe "gelingen" möge. Angesichts der hohen Scheidungsraten ist dieses Angebot von besonderer Bedeutung. Es mit Verpflichtung zu verknüpfen, zeugt vom Realitätssinn der Kirche: Auch ein für die Betroffenen gutes und wichtiges Angebot bedarf manchmal eines gewissen Nachdrucks, damit es angenommen wird.

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