Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Ist Kontrolle besser?

Wie weit soll die Politik auf Wissenschaft und Universitäten Einfluss nehmen? Im 20. Jahrhundert hat sie das sehr intensiv getan, nicht nur in Zeiten der Diktatur. Die Professoren waren bis in die 60er Jahre konservativ und zum Teil noch deutschnational; in den 70ern gab es vor allem in Wien und in ideologisch relevanten Fächern (Philosophie, Verfassungsrecht, Volkswirtschaft, Zeitgeschichte) einen gezielten Linksruck. Und immer waren es Minister, die da rückten (und Liberale ignorierten).

Heute befinden sich die Unis in einer absoluten Freiheit -wahrscheinlich sogar in einer zu großen. Die Zahler sollten ihnen schon klarzumachen, wie absurd es ist, allein in Wien dreimal Architektur-Studien anzubieten oder an (zu) vielen Unis den Schwerpunkt Wirtschaft und Recht zu forcieren. Die Entlassung in die volle Freiheit hätte erfordert, dass man jeder einzelnen Uni von Anfang an ein klareres Ziel mit auf den Weg gibt.

Nun taucht das gleiche Problem in Zusammenhang mit der Elite-Uni auf: Wieweit darf die Politik mitreden? So wie einst bei den Uni-Räten versuchen nun manche, einen Konflikt darüber herbeizureden. Aber in Wahrheit redet die Politik immer mit: Denn solange sich eine Uni nicht durch Spenden, Erbschaften, die Erträge von Patenten und Firmengründungen selbst tragen kann, muss die Regierung einspringen -sie sollte freilich immer von vornherein viel klarer sagen, woran sie misst, ob eine Uni auch den Erwartungen entspricht.
Noch schwerer mit der Klarheit tun sich Opposition und deren Vorfeld, die in wirrem Zickzack einmal für und einmal gegen Elite-Unis, einmal für und einmal gegen den Standort Gugging, einmal gegen und einmal für die Uni-Autonomie sind.

Aber auch der Standpunkt Anton Zeilingers ist ziemlich widersprüchlich. Denn wenn der Uni-Vater zu Recht "Zugang zu finanziellen Mitteln nur im Wettbewerb" verlangt, ist es sinnlos, wenn er zugleich auf die "vollkommene Unabhängigkeit" pocht. Denn im Wettbewerb ist die Elite-Uni immer von dessen Regeln abhängig. Im Wettbewerb haben aber auch die alten Unis eine faire Chance.

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