WirtschaftsBlatt Kommentar vom 18.3.2006: Bier reinigt, Bier-Affären auch - von Arne Johannsen

Wien (OTS) - Bier ist gesund. Es enthält Nährstoffe und wirkt entschlackend, als Shampoo regt es die Haarwurzeln an. Hopfen-Kuren fördern die allgemeine Gesundheit. Wem Bier nicht hilft, dem hilft gar nichts mehr. Nicht ohne Grund sagt der Volksmund über hoffnungslose Fälle: "Bei dem sind Hopfen und Malz verloren." Und:
Bier macht reich - zumindest, wenn man zur richtigen Zeit die richtigen Brauerei-Aktien kauft.
Doch kein Wundermittel ohne Nachteile. Neben Schädelweh am nächsten Morgen kann dazu auch Ärger mit dem Staatsanwalt gehören. Den haben jetzt einige prominente österreichische Bier-Barone und ihre Familien. Sie sollen, so der Vorwurf von Justiz und Finanzmarktaufsicht, bei der Übernahme der BBAG durch den niederländischen Heineken-Konzern Insiderwissen verbotenerweise für private Aktien-Deals genutzt und damit Millionen verdient haben. Die Anklageschrift ist fertig und liegt jetzt der Justizministerin vor, wie das WirtschaftsBlatt gestern exklusiv berichtete.
Aber Vorsicht: Noch ist nicht entschieden, ob es überhaupt zu einem Strafprozess kommt, von Verurteilungen ganz zu schweigen.
Doch beim Bier kommen die Leut’ zusammen, Bier verbindet unterschiedliche Kulturen - auch Aktienkulturen. Auf der einen Seite steht Oberösterreichs Industrieadel. Beurle, Büche, Kretz - das sind rund um Linz klingende Namen. Man kennt sich, macht zusammen Geschäfte, spielt gemeinsam Golf, trifft sich bei Rotary-Abenden oder in anderen Zirkeln. Und dabei ein bisschen übers Geschäft zu reden, ist doch ganz normal. Was soll daran verboten sein?
Auf der anderen Seite Finanzmarktaufsicht und Staatsanwalt. Sie spricht von auffälligen Aktienkäufen von Insidern, die mehr wussten als andere und dieses Wissen verbotenerweise für sich und ihre Angehörigen ausnutzten. Kein Kavaliersdelikt, sondern ein strafrechtlich relevanter Verstoss gegen das Börsegesetz.
Das Aufeinandertreffen beider Kulturen vor Gericht könnte nicht nur spannend werden, sondern ist notwendig und sinnvoll. Denn ein moderner Finanzplatz wie die Wiener Börse hat andere Spielregeln als das herkömmliche "Eine Hand wäscht die andere und beide werden reich"-System. Dafür eine grössere Sensibilität zu schaffen, ist eine wichtige Aufgabe, die für die Zukunft der Wiener Börse grosse Bedeutung hat.
Nicht nur Bier hat eine reinigende Wirkung - Bier-Affären können sie auch haben.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001